Die Bengal ist keine gewöhnliche Hauskatze: Diese sehr intelligenten und aktiven Tiere faszinieren viele Menschen. Sie bringen aber auch einige Herausforderungen mit sich, wenn man sich für ihre Haltung entscheidet. Informieren Sie sich in diesem Artikel über Herkunft, Pflege, Charakter, Haltung sowie Krankheiten.
Inhaltsverzeichnis:
- Bengal: Ein Einblick in die Entstehung der Rasse
- Bengalkatze: Problematische Zucht?
- Das beeindruckende Erscheinungsbild der Bengal Katze
- Charaktereigenschaften der Bengal Katze
- Bengal Katze: Haltung und Pflege
- Gesundheitliche Einschränkungen der Bengal Katze
- Keine gewöhnliche Hauskatze: Ist die Bengal Katze die richtige Wahl für Sie?
- Welche Katzenrassen sind der Bengal ähnlich?
- FAQ Bengal
Bengal: Ein Einblick in die Entstehung der Rasse
Ihre Entstehung begann, als Mitte des 20. Jahrhunderts ein Hauskater mit einer asiatischen Leopardkatze gekreuzt wurde. Ziel dieser Kreuzung war es, eine Rasse zu schaffen, die das exotische Erscheinungsbild eines Wildtiers mit dem sanften Wesen einer Hauskatze kombiniert.
Damals wurden Rassen wie die Abessinier, Burmese und die ägyptische Mau eingekreuzt, um die genetische Vielfalt zu verbessern und das Aussehen weiter zu verfeinern.
Mit der Zeit entwickelte sich die Bengal zu einer eigenständigen Rasse, die Eleganz und Wildheit in ihrem Auftreten vereint. Offiziell wurde sie 1999 von der FIFe anerkannt.
Bengalkatze: Problematische Zucht?
Die Zucht von Bengalkatzen wird mittlerweile sehr kritisch gesehen. Dies hat mehrere Gründe. Bei ihrer Entstehung werden weibliche Hauskatzen mit männlichen Wildkatern verpaart. Diese Kater sind sehr viel größer als Hauskatzen. In der Folge kommt es zu Schwierigkeiten in der Trächtigkeit und bei der Geburt, weil die Welpen zu groß für das Muttertier sind. Es kommt häufig zu weiteren Problemen, wie etwa unfruchtbaren männlichen Tieren in den ersten Generationen. Immer wieder sterben zudem die weiblichen Tiere, wenn der Wildkater ihnen bei der Paarung verhaltensgerecht in den Nacken beißt.
Mittlerweile gibt es zwar über längere Zeit nur mit Hauskatzen bzw. innerhalb der Rasse verpaarte Bengalkatzen, aber ihre Entstehung ist ohne Zweifel tierschutzwidrig. Außerdem werden nach wie vor zur Erhaltung der speziellen Fellfärbung immer wieder Wildkater eingekreuzt – mit den oben beschriebenen Risiken.
Daher gelten in vielen Ländern mittlerweile Einschränkungen oder Verbote zur Zucht und Haltung von Bengalkatzen – sie werden als Qualzucht eingestuft.
Katzen, die die Generationen 1-4 nach der Kreuzung von Wildkatze und Hauskatze bilden, gelten in Deutschland als Wildtier-Hybriden und damit als Wildtiere. Für ihre Haltung sind besonders viel Freilauf und einiges mehr vorgesehen. Aufgrund der tierschutzwidrigen Entstehungsgeschichte sollten Sie von der Anschaffung eines solchen Tiers Abstand nehmen, außer, es kommt beispielsweise aus dem Tierheim zu Ihnen.
Ab der 5. Generation gelten Bengallatzen als normale Hauskatzen, die entsprechend gehalten werden dürfen. Das bedeutet allerdings mitnichten, dass sie ihre wilden Verhaltensweisen einfach ablegen – dafür gibt es keinen Schalter.
Stattdessen ist bei Anschaffung einer Bengalkatze immer mit einem besondere und möglicherweise Hauskatzen-untypischen Verhalten zu rechnen.
