Diabetikerwarnhunde sind ausgebildete Assistenzhunde, die laut zahlreichen Erfahrungsberichten Menschenleben retten können. Doch nicht jeder Hund kann eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund absolvieren. Der Vierbeiner muss eine naturgegebene Sensibilität besitzen. Nur bei wenigen Hunden ist die Warnfähigkeit vorhanden. Wir haben das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum Berlin zu diesem Thema befragt.

Wie läuft die Auswahl eines Diabetikerwarnhundes generell ab?

Deutsches Assistenzhunde-Zentrum Berlin: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder hat die von Diabetes betroffene Person schon einen Hund und lässt ihn durch uns auf seine Eignung als Diabetikerwarnhund testen. Besitzt er die Fähigkeit, frühzeitig zu warnen, kann er die Ausbildung beginnen. Besitzt er sie nicht, könnte er Anzeigehund werden. Anzeigehunde können zum Beispiel Hilfe holen, wenn es zu einer Ohnmacht kommt. Die andere Möglichkeit wäre, dass die von Diabetes betroffene Person einen Diabetikerwarnhund durch uns suchen lässt. Dies ist nicht ganz einfach, da nur ein Hund von 1000 die angeborene Fähigkeit des Warnens besitzt. Ist ein Welpe gefunden, startet die Ausbildung circa eine Woche nach dem Einzug des Hundes bei seinem neuen Besitzer.

Welche weiteren Voraussetzungen braucht ein angehender Diabetikerwarnhund?

Deutsches Assistenzhunde-Zentrum Berlin: Ein Diabetikerwarnhund muss das Assistenzhundewesen mitbringen, das heißt er darf keine Aggressionen zeigen, muss menschenbezogen, freundlich und seiner Umwelt offen sein. Jeder Hund, der das Warnverhalten angeboren hat und zusätzlich das Assistenzhundewesen mitbringt, kann Diabetikerwarnhund werden.

Was unterscheidet einen Diabetikerwarnhund neben seinen besonderen Fähigkeiten von einem „normalen“ Hund?

Deutsches Assistenzhunde-Zentrum Berlin: Diabetikerwarnhunde können in Familien leben, sollten sich aber hier nur auf die Person mit Diabetes „konzentrieren“. Ein Diabetikerwarnhund muss stets 24 Stunden mit dem Diabetiker zusammen sein, um immer zuverlässig warnen zu können. Das ist schon ein großer Unterschied zu einem "normalen" Hund, der nicht immer 24 Stunden mit seinem Besitzer unterwegs sein muss.

Was sind typische Kommandos/Fähigkeiten, die ein Diabetikerwarnhund nach der Ausbildung können muss?

Deutsches Assistenzhunde-Zentrum Berlin: In erster Linie muss ein Diabetikerwarnhund warnen – das ist seine Hauptaufgabe! Des Weiteren muss er, wie alle anderen Assistenzhundearten, die Standards einhalten: An der lockeren Leine laufen, sich auf Kommando lösen, fremde Menschen und Hunde ignorieren und nur auf Kommando begrüßen, nicht sofort beschnuppern, nichts Fressbares vom Boden aufnehmen und Leckerliangebote von Fremden ignorieren.

Ist eine Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung notwendig?

Deutsches Assistenzhunde-Zentrum Berlin: Alle Assistenzhunde müssen eine Prüfung ablegen, damit sie die Rechte eines Assistenzhundes erhalten können. Mit bestandener Prüfung haben Assistenzhunde beispielsweise Zutritt in Lebensmittelgeschäfte, dürfen mit ins Kino oder Theater, sie dürfen sogar kostenlos im Passagierbereich von Flugzeugen mitfliegen. Besteht ein Hund die Prüfung nicht kann eine Nachprüfung erfolgen. Hunde die keine Prüfung abgelegt haben, haben keine Assistenzhund-Rechte und wären somit auch keine offiziellen Assistenzhunde.

Bitte beachten Sie: Bisher gibt es sehr wenige wissenschaftliche Belege dafür, dass ausgebildete Diabetikerwarnhunde erfolgreich eine Unter – oder Überzuckerung erkennen und darauf aufmerksam machen können. Zahlreiche Hundetrainer, das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum Berlin und Diabetiker, die einen solchen Hund besitzen, können dies aber wohl bestätigen.

Foto: © kmiragaya/fotolia.com

(0)