Ihr Hund leidet unter streng riechendem und merkwürdig aussehendem Durchfall? Die Ursache dafür könnten Giardien sein. Im folgenden Artikel finden Sie Informationen über Giardien beim Hund und erfahren, was Sie als Hundebesitzer beachten sollten. 


Inhaltsverzeichnis:


Was sind Giardien beim Hund?

Giardien sind mikroskopisch kleine einzellige Parasiten, die sich im Darm des Hundes ansiedeln können. Sie leben in zwei verschiedenen Stadien – als Trophozoiten und als Zysten. Die Trophozoiten sind die aktive, fruchtbare Lebensform der Giardien. Sie heften sich an der Darmwand des Tieres an und vermehren sich dort. Sie ernähren sich vom Darminhalt – insbesondere von Kohlenhydraten ­– und der Darmschleimhaut des Hundes. Die Trophozoiten können außerhalb des Darms nicht sehr lange überleben. Sie bilden daher schon im Hund eine Schutzschicht und werden als sogenannte Zysten mit dem Kot ausgeschieden. So können sie Wochen oder Monate in der Umwelt überleben und den nächsten Hund anstecken.

Aber nicht nur Hunde sind gefährdet – diese Erkrankung ist eine Zoonose: einige Giardien-Arten sind vom Tier auf den Menschen übertragbar. Somit besteht also die Gefahr, dass auch Sie als Hundebesitzer sich infizieren könnten. Die Symptome beim Menschen sind ähnlich wie die beim Hund. 

Giardien beim Hund: Symptome

Hunde, die an Giardien erkrankt sind, leiden oft an Durchfall und scheiden einen hellen, schleimigen und übelriechenden Kot aus. Begleitend dazu können sie an Magenkrämpfen und Blähungen leiden. Giardien rufen eine Störung der Nährstoffaufnahme hervor, erkrankte Hunde und Hundewelpen verlieren daher oft an Gewicht oder nehmen nur schwer zu. Durch Durchfall oder Erbrechen verlieren die Tiere zudem sehr viel Flüssigkeit, werden matt und antriebslos. Der Gesundheitszustand kann sich dann schlagartig verschlechtern.

Giardien beim Hund: Ursachen

Hunde können sich über verschiedene Wege mit Giardien anstecken, beispielsweise indem sie den Kot infizierter Tiere direkt aufnehmen oder aus damit kontaminierten Wasser- oder Futternäpfen essen und trinken. Aber auch über Wasser aus Pfützen und Teichen. Hunde die besonders häufig draußen trinken können sich daher leichter mit Giardien infizieren.

Sollten Sie sich einen neuen Hund aus einem Tierheim oder vom Züchter holen und haben bereits einen Vierbeiner zu Hause, kann es sinnvoll sein den Kot des neuen Tieres vorab untersuchen zu lassen. Der Infektionsdruck in diesen Einrichtungen kann sehr hoch sein und die Tiere stecken sich immer wieder gegenseitig an. Auch Tiere aus ausländischen Tierheimen bringen häufig Giardien mit. In diesen Tierheimen leben meistens mehrere hundert Hunde mit nur wenig Personal und geringen finanziellen Mitteln, sodass es schwierig ist jeden Zwinger mehrmals täglich zu desinfizieren oder die Futter- und Wassernäpfe abzukochen und auszuwechseln. Viele Hunde, die durch Organisationen nach Deutschland vermittelt werden, werden vor der Einreise getestet. Dennoch gibt es einige Urlauber, die Hunde auch ohne die Unterstützung einer Organisation und ohne Test aus dem Ausland mit nach Deutschland bringen. Die Giardien kommen auf diesem Wege dann hierher, sodass sich andere Tiere anstecken können.

Giardien beim Hund: Untersuchung

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Liebling an Giardien erkrankt ist, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen. Um eine aussagekräftige Diagnose stellen zu können, muss eine Kotuntersuchung durchgeführt werden. Da die Erreger nicht jedes Mal mit dem Kot ausgeschieden werden, sollten Sie eine Sammelkotprobe von mindestens drei Tagen abgeben. Um ein eindeutiges Ergebnis zu bekommen, wird der Kot unter einem Mikroskop untersucht. Ergänzend dazu wird meistens noch ein Erreger-Schnelltest durchgeführt, der innerhalb von wenigen Minuten anzeigt, ob der Hund Giardien hat oder nicht. Einige Tierärzte führen zusätzlich dazu noch eine Blutuntersuchung durch, je nach Schweregrad der Symptome. Dadurch kann er prüfen, ob abhängig oder unabhängig von der Infektion weitere Probleme vorliegen, ob etwas gegen die medikamentöse Behandlung sprechen würde oder ob gegebenenfalls noch weitere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen benötigt werden.

