Norwegische Hundebesitzer sind seit letztem Sommer in Sorge. Der Grund: Eine rätselhafte Erkrankung, die durch blutigen Durchfall und blutiges Erbrechen gekennzeichnet ist. Außergewöhnlich ist dabei der schnelle und heftige Krankheitsverlauf. Rund 170 betroffene Hunde wurden bereits gemeldet. Bei 42 Hunden führte die Krankheit zum Tod.

Die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Mattilsynet, ist für den Fall zuständig. In Zusammenarbeit mit dem Veterinärinstitut und Fachtierärzten in Norwegen sind die Behörden weiter auf der Suche nach der Ursache des Krankheitsausbruchs. Zwar ist in Norwegen von rückläufigen Zahlen die Rede. Jedoch sind mittlerweile Fälle von Hunden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bekannt, die ähnliche Symptome zeigten wie ihre Artgenossen in Norwegen. Ob es sich um dieselbe Magen-Darm-Erkrankung handelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.


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Welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen Betroffenen der rätselhaften Hundekrankheit?

In bisherigen Untersuchungen wurden Fütterung, Haltung sowie Alter, Rasse und Kontakt zu anderen Hunden der betroffenen Patienten dokumentiert und verglichen. Auf Grundlage der Ergebnisse gehen die norwegischen Behörden inzwischen davon aus, dass die Krankheit nicht besonders ansteckend ist. Die Ursache für den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankung konnte jedoch bis jetzt nicht geklärt werden. Die meisten Fälle zeigten sich in den Bezirken Ostnorwegens, in denen sehr viele Hunde leben. Bei hohem Ansteckungsrisiko hätten hier noch mehr Hunde erkranken müssen. Außerdem war in Haushalten mit mehreren Hunden nur jeweils ein Hund erkrankt. In den sozialen Medien wurde zunächst ein Hundefutter verantwortlich gemacht ­– eine von offiziellen Stellen nie bestätigte Behauptung. In den Untersuchungen konnten hierzu keine Gemeinsamkeit gefunden werden. Auch Rasseeinflüsse gelten als unwahrscheinlich, da Hunde aus knapp 90 verschiedenen Rassen betroffen sind.

Das untersuchende Veterinärinstitut ist mittlerweile sicher, dass gar nicht alle Fälle zwangsläufig miteinander in Verbindung gebracht werden können. Auch bei den betroffenen Hunden in Norddeutschland ist schwer zu sagen, ob sie derselben Krankheit zum Opfer fielen wie die Hunde in Norwegen. Während in Norwegen auch gesunde Tiere der Krankheit erlagen, waren die vier verstorbenen Hunde aus Deutschland durch Vorerkrankungen geschwächt.

Bakterien als wahrscheinlicher Auslöser für die rätselhafte Hundekrankheit

Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Algen – viele Möglichkeiten kommen infrage und Experten arbeiten mit Hochdruck daran, den Erreger der Krankheit ausfindig zu machen. Inzwischen wird ein Zusammenhang zwischen der Durchfallerkrankung und zwei Bakterienarten vermutet: das Bakterium Providencia alcalifaciens konnte ebenso wie das Bakterium Clostridium perfringens vermehrt bei erkrankten Hunden nachgewiesen werden. Beide Bakterienarten können jedoch in geringer Anzahl auch im Darm eines gesunden Hundes vorkommen. Inwiefern diese Bakterien verantwortlich für die Darminfektion sind oder noch andere Faktoren eine bedeutende Rolle spielen, gilt es noch herauszufinden.

Empfohlene Vorsichtsmaßnahmen

Die Empfehlung der norwegischen Behörden, engen Kontakt zwischen Hunden ganz und gar zu vermeiden, wurde mittlerweile aufgehoben. Auf der Website der norwegischen Botschaft besteht jedoch nach wie vor der Reisehinweis, Hunde an der Leine zu halten und den Kontakt zwischen Hunden einzuschränken. Möglicherweise haben sich die betroffenen Hunde durch verunreinigtes Wasser aus Pfützen oder Bächen infiziert. Aufgrund dieser Vermutung wird dazu geraten, Hunde von Pfützen fernzuhalten.

Zumindest bei dem verstorbenen Hund in Schleswig-Holstein gab die Besitzerin sicher an, dass sie keinen Urlaub in Norwegen gemacht und auch keine Gäste aus diesem Land empfangen habe. Trotzdem sollten Hundehalter, die dort ihren Urlaub verbracht haben oder anderweitigen Kontakt nach Norwegen pflegen, besonders auf ihre Vierbeiner achten. Ältere Hunde oder Hunde mit Vorerkrankungen sind eher gefährdet als gesunde Tiere. In jedem Fall ist bei ersten Anzeichen einer Magen-Darm-Erkrankung zügig ein Tierarzt aufzusuchen.

Achim Gruber ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin. Er beschwichtigte Hundebesitzer im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. Nach bisherigem Kenntnisstand sehe er keinen seuchenhaften, gefährlichen Charakter bei der Durchfallerkrankung in Norwegen. Trotzdem sei die Gefahr, neue Krankheiten einzuschleppen nicht zu unterschätzen und er rät zu einer tierärztlichen Beratung vor und nach Reisen ins Ausland. Schließlich gilt eine allgemeine Vorsicht vor Hundekrankheiten auch für andere Urlaubsländer.

Foto: © Rick Sause/Adobe Stock

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