Nicht nur der Magen-Darm-Trakt, sondern auch die Atemwege unserer Vierbeiner können von Würmern befallen werden. Solche Lungenwürmer kommen bei Katzen häufiger vor als viele Halter erwarten. Dabei kann eine Infektion schwerwiegende Folgen haben. Besonders Freigänger-Katzen sind gefährdet.


Inhaltsverzeichnis:


Was sind Lungenwürmer bei Katzen und wie kommen sie in die Lunge?

Der häufigste Katzen-Lungenwurm ist der sogenannte Aelurostrongylus abstrusus. Er ist weltweit verbreitet. Der bis zu 14 mm lange Wurm nistet sich in der Lunge der Katzen ein – nicht ein einzelner, sondern viele zunächst heranwachsende Larven. Aber wie findet der Parasit seinen Weg dorthin? Landschnecken, in die die Larven des Wurms aktiv eindringen, dienen als Zwischenstation. Dort vermehren sich die Larven und entwickeln sich weiter. Schnecken stehen zwar nicht ganz oben auf dem Speiseplan von Katzen, sie stellen aber trotzdem eine große Gefahr dar. Über sie infizieren sich Ratten, Mäuse, Eidechsen oder Vögel bei der Nahrungsaufnahme. Katzen, die solche Tiere – sogenannte Transportwirte – erbeuten und fressen, nehmen darüber die Wurmlarven auf. Das Trinken aus kontaminierten Wasserstellen oder Pfützen kann ebenfalls zur Aufnahme der Larven führen. Diese bahnen sich dann über Blut- und Lymphgefäße ihren Weg vom Magen-Darm-Trakt in Richtung Lungengewebe der Katze. Dort reifen sie innerhalb von circa sechs Wochen zu erwachsenen Würmern heran und pflanzen sich fort. Aus den Eiern geschlüpfte Larven werden hochgehustet und und dann wieder heruntergeschluckt – so gelangen sie in den Magen-Darm-Trakt. Von dort werden sie mit dem Kot ausgeschieden und gelangen so wieder in die Außenwelt. Mit dem Eindringen in die Schnecken beginnt der Kreislauf wieder von vorne. Und zwar nicht nur einmal: Die Ausscheidedauer kann bis zu mehr als einem Jahr andauern.

Lungenwürmer bei Katzen: Symptome

Husten, Niesen, Augen- und Nasenausfluss sowie Atemnot sind Symptome, die bei einem Lungenwurmbefall auftreten können. Auch lethargisches Verhalten der Katze, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können damit einhergehen. In welcher Art und Ausprägung die Symptome ausfallen, ist von Fall zu Fall verschieden. Manche infizierten Katzen zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen und tragen dennoch zur Verbreitung des Lungenwurms bei, da sie die Larven ausscheiden. Aufgrund der Vielfältigkeit der Symptome lässt sich eine Infektion durch den Lungenwurm nicht so leicht feststellen. Andere Atemwegserkrankungen wie Katzenschnupfen oder Asthma rufen ähnliche Beschwerden hervor und werden oft fälschlicherweise für die Ursache gehalten. Aber was macht der Parasit in der Lunge der Katze? Die Würmer bilden mit den angesammelten Eiern kleine Knötchen, die sich über die Lungenoberfläche vorwölben und Gewebereizungen verursachen. Die Anzahl der Würmer, Eier und Larven bestimmt die Ausprägung der Symptome: Je stärker der Befall, desto deutlicher zeigen sich die Beschwerden. Ist die Katze infiziert und erkrankt, sind die Symptome während der Zeit der höchsten Eiproduktion der Weibchen am stärksten ausgeprägt. Junge Katzen und Tiere mit geschwächtem Immunsystem weisen ein höheres Risiko auf, durch einen Lungenwurmbefall schwer zu erkranken. Bei infizierten Katzen, die Atembeschwerden zeigen, können im Laufe der Zeit Entzündungen und Verstopfungen der Atemwege auftreten. Bleibt der Lungenwurm in diesen Fällen unentdeckt und somit unbehandelt, wird der Atmungstrakt dauerhaft geschädigt und die Katze kann schließlich an der Infektion sterben.

Achtung: In seltenen Fällen können die Beschwerden der Katze auch durch eine Infektion mit dem sogenannten Lungenhaarwurm hervorgerufen werden. Dieser ist unter Füchsen verbreitet und wird über kontaminiertes Wasser oder Futter aufgenommen. Im Gegensatz zum oben beschriebenen Wurm kann der Lungenhaarwurm auch beim Menschen zu Erkrankungsfällen führen.

Lungenwürmer bei Katzen: Ursachen

Aufgrund des im ersten Abschnitt beschriebenen Übertragungsmechanismus der Lungenwurmlarven sind insbesondere Freigängerkatzen gefährdet. Über Transportwirte, die sie auf ihren Jagdzügen erbeuten oder verunreinigte Wasserstellen nehmen die Katzen die Larven auf. Laut einer aktuellen Studie gilt bei jungen und unkastrierten Katzen ein höheres Risiko, sich mit dem Lungenwurm anzustecken. Neben dem genannten Aelurostrongylus abstrusus kann es während des Freigangs in seltenen Fällen auch zur Infektion mit anderen Arten von Lungenwürmern kommen, die vergleichbare Symptome hervorrufen.

