Was tun bei Verlustängsten?

Angst ❯ Vor dem Alleinsein
Petra Z. schrieb am 05.04.2022
Guten Tag,

ich habe vor zwei Jahren einen Yorkshire Terrier Pudel Mix von einem jungen Mann übernommen. Der Hund gehörte seiner damaligen Freundin, die aber vor einiger Zeit bei ihm ausgezogen war und er jetzt alleine das mit den Hund nicht mehr schaffte. Das war zu Corona-Zeiten, mein Sohn war immer zu Hause, weil er ja Homeschooling hatte. Seitdem aber alles wieder normal läuft, kann sie einfach nicht alleine bleiben. Sie weint dann stündlich.

Sie lässt mich auch nie aus den Augen. So bald ich den Raum wechsle, läuft sie hinterher und setzt sich irgendwo hin und beobachtet mich. Also ich bin ihre absolute Bezugspersonen. Da ich aber nie wusste, was sie zu Hause macht, habe ich mir vor einiger Zeit eine Kamera angeschafft und konnte dann beobachten, dass dieser Hund überhaupt keine Ruhe findet. Sich mitten in den Raum stellt und weint. Wenn ich ein Fenster auflasse stellt sie sich genau an dieses Fenster und weint, damit auch jeder es hören kann.

Sie bleibt am Tag 5 Stunden alleine. Ich bin berufstätig und dann kommt mein Sohn aus der Schule wieder an. Was können wir tun, um ihr zu helfen, dass sie nicht so leiden muss? Das  tut ja auch nicht gut, aber sie ist natürlich sehr verwöhnt von uns.

Als wir sie bekommen haben, hatte sie Liebeskummer: 10 Wochen lang kaum gefressen und ist von dreieinhalb Kilo auf zweieinhalb Kilo abgemagert. Also hat man die natürlich bevorzugt behandelt. Und dann war sie angekommen, aber das mit dem Weinen nervt natürlich die Nachbarn. Was können wir tun?
4 Antworten
Hallo Frau Zimmermann, danke für Ihre Frage. Sie sind die Bezugsperson, wie Sie schreiben. Sie können noch nicht einmal das Zimmer verlassen, ohne daß Ihr Hund ruhig bleibt. Wie soll er da 5 Stunden aushalten und alleine in der Wohnung bleiben? Sie müssen klein anfangen und wirklich zuerst einmal üben, daß sie allein in einem Zimmer ohne Sie sein kann. Beispiel: Sie sitzt im Wohnzimmer in ihrem Körbchen und Sie stehen im Flur mit geöffneter Wohnzimmertür. Wenn das klappt weiter üben sie ist auf Ihrem Platz und kann Sie nicht sehen und so weiter und so weiter. Wenn Ihr Hund alleine in einem Zimmer ca. 20 min. sein kann, können Sie versuchen, die Wohnung zu verlassen, um sofort wieder reinzukommen usw. usw. Es muß 7 Tage in der Woche geschehen, damit Ihr Hund keinen Unterschied macht Mo.-Frei. und Samstag und Sonntag läuft es anders und Mo. kriegt er es dann wieder nicht hin. Ferner sollten Sie während der Trainingsphase eine gewisse Distanz aufbauen - helfen kann dabei ein Signal! Nehmen Sie z.B. ein Handtuch zeigen es der Hündin und legen es aus. Liegt es aus bekommt sie keinerlei Aufmerksamkeit. So lernt der Hund, es gibt nicht immer Aufmerksamkeit und gewöhnt sich mit der Zeit auch mal daran ohne Sie ruhig zu bleiben. Oft die Zimmer wechseln, Hund bleibt draußen, wenn Sie wieder hereinkommen Hund nicht beachten, Ihre Dinge weitermachen. In der Trainingsphase ist es wichtig, daß Sie so trainieren, daß Ihr Hund nicht den Punkt erreicht, wo er sich aufregt und weint, denn dann ist es zu lang und Sie müssen wieder Schritte zurückgehen. Klar ist natürlich, bevor sie alleine bleiben kann, muss sie draußen Gassi gewesen sein. Es ist schwierig, wenn man dabei arbeiten muß und jetzt keine Zeit hat in Ruhe zu üben, daher meint Rat suchen Sie sich in der Trainingsphase ein Betreuung, die die Zeiten der Arbeiten überbrücken kann, sonst wird es nicht gelingen - zumal es nicht von heue auf morgen geht und man oftmals einen langen Atmen haben muß.

Viel Erfolg und viele Grüße

Kerstin Gebhardt
Hundepsychologin/-trainerin
www.kerstin-gebhardt.de
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Fabienne T.
schrieb am 09.04.2022
Als erstes:
Hundesitter organisieren. Sonst können Sie das üben auch lassen.

Wir haben hier das gleiche Problem mit einem alten Pudel. Ich antworte, weil ich nochmal betonen möchte wie WINZIG die Trainingsschritte sein können.
Wir sind seit einem halben Jahr fast am verzweifeln und ich möchte sagen, dass wir fast schon Hundetrainer sein könnten, so perfekt ist das Training mittlerweile abgestimmt.

Dreh und Angelpunkt ist einmal die
- kleinschrittigkeit
-die Häufigkeit des Übens (TÄGLICH mehrfach)
- der allgemeine Umgang mit dem Hund.