Das beeindruckende Erscheinungsbild der Bengal Katze
Die Bengalkatze hat ein Wildkatzen-ähnliches Fell. Es ist kurz, außergewöhnlich weich und auffallend glänzend. Die Fellfarbe variiert von Goldbraun über Silber bis zu Schneeweiß mit charakteristischen, dichten Rosetten oder Marmorierungen. Diese Musterung verleiht ihnen ein exotisches Aussehen, das an Leoparden oder andere Wildkatzen erinnert. Zusätzlich kann das Fell einen "Glitter"-Effekt aufweisen, weil einzelne Haare besonders schillern.
Die Bengalkatze besitzt einen schlanken, muskulösen Körperbau und eine durchschnittliche Größe von etwa 40 Zentimetern, wobei Kater in der Regel etwas größer sind als Katzen. Ihr Gewicht liegt normalerweise zwischen 3,5 und 7 Kilogramm. Ihre großen, runden Augen und die markanten Gesichtszüge runden das exotische Erscheinungsbild ab und machen die Bengal zu einer außergewöhnlichen und faszinierenden Rasse.
Charaktereigenschaften der Bengal Katze
Bengalkatzen sind wahre Energiebündel. Sie sind extrem aktiv, klettern, spielen, toben so viel wie nur wenige andere Katzenrassen. Mit ihrem ausgeprägten Jagdtrieb, Kletterbedürfnis und ihrer hohen Intelligenz stellen sie ihre Halterinnen und Halter mitunter vor echte Herausforderungen. Vor einer Bengalkatze ist nichts sicher! Sie klettert überall hinauf, öffnet Schränke und Schubladen und liebt – im Vergleich zu eher wasserscheuen Hauskatzen – auch das Wasser. Mit ihrer bemerkenswerten Intelligenz erlernt sie schnell neue Tricks und löst mit Leichtigkeit anspruchsvolle Aufgaben.
Doch auch für Streicheleinheiten ist sie zu haben – dabei genießt sie es, als Familienmitglied mitten im Geschehen zu stehen und ihre sozialen Fähigkeiten zu zeigen. Alles in allem ist die Bengal nicht nur schlau, agil und neugierig, sondern auch eine treue Begleiterin, die stets bereit ist, mit ihrem Menschen das Leben in vollen Zügen zu genießen.
Bengal Katze: Haltung und Pflege
Die Wildkatzen-Gene stecken immer noch in der Bengalkatze – und das merken Sie im Alltag: Sie muss gut sozialisiert werden und braucht viel Platz und Bewegung. Wenn Sie eine Bengalkatze halten, brauchen Sie ein großzügiges Zuhause sowie gesicherten Freilauf im Garten.
Gut zu wissen: Aufgrund ihres ausgeprägten Jagdtriebs ist die Bengal Katze eine Gefahr für andere Wild- und Haustiere, daher ist ungesicherter Freilauf nicht möglich.
Ein gut gestalteter Spielbereich mit Kletterbäumen und interaktiven Spielzeugen ist unerlässlich, um ihrem Bewegungsdrang nachzukommen. Bengalkatzen freuen sich über einen gleichgesinnten Spielpartner oder Kinder - allerdings darf ihr extremer Jagdtrieb dabei nicht außer Acht gelassen werden, weshalb kleine Kinder besser nur unter Aufsicht mit der Bengal spielen sollten.
Da Bengalkatzen von Natur aus sehr intelligent sind, verlangen sie nach geistiger Anregung. Puzzle-Spielzeuge und gemeinsame Spielzeiten fördern nicht nur ihre Denkfähigkeit, sondern stärken auch die Bindung. Sollten Sie diesen Anforderungen nicht gerecht werden können, ist es empfehlenswert, sich nach alternativen Rassen umzuschauen.
Wird die Bengalkatze zu wenig gefordert, kann sie Verhaltensstörungen und andere Erkrankungen entwickeln. Abgesehen davon können Sie sich darauf einstellen, dass eine gelangweilte Bengalkatze Ihre Einrichtung auseinandernimmt und mit lautem Maunzen auf sich aufmerksam macht. Erhalten Bengalkatzen aber die nötige Aufmerksamkeit und Auslastung, begeistern sie ihre Besitzerinnen und Besitzer häufig mit ihrem Wesen.
Die Pflege der Bengal ist unkompliziert. Einmal wöchentliches Bürsten reicht aus.
Schauen Sie dabei am besten auch nach Zecken, Milben und Flöhen, da die Bengal draußen gerne in Bäumen klettert und durch das Gebüsch streift.
