Ein Gastartikel von Inge Büttner-Vogt

In unserer kostenlosen Online-Sprechstunde beantwortet Frau Büttner-Vogt regelmäßig Fragen rund um die Hundeerziehung. Sie nennt sich selbst dabei nicht Hundetrainerin, sondern Trainerin für Menschen mit Hund. Warum das so ist und wie ihre Sicht auf die Hundeerziehung sich in ihrer Arbeit mit vier- und zweibeinigen Teams widerspiegelt, hat sie für Sie aufgeschrieben.

"Alles ist eine Frage des Beschützens!"

Ich nenne mich „Trainerin für Menschen mit Hund“, weil ich noch keinen Hund trainiert habe. Er reagiert auf seine Umwelt, ist offen für positive Veränderungen und ungeheuer anpassungsfähig, leider auch im negativen Verhalten. Ich habe vor Hunden und ihrem Wesen einen tiefen Respekt, deshalb möchte ich alles von ihnen wissen und lernen. Ich hatte das Glück über den Bund für Tierfreunde an Shadow zu geraten, einen Altdeutschen Hütehund. Er hatte alles drauf, als ich ihn mit 2 ½ Jahren bekam: Abhauen, Jagen, Raufen, Leinenaggression – allerdings war er aufmerksam, hochbegabt und für jedes Spiel zu haben. Bald war ich mit meinem bisschen „Hundetraining“ am Ende – es war Zeit, an mir zu arbeiten.

Mit "Pfui", "Nein" und "Aus" brauchte ich ihm nicht zu kommen, ich musste mir schon etwas besseres einfallen lassen. Zappeln bei der Körpersprache ging nicht: Shadow bellte mich solange an, bis ich meine Glieder zu einer sauberen Übung im Griff hatte und er nachvollziehen konnte, was ich meinte. Er zeigte mir, wie ein Hund nicht mehr an der Leine zieht, wie Hunde sich untereinander zum "Kommen" bewegen – ich erkannte ein wunderbares Repertoire an Körpersprache. Ich lernte, dass man Hunden nicht die eigene Meinung von Signalen aufzwingen kann, ich schaute mir stattdessen ihre Körpersprache ab – es war ein wunderbares Erlebnis. Seither nenne ich mich „Trainerin für Menschen mit Hund“ und gebe es mit Erfolg weiter. Ich bin aber natürlich nur so gut, wie die Menschen es umsetzen.

Wie genau läuft das Training?

Wenn ein Team auf mich zukommt, zeigt mir der Hund schon, wie er sich fühlt: Er zerrt z.B. in verschiedene Richtungen, hat die Hinterbeine straff zur Flucht ausgestreckt, hängt bis zum Keuchen in der Leine oder starrt mit gespitzten Ohren in die Ferne: Nur weg hier. Jetzt kommt einer der wenigen Momente, in denen ich den Hund nehme, damit sein Mensch sieht, was mit ihm geschieht. Ich setze ihn hinter meine Füße, biete ihm meinen Schutz. Er blinkert mit den Augen, die Leine hängt durch, er hat nichts mehr zu erledigen. Nun beginnt das Training für seinen Menschen: Ausatmen, lockere Schultern, entspannen, führen und vorwärts gehen, nicht stehen bleiben – nur führen, leiten, beschützen. Schutz steht in meiner Philosophie ganz oben, an zweiter Stelle folgt geistiges Training, danach erst kommt die Bewegung. Am Ende des Trainings sitzt der Hund an lockerer Leine zwischen uns, schaut herauf, „lächelt“ und versteht die Welt besser, weil er sich verstanden fühlt."

Foto: © Inge Büttner-Vogt

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