Giardien beim Hund: Behandlung

Sind die Tests positiv, ist auch für Sie Vorsicht geboten. Manche Giardien-Typen sind sogenannte Zoonose-Erreger – das heißt, dass sie vom Tier auf den Menschen übertragbar sind und umgekehrt. Gründliche Hygienemaßnahmen wie intensives Händewaschen nach dem Streicheln sind insbesondere bei Kindern und immungeschwächten Personen sehr wichtig. Auch die Ansteckung von Tier zu Tier ist möglich. Daher sollten Sie umgehend mit der von Ihrem Tierarzt verschriebenen Behandlung beginnen. 

Es gibt verschiedene Medikamente, in Tabletten- oder Pastenform, die bei einer Erkrankung mit Giardien wirksam sind. Je nach Schweregrad der Symptome, gibt der Tierarzt Ihnen das passende Medikament für Ihren Hund mit. Es kann sein, dass die Behandlung nach einer Pause nochmal wiederholt werden muss, um wirklich sicher zu sein, dass alle Parasiten abgetötet wurden. Nach der Behandlung sollten Sie, nach Absprache mit Ihrem Tierarzt, nochmal eine Sammelkotprobe abgeben. Ist der Befund dann negativ, können Sie sich relativ sicher sein, dass die Behandlung erfolgreich war. Sollten Sie wieder einen positiven Befund haben, muss die Therapie möglicherweise wiederholt werden.

Die Behandlung mit Medikamenten reicht bei Giardien beim Hund leider oft nicht aus. Denn die Zysten können in der Umgebung sehr mehrere Wochen bis Monate überleben. Wir haben ein paar Tipps für Sie zusammengestellt, damit Sie Ihre Wohnung schneller und erfolgreicher erregerfrei bekommen:

  • Waschen Sie alle Decken, Körbchen und Spielzeuge so heiß wie möglich
  • Kochen Sie sowohl die Futternäpfe als auch die Trinknäpfe täglich ab
  • Alle Dinge, die nicht gewaschen werden können, müssen gründlich abgesaugt und desinfiziert werden*
  • Vermeiden Sie den Kontakt zu anderen Hunden, damit sich diese nicht anstecken können

*Achtung: Um Giardien bekämpfen zu können, benötigen Sie ein spezielles Desinfektionsmittel. Informieren Sie sich darüber in Ihrer Tierarztpraxis und lassen Sie sich dort ein wirksames Mittel bestellen.

Giardien beim Hund: Vorbeugung

Impfungen oder Medikamente gibt es für die Vorbeugung von Giardien beim Hund leider nicht. Um eine Ansteckung zu verhindern, sollten Sie bestimmte Hygienemaßnahmen beachten. Sie sollten Schlafplätze, Spielzeuge und Näpfe regelmäßig und gründlich reinigen. Allgemeine Hygiene ist sehr wichtig, um Krankheitserregern vorzubeugen. Vor allem Haushalte mit mehreren Hunden sind gefährdet, da sich die Erreger schnell und teilweise unbemerkt verbreiten. Außerdem sollten Sie den Kot Ihres Hundes konsequent aufsammeln und verhindern, dass Ihr Hund Kot von anderen Tieren frisst.

Von 2003 bis 2010 wurden 24.677 Hundekotproben in einem deutschen veterinärmedizinischen Labor untersucht. Davon wurden 18,6 Prozent der Proben positiv auf Giardien getestet. Ein anderes untersuchte im Jahr im 2011 29.000 Proben und kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Giardien waren mit Abstand die häufigsten Parasiten im Hundekot. Außerdem fanden sie heraus, dass jüngere Tiere unter sieben Monate häufiger Giardien-Antikörper im Kot auf aufwiesen als ältere Tiere.

Giardien beim Hund: Kosten

Wenn Sie Ihren Hund beim Tierarzt vorstellen, dann wird dieser vorerst eine allgemeine Untersuchung durchführen, um den Gesundheitszustand Ihres Lieblings zu kontrollieren. Hinzu kommen noch die Kosten für eine oder gegebenenfalls mehrere Kotuntersuchungen und die Medikamente. Sollte sich Ihr Hund in einem guten Zustand befinden, wird der Tierarzt wahrscheinlich erstmal keine weiteren Untersuchung durchführen und die Rechnungskosten bleiben relativ gering. Sollte sich der Zustand Ihres Hundes allerdings nicht verbessern und sogar noch verschlechtern, kann es sein, dass weitere Untersuchungen oder Behandlungen durchgeführt werden müssen und somit die Kosten ansteigen. Diese werden gemäß der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet.

 

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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