Gesundheitliche Einschränkungen der Bengal Katze
Auch Bengalkatzen weisen eine Reihe von genetischen Vorbelastungen für Erkrankungen auf. Zudem sind sie aufgrund ihrer Aktivität häufiger von Verletzungen betroffen als ruhigere Artgenossen. Ihre Lebenserwartung kann daher mit 8-9 Jahren deutlich unter der von normalen Hauskatzen liegen. Gut gepflegte, angemessen gehaltene und genetisch gesunde Bengalkatzen können aber 12-16 Jahre alt werden.
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
Die hypertrophe Kardiomyopathie ist eine genetisch bedingte und eine der häufigsten Herzerkrankungen der Katze, die vor allem männliche und ältere Katzen betrifft. Durch die Erkrankung ist die Funktion der Herzmuskelzellen beeinträchtigt, wodurch die Herzmuskulatur verdickt und die Pumpfunktion des Herzens eingeschränkt wird. Betroffene Katzen fallen durch Atemnot, Schwäche und Inappetenz auf. Die Behandlung verzögert den Fortschritt der Erkrankung und umfasst Medikamente zur Entlastung des Herzens. Die Prognose ist sehr unterschiedlich.
Patellaluxation
Bei dieser Erkrankung springt die Knieschiebe (Patella) häufiger aus ihrer Position. Betroffene Katzen belasten plötzlich ein Bein nicht mehr richtig, hinken oder äußern Schmerzen beim Springen. Leichtere Fälle können begleitend behandelt werden. In schweren Fällen gibt es operative Techniken, die Kniescheibe wieder dauerhaft an ihrem Platz zu fixieren.
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD)
Die Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) ist eine häufig auftretende Katzenkrankheit. Bei diversen Rassekatzen hat ihre Entstehung genetische Gründe. Im Laufe der Erkrankung kommt es zur Bildung von flüssigkeitsgefüllten Blasen (Zysten) in den Nieren. Sie verdrängen gesundes Nierengewebe, bis die Nieren ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen können. Katzen mit PKD zeigen großen Durst und setzen mehr Urin ab. Häufig ist ihnen übel, sie fressen weniger und verlieren an Gewicht.
Eine ursächliche Therapie gegen PKD gibt es nicht. Mit einer begleitenden medikamentösen Behandlung kann aber die Lebensqualität der Katze noch eine ganze Weile erhalten bleiben.
Bluterkrankung (Pyruvatkinase-Defizienz)
Die Pyruvatkinase-Defizienz ist eine vererbbare Krankheit der roten Blutkörperchen, die aufgrund von Energiemangel vorzeitig sterben. Die Symptome sind vielseitig, von mangelnder Fresslust, über Gewichtsverlust bis hin zu Durchfall. Typisch ist eine blasse Schleimhaut. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, in schweren Fällen ist eine Bluttransfusion nötig. Stress sollte vermieden werden und in manchen Fällen hilft die Entnahme der Milz. Heilbar ist die Erkrankung jedoch nicht.
Erkrankte Tiere müssen unbedingt aus der Zucht genommen werden, damit sie diese schwere und unheilbare Erkrankung nicht weitergeben.
Progressive Retinaatrophie (PRA)
Die PRA ist eine vererbbare Erkrankung der Netzhaut, die zunächst zur Nacht- oder Tagblindheit und im weiteren Verlauf zur vollständigen Erblindung führt. Die Krankheit ist nicht heilbar.
Inflammatorische Neuritiden
In seltenen Fällen erkrankt die Bengalkatze an idiopathischer Poly(radikulo)neuropathie, eine Entzündung des Nervensystems. Betroffene Katzen zeigen Schwäche, Lähmung und Koordinationsstörungen, häufig zuerst in den Hintergliedmaßen, später auch in den Vordergliedmaßen. Die Krankheit ist mit entzündungshemmenden Medikamenten und intensiver physiotherapeutischer Behandlung therapierbar. Nicht immer erreichen die Katzen damit eine Freiheit von Krankheitssymptomen. Die Erkrankung kann auch nach der Heilung wieder auftreten.