Wenn Sie den Raum nicht verlassen können, ist das Schritt eins. Irgendwann dann, können Sie anfangen die Wohnung für Sekunden zu verlassen.
Das kann Monate dauern!
.
Was hier hilft:
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Fabienne T.
schrieb am 09.04.2022
Als erstes:
Hundesitter organisieren. Sonst können Sie das üben auch lassen.

Wir haben hier das gleiche Problem mit einem alten Pudel. Ich antworte, weil ich nochmal betonen möchte wie WINZIG die Trainingsschritte sein können.
Wir sind seit einem halben Jahr fast am verzweifeln und ich möchte sagen, dass wir fast schon Hundetrainer sein könnten, so perfekt ist das Training mittlerweile abgestimmt.

Dreh und Angelpunkt ist einmal die
- kleinschrittigkeit
-die Häufigkeit des Übens (TÄGLICH mehrfach)
- der allgemeine Umgang mit dem Hund.

Wenn Sie den Raum nicht verlassen können, ist das Schritt eins. Irgendwann dann, können Sie anfangen die Wohnung für Sekunden zu verlassen.
Das kann Monate dauern!
.
Was hier hilft:
Den Hund "müde laufen"
Also SIE laufen durch die Wohnung. Hin und her. Rein raus und andere Räume. Laufen laufen laufen. Bis der Hund es langweilig findet. Bei meinem Mann bleibt der Hund über eine halbe Stunde alleine!!! Weil er hier nur am laufen ist. Wäsche, draußen, Garten, andere Räume... Ich hingegen kann kaum zur Toilette, da ich 8 Stunden im Arbeitszimmer sitze.
Nun habe ich Urlaub und ich habe mir eine Strichliste gemacht. Ich werde nun 30 bis 50 Mal täglich die Wohnung verlassen (Räume gehen bereits) für Sekunden, Minuten etc.
Ja... Das wird scheiße...

Dann:
Das Thema Ruhe allgemein und Umgang mit dem Hund.

Ich spreche ausschließlich noch mit dem Hund, wenn ich was von ihm will.
Sonst nicht!
Er existiert dann nicht.
Ich warte immer ab, bis er entspannt ist, dann rufe ich seinen Namen und ein Schlüsselwort. Dann weiß er, dass jetzt was gemeinsam gemacht wird. Und sei es nur füttern, Augensalbe, was auch immer.
Aus Pausen wird er nur so rausgeholt.
Morgens stehe ich komplett wortlos auf. Gehe ins Bad, setze mich an den Schreibtisch (ich habe frei und sitze da gerade trotzdem, weil der Hund heute früh komisch war, also sofort in die gewohnte Routine)
Ein zwei Stunden später bekommt er was zu fressen. Auch keine feste Zeit.

Wenn er aufspringt WE ich aufstehen, setze ich mich sofort wieder. Das mache ich etwa dreimal. Manchmal einmal, manchmal fünfmal. Dann bleibt er liegen und ich kann mich einige Minuten frei in der Wohnung bewegen.

Der Hund muss verstehen, dass Sie nicht der Animateur im Haus sind. Und das SIE bestimmen, wann er dran ist.
Das ignorieren und nicht ansprechen mache ich seit 3 Wochen. Es ist Gold wert.
Er jammert viel weniger.

Auch beim Spaziergang, keine langen Reden und erzählen.
Warte, Hier, langsam, Sitz, Platz, rüber,
...
Mehr Ansprache gibt es nicht. Plus seinen Namen und das Lob "super"

Es hört sich hart an. Aber es hilft ihm ungemein aus Erwartungen herauszukommen und weniger Stress zu haben.

Wenn wir spielen, rede ich auch mit ihm. Das gehört dann dazu beim streicheln ( bewusst von mir auf dem Sofa gewählt, nicht beim vorbei gehen), rede ich ruhig zu ihm. Damit er weiß, dass das nun eine schöne Zeit ist.

Wir hatten schonmal Hunden die blieben gut alleine. Kannten die Grunderziehung und ein bisschen Schnickschnack.
Da haben wir so einen Zinnober nicht gebraucht, weil das massive Problem, der Trennungsangst nicht bestand. Die beiden waren unverträglich und nicht leinenführig... Das spielte aber keine Rolle für uns.

Ein Hund der nicht alleine bleibt ist einso massives Problem, dass ich mich dazu entschieden habe, so ein hartes Training durchzuziehen. Ansonsten müsste er weg. In die dann sechste Familie...

Natürlich denke ich darüber oft nach. Aber ich sehe dann die winzigen Erfolge und bleibe dran.

Denken Sie nur nicht, dass das einfach wird.
Und halten sie durch und lassen Sie über Tag den Hund in Frieden, damit er seinen Frieden mit sich alleine finden kann.
Das bringt wirklich was.

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Fabienne T.
schrieb am 09.04.2022
Nachtrag:
Ich dachte immer, dass ich kaum mit ihm rede. Beobachten sie das mal. Man redet ständig mit dem Hund. Und sei es nur ein " na du"

Auch streicheln fällt hier weg, wenn ich arbeite. Auch beim vorbeigehen, kein streicheln.

Wir sind nun seit 1 Stunde wach. Er hat noch kein Wort von mir gehört, er wurde nicht bewusst angesehen und gestreichelt habe ich ihn auch nicht.
Lediglich die Terrassentür geöffnet und Wasser nachgefüllt.

In wenigen Minuten hört er seinen Namen, dann gibt es Futter und Medizin.
Danach ist wieder Ruhe.
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