Gerade zur Sommerzeit wollen wir unseren Vierbeinern – insbesondere Hunden – den Badespaß im Teich oder im See nicht vorenthalten. Die Gewässer können allerdings durch sogenannte Cyanobakterien zu einer tödlichen Gefahr werden: Erfahren Sie hier, was Sie über eine Vergiftung durch Blaualgen bei Hund und Katze wissen sollten.


Inhaltsverzeichnis:


Blaualgen: Das Wichtigste auf einen Blick

Häufigkeit der Erkrankung Zu finden in ruhigeren, flacheren (Bereichen von) Gewässern mit viel Sonneneinstrahlung Verlauf der Erkrankung Erkennbar als undurchsichtige Teppiche oder -schlieren, grünlich/bläuliche Wasserfärbung
Schwere der Erkrankung Leicht zu verwechseln mit Kieselalgen & ins Wasser eingetragene Blütenpollen Diagnose der Erkrankung Typische Symptome sind u.a. Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Krämpfe
Vorkommen der Erkrankung Notfall! Suchen Sie bei Vergiftungsverdacht umgehend eine Tierarztpraxis auf Behandlungsmöglichkeit der Erkrankung Tödliche Dosis für Hunde und Katzen unklar

Blaualgen erkennen

Blaualgen haben ihren Namen aufgrund ihrer blau-grünlichen Farbe. Es handelt sich dabei um sogenannte Cyanobakterien, die in Gewässern allgegenwärtig sind und die Sauerstoff produzieren und damit die im Wasser lebenden Tiere versorgen. Das Vorhandensein dieser Bakterien in geringen Mengen ist noch kein Problem. Allerdings kann es sein, dass sie sich bei besonders hohen Temperaturen oder zu vielen Abfällen im Wasser massenhaft vermehren. Zur Blüte (meist im August) kann man sie dann als grünen Algenteppich bzw. Schlieren an der Wasseroberfläche erkennen. Die fadenförmigen Bakterien können in Frischwasser und in Brackwasser entstehen.

Giftige Blaualgen erkennen

 

Das Ausmaß der Blaualgenentwicklung und das Auftreten einer Algenblüte (massenhafte Vermehrung der Blaualgen) hängt dabei von mehreren Faktoren ab, wie beispielsweise warmen Wassertemperaturen und einem hohen Nährstoffgehalt. Nicht alle Blaualgen sind giftig, allerdings erhöht sich mit der Menge der Blaualgen auch die Wahrscheinlichkeit einer Blaualgenvergiftung für Hunde und Katzen.

Wirkung des Blaualgen-Gifts

Tatsächlich produzieren die meisten Blaualgen keine Toxine, was allerdings mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Verschiedene Blaualgenspezies können verschiedene Gifte, sogenannte Cyanotoxine, produzieren, die wiederum unterschiedliche Wirkungen im Körper entfalten. Einige schädigen lediglich die Haut (dermatologische Toxine), andere greifen jedoch die Leber (Hepatotoxine) und das Nervensystem (Neurotoxine) an. Die Wirkung reicht von leichten Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod. Bei Menschen kommt es zu Vergiftungserscheinungen, wenn diese in befallenen Seen gebadet oder ihr Wasser geschluckt haben. Erwachsene erleiden dann im schlimmsten Fall Schädigungen des Nervensystems, für Kinder gilt Lebensgefahr. Auch bei Tieren ist eine Vergiftung durch Blaualgen nicht zu unterschätzen: Hunde sind besonders gefährdet, da sie auch in verschmutzten Gewässern schwimmen, Seewasser trinken und sich die Blaualgen vom Fell oder von Steinen am Seerand ablecken. Doch auch bei Katzen ist eine Vergiftung nicht ausgeschlossen.

Symptome einer Blaualgenvergiftung

Grüne Blaualgen im See

Die Symptome treten kurz nach dem Badespaß auf, viele Tierhaltende bemerken Symptome bei Ihren Lieblingen bereits innerhalb der ersten 30 Minuten nach Wasserkontakt. Eine Blaualgenvergiftung bei Hunden und Katzen äußert sich häufig zunächst durch unspezifische Symptome wie starkes Speicheln, Erbrechen und Durchfall. Weiterführend und lebensbedrohlich sind Atemnot, Muskelzuckungen und Krämpfe sowie ein Bewusstseinsverlust und Seitenlage. Außerdem kann es zu Lethargie, Schwäche, Orientierungslosigkeit, einer veränderten Farbe der Schleimhäute, tränenden Augen und einem Schock kommen.

 

Blaualgen-Arten und ihre Wirkung

Verschiedene Blaualgenspezies produzieren verschiedene Gifte. Hier ist eine Liste der Gifte mit ihrer Wirkung und den ausgelösten Symptomen bei Hund und Katze:

Gift

Wirkung

Gefahr

Symptome

Microcystin

Leberzerstörung und Leberversagen

Zügiger Fortschritt: Tod innerhalb einiger Stunden

Durchfall, Schwäche, Gelbsucht, helle Schleimhäute und Schock

Anatoxin

Greift das Nervensystem an

Sehr schneller Fortschritt: Tod innerhalb von Minuten bis Stunden

Muskelzittern, Muskelkrämpfe und Lähmungen sowie Durchfall, Speicheln, Tränenfluss und bläuliche Schleimhäute

Lyngbya, Aplysia und Debromoaplysia

Wirkung über und in der Haut

In der Regel gut behandelbar

Hautrötungen und -entzündungen, Jucken sowie Blasenbildung

 

Was ist bei einer Blaualgenvergiftung zu tun?

Bei Verdacht auf eine Blaualgenvergiftung sollten Sie umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufsuchen und Ihre Vermutung äußern. Sie selbst können nicht viel tun, da es kein spezifisches Gegenmittel für Zuhause gibt. Eine Möglichkeit, die Gifte etwas zu binden, ist Aktivkohle – die Dosierung sollten Sie präventiv mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt besprechen. Außerdem sollten Sie Algenrückstände im Fell Ihres Hundes oder Ihrer Katze sofort entfernen. Die beste Behandlung ist allerdings immer noch eine gute Vorsorge, sodass Sie auf Spaziergängen Ihren Hund schützen sollten.

Blaualgen - giftig für Hunde und Katzen

 

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung dar. Bei einer Vergiftung handelt es sich um einen Notfall! Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Vierbeiner etwas Schädliches aufgenommen hat, sollten Sie in jedem Fall eine Tierärztin oder einen Tierarzt um Rat fragen oder die Nummer des deutschen Giftnotrufs +49 551 19240 anrufen. Melden Sie, wann und wo der Stoff aufgenommen wurde und versuchen Sie, ihn genau zu beschreiben. Wenn möglich bringen Sie die Verpackung bzw. ein Exemplar der aufgenommenen Substanz mit in die Tierarztpraxis.

Foto: © oben: AGILA Haustierversicherung; im Text (von oben nach unten): Robert Leßmann/Adobe Stock, Jerz/Adobe Stock, Schmutzler-Schaub/Adobe Stock