Für viele genetische Erkrankungen bei Katzen gibt es mittlerweile Gentests (z.B. Progressive Retinaatrophie). Liegen nachweislich Genveränderungen vor, sollten die betroffenen Tiere nicht zur Zucht eingesetzt werden. Geschieht dies dennoch, ist das Vorgehen als Qualzucht zu werten, denn die Erkrankung der nachfolgenden Generationen wird sehenden Auges in Kauf genommen.
Keine gewöhnliche Hauskatze: Ist die Bengal Katze die richtige Wahl für Sie?
Bevor Sie eine Bengalkatze kaufen, ist es wichtig, sich zu fragen: Können Sie der temperamentvollen Natur und den speziellen Bedürfnissen dieser Katzenrasse gerecht werden?
Mit ihrer Intelligenz und ihrer energiegeladenen Art brauchen Bengalkatzen viel Bewegung sowie mentale Herausforderungen. Für die reine Wohnungshaltung ist sie nicht geeignet. Wenn Sie Freude daran haben, Zeit mit Spielen und Training zu verbringen und Ihr Zuhause in ein Abenteuerparadies zu verwandeln, könnte die Bengalkatze zu Ihnen passen.
Sich um eine Bengalkatze zu kümmern bedeutet, ihr sowohl Gesellschaft als auch viel Beschäftigung zu bieten. Seien sie sich über die anspruchsvolle Haltung bewusst. Mit Hunden kommen Bengalkatzen übrigens häufig gut zurecht, andere Katzen brauchen ein sehr hohes Aktivitätslevel, um mithalten zu können.
Wenn Sie häufig außer Haus sind, ist eine Bengalkatze nicht das richtige Haustier für Sie.
Welche Katzenrassen sind der Bengal ähnlich?
Wenn Sie die sprudelnde Energie und das auffällige Aussehen der Bengalkatze lieben, interessieren Sie vielleicht auch andere Rassen, die ähnliche Merkmale aufweisen. Katzenrassen wie die Ocicat, Burma und Abessinier sind der Bengal in mehreren Aspekten ähnlich.
Die Ocicat hat zwar keine wilden Vorfahren, aber dennoch ein wildes und vor allem muskulöses Erscheinungsbild. Die Haltung ist nicht so anspruchsvoll wie bei der Bengal und sie ist sehr freundlich, sozial und aufgeschlossen. Für Menschen, die eine Katze mit Wildkatzen-Optik suchen, ist sie eine gute Alternative zur Bengal, ohne ihren problematischen Hintergrund.
Die rötlich-braune Abessinier Katze ist eine der ältesten Katzenrassen. Sie ist Teil der Zuchtlinie der Bengal und für ihre Intelligenz und Neugier bekannt. Sie gilt außerdem als extrem verspielt. Die Abessinier gibt sich menschenbezogen und genießt es, Teil des Familiengeschehens zu sein.
Burma Katzen, auch Burmese genannt, wurden ebenfalls bei der Bengalkatze eingekreuzt. Typischerweise sind sie verspielt, intelligent und menschenbezogen - wozu auch ihre hohe Kommunikationsfreude gehört.
All diese Rassen benötigen, ähnlich wie die Bengalkatze, viel Beschäftigung und Gesellschaft, was sie zu idealen Haustieren für aktive Menschen oder Familien macht, die sich eine Katze voller Energie und Charakter wünschen.
FAQ Bengal
Die Bengalkatze erreicht eine Größe von etwa 40 Zentimetern.
Bei guter Pflege und Gesundheit hat die Bengalkatze eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren.
Bengalkatzen sind grundsätzlich für Familien geeignet, kleine Kinder sollten jedoch unter Aufsicht sein.
Nein, die Bengalkatze ist sehr pflegeleicht.
Die Hypertrophe Kardiomyopathie ist eine der häufigsten Erkrankungen bei der Bengal.
Für eine Bengalkatze aus einer seriösen Zuchtstätte können Sie mit mindestens 1000 Euro rechnen.
Übernehmen Sie entweder eine Bengalkatze aus dem Tierschutz. Das Personal des Tierheims oder der Tierschutzorganisation begleitet Sie entsprechend.
Oder Sie kaufen eine Bengalkatze bei einer seriösen Zuchtstelle. Wichtig: Keine Katzen der 1.-4. Generation erwerben! Zudem sollten Gentests und Untersuchungen auf die gängigen genetischen Erkrankungen für die Elterntiere vorliegen.







