Prüfungsstress, Stress auf der Arbeit, Zeitmangel: Das sind nur wenige Beispiele, warum wir Menschen Stress empfinden. Aber auch unsere vierbeinigen Freunde können unter Stress leiden. Wir haben mit Hundetrainerin Nathalie Örlecke gesprochen, um zu erfahren, wie man Stress bei Hunden erkennt und was man dagegen tun kann.

Arten von Stress bei Hunden

Menschen und Hunde besitzen gleichermaßen die biologische Funktion, Stresshormone ausschütten zu können. Diese sind in erster Linie nicht gefährlich, sondern helfen bei der Anpassung an eine neue Situation. Zudem machen sie den Körper leistungsfähiger. Das Stresssystem wird deshalb bei Hunden in vielen alltäglichen Situationen durch Reize aktiviert, zum Beispiel beim Treffen auf Artgenossen oder beim Spielen. Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Stress unterschieden – dem positiven Stress und dem negativen Stress. Fordern Sie Ihren Hund auf eine für ihn gut zu bewältigende Art oder steht er beispielsweise beim Training in einer Erwartungshaltung, wird positiver Stress ausgelöst. Negativer Stress entsteht dagegen bei Überforderung, Schmerzen oder Angst.

Anzeichen und Folgen von Stress bei Hunden

Hunde kommunizieren immer - auch in Stresssituationen. Dabei gilt: Jeder Hund ist anders und hat durch seine genetische Veranlagung, seinen Charakter und seine Erfahrungen andere Verhaltensweisen und Reaktionen. Gestresste Hunde setzen beschwichtigende Signale ein, um sich und ihre Umwelt zu beruhigen. Dazu gehören eine geduckte Haltung, angelegte Ohren, das Abwenden des Gesichts und Gähnen. Außerdem können häufiges Kratzen, in die Leine beißen oder Schütteln Anzeichen von Stress sein. Hundehalter können durch wiederholte Fehler, zum Beispiel durch die tägliche Isolierung des Hundes oder eine gewaltsame Erziehung, für anhaltenden Stress verantwortlich sein. Obwohl Hunde viel Stress vertragen können, führt dieser zu extremeren Reaktionen in bestimmten Situationen oder auch zu Krankheiten. Vierbeiner, die sich auf einem sehr hohen Stresslevel befinden, sind in ihrem Lernverhalten eingeschränkt, da Stress eine Blockade im Gehirn auslöst. Damit derartige Probleme nicht auftreten, sollten Sie sich im Zweifel immer Rat bei einem Hundetrainer einholen.

Maßnahmen gegen Stress bei Hunden

Es gibt einige Dinge, die Sie beachten können, um Ihrem Hund Stress zu ersparen oder negativen Stress in positiven umzuwandeln.

1. Hunde benötigen ausgedehnte Ruhezeiten und genügend Schlaf. Bei einem erwachsenen Hund beträgt die Ruhezeit rund 17 bis 20 Stunden am Tag. Welpen und ältere Hunde benötigen sogar mehr Zeit. Ist Ihr Hund krank? Hat Ihr Hund gerade erst seinen Besitzer gewechselt? Hier ist Stress abzusehen und besonders darauf zu achten, dass der Vierbeiner diese Ruhezeiten einhalten kann.

2. Stellen Sie Ihren Hund bereits in jungem Alter vor Herausforderungen, die er, ohne überfordert zu sein, meistern kann. Ein Hund, der frühzeitig gelernt hat, mit Stresssituationen umzugehen, überträgt diese Lernerfahrung auch auf zukünftige Situationen und kann gelassener damit umgehen. Zu Stresssituationen, die man von kleinauf kennenlernen kann, gehören zum Beispiel Tierarztbesuche, das Autofahren, das Aufeinandertreffen mit Artgenossen, der Besuch von vielen Menschen im eigenen Heim oder auch die Silvesternacht.

3. Behandeln Sie Ihren Hund artgerecht und erziehen Sie ihn mit liebevoller Konsequenz, frei von Gewalt und Bestrafung. Letzteres führt nur dazu, dass Ihr Hund Angst hat und in Stress gerät. Er lernt dann langsamer und auch nur, weil er sich in einer Angstsituation befindet, nicht, weil er lernen möchte und das Gelernte wirklich versteht.

4. Geben Sie Ihrem Hund Sicherheit, wenn er sich offensichtlich gestresst fühlt. Sie sind sein Ruhepol und Rudelführer, Sie sollten also einen Schutz darstellen, wenn Ihr Hund ihn benötigt. Verbringen Sie auch genügend Zeit mit Kuscheleinheiten und der Pflege Ihres Vierbeiners. Beides stärkt das Vertrauen und die Bindung zwischen ihnen und beugt Stress vor oder baut ihn sogar ab.

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