Lungenwürmer bei Katzen: Untersuchung

Da die Lungenwurmlarven von infizierten Katzen ausgeschieden werden, könnte man meinen, dass die Parasiten in einer Routine-Kotuntersuchung entdeckt werden. Diese Annahme erweist sich jedoch in den meisten Fällen als Irrtum. Um herauszufinden, ob sich die Katze mit Lungenwürmern infiziert hat, sollten Katzenhalter an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen Kotproben sammeln. Diese Sammelprobe wird dann mittels spezieller Verfahren untersucht. Doch selbst dann ist nicht hundertprozentig von einem sicheren Ergebnis auszugehen. Die Larvenausscheidung erfolgt oft unregelmäßig. In manchen Phasen, vor allem wenn die Katze chronisch erkrankt ist, findet überhaupt keine Ausscheidung statt und so kann es sein, dass eine Katze mit negativer Kotprobe trotzdem infiziert ist. Im Gegenzug kann es sein, dass schwere Lungenveränderungen auf einem Röntgenbild vom Brustkorb sichtbar sind, obwohl die Katze kaum Symptome zeigt.

Aufgrund dieser Schwierigkeit bei der Diagnose bleibt der Lungenwurm oft unentdeckt. Dabei sind mehr Katzen betroffen als vermutet. Eine Schweizer Studie aus dem Sommer 2019 deckte diese Tatsache mit Hilfe einer neuen Untersuchungsmethode auf. Die Wissenschaftler kontrollierten nicht die Kotproben von drei aufeinanderfolgenden Tagen, sondern prüften das Blut der Tiere auf Antikörper gegen den Parasiten. Dabei zeigten gut zehn Prozent der mehr als 4000 eingesendeten Proben ein positives Testergebnis. Im Vergleich zu vorherigen Studien war der Anteil infizierter Katzen damit drastisch gestiegen. Ein Beleg dafür, dass das Problem der Lungenwurminfektion bei Katzen bisher unterschätzt wurde. Durch die Blutuntersuchung können die Anzeichen eines Lungenwurmbefalls früher und länger nachgewiesen werden.

Lungenwürmer bei Katzen: Behandlung

Wird der Lungenwurm als Auslöser von Atembeschwerden identifiziert, kann der Tierarzt gezielt gegen ihn vorgehen. In Deutschland gibt es aktuell zwei Wirkstoffkombinationen, die zur Behandlung des Katzenlungenwurms eingesetzt werden. Als sogenannte Spot-on-Präparate werden sie ein- oder zweimalig im Abstand von zwei oder vier Wochen auf die Haut im Nacken der Katze aufgetragen. Diese Art der Medikamentenvergabe ist einfach und zügig durchführbar und stellt somit keinen großen Stressfaktor für die Katzen dar – ein Vorteil insbesondere für die Tiere, die unter ausgeprägten Atembeschwerden leiden. Bei einer zügigen Diagnose und Behandlung der Katze stehen die Chancen auf eine völlige Genesung gut.

Lungenwürmer bei Katzen: Vorbeugung

Zwar gibt es für Katzen keinen vorbeugenden Schutz vor Lungenwürmern. Durch eine regelmäßige Entwurmung kann ein Lungenwurmbefall jedoch frühzeitig bekämpft und die Katze somit vor Schäden der Atemwege geschützt werden. Aber: Nicht alle Entwurmungspräparate beinhalten Wirkstoffe zur Behandlung von Lungenwürmern. Deshalb sollte Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten lassen. So können Sie auf Mittel zurückgreifen, die sicher gegen den Lungenwurm wirken und gleichzeitig andere Würmer sowie äußere Parasiten wie Zecken und Flöhe bekämpfen. Bei jagenden Freigängern kann eine solche Entwurmung alle vier Wochen ratsam sein. Zu diesem Zweck bieten sich besonders Spot-on-Präparate an, die auf die Haut im Nacken der Katze getropft werden.

Da junge Katzen sowie Tiere mit geschwächtem Immunsystem eher gefährdet sind, sollten Sie bei diesen besonders auf mögliche Symptome achten und eine geeignete Wurmkur einsetzen. Nach neusten Erkenntnissen sind unkastrierte Katzen häufiger von einem Lungenwurmbefall betroffen als kastrierte Artgenossen.

Lungenwürmer bei Katzen: Kosten

Da Lungenwürmer bei Katzen nicht immer einfach nachzuweisen sind, ist es schwierig, einen wahrscheinlichen Kostenrahmen für Diagnostik und Therapie festzulegen. Im Regelfall wird der Tierarzt mindestens eine allgemeine Untersuchung sowie eine Kot- oder Blutuntersuchung durchführen und diese nach geltender Gebührenordnung für Tierärzte zzgl. der Laborkosten berechnen. Kann er dabei bereits einen Parasitenbefall feststellen und sprechen die Symptome gut auf eine Entwurmung an, kommen vermutlich keine hohen Kosten auf die Tierbesitzer zu. Müssen jedoch weitere diagnostische Verfahren, wie beispielsweise Röntgenbilder oder der Ausschluss anderer Infektionserreger, durchgeführt werden oder kommt es im Verlauf der Erkrankung zu Komplikationen, können die Kosten deutlich ansteigen.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

 

 

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