Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Hund stürmt auf fremde Hunde zu

Mergie schrieb am 08.09.2015
Angaben zum Hund: Wolfsspitz-Staffordshirebullterrier-Mischling, männlich, nicht kastriert, Alter 1-5 Jahre

Hallo,

Unser Hund Diego hat leider ein ausgeprägtes Problem mit anderen Hunden. Um den ganzen Zusammenhang zu verstehen, muss ich leider ein bisschen ausholen. Wir haben Diego seit Ende März und sind seit Juni mit einem Wohnmobil auf Weltreise. Diego ist ein 2 1/2 jähriger Wolfsspitz-Staffordshirebullterrier-Mischlings Rüde (unkastriert). Wir haben ihn von einem Bekannten bekommen, der ihn aus zeitlichen Gründen abgeben musste. Diego wurde sehr streng erzogen und hört quasi auf jeden Menschen. Er beherrscht die Grundbefehle perfekt und kommt praktisch immer wenn man ihn ruft. Der Vorbesitzer hat dafür gesorgt dass er immer Hundekontakte hatte, allerdings hat Diego bereits bei ihm sein auffälliges Verhalten gezeigt. Diego liebt andere Menschen und Kinder und freut sich sehr, immer neue Orte entdecken zu dürfen. Der Spaß hört immer nur dann auf wenn ein anderer Hund da ist.
Beim Gassi gehen an der Leine läuft das folgendermaßen ab:
Sobald Diego den anderen Hund bemerkt, fängt er an zu fiepen und will unbedingt zu ihm hinrennen. Die Nackenhaare sind dabei meistens schon aufgestellt, der Schwanz ist generell immer oben, außer er frisst oder trinkt. Wir probieren dann zumindest so zu tun, als wären wir die Ruhe selbst und teilen ihm mit Bodyblocks und einem tiefen "Nein" mit, dass er auf diese Weise keinen Hundekontakt bekommt. Da die Hunde hier (Mongolei) meistens ohne Besitzer unterwegs und in der Regel gut sozialisiert sind, hauen sie meistens ab, sobald Diego das erste Mal versucht hat hinzustürmen. Dank Leckerlies und Clicker sind wir mittlerweile so weit, dass wir ihn meistens ablenken können, wenn ein anderer Hund kommt. Wir versuchen ihn dann mit Blickkontakt halten etc. so zu beschäftigen, dass der andere Hund vorbei ziehen kann. Problematisch und besonders nervig ist das Ganze nur, wenn er nicht angeleint ist.
In einem Land, das eine einzige große Hundespielwiese voller frischer Knochen ist, können und wollen wir ihn einfach nicht die ganze Zeit angeleint lassen. Diego kann "Fuß" laufen und mit Blickkontakt laufen klappt auch schon ganz gut. Trotzdem kommt es natürlich manchmal vor, dass er unangeleint um das Wohnmobil streunt und ein anderer Hund vorbei kommt. In dem Fall stürmt Diego direkt auf den anderen Hund zu, stellt die Nackenhaare auf und nach ca. 20 Sekunden geht er dann auch auf den anderen Hund los. Er hat noch nie ernsthaft gebissen aber Scheinbisse sind auf jeden Fall dabei. In dieser Situation ist er dann natürlich nur sehr schwer abrufbar und in den meisten Fällen muss ich dazwischen gehen oder der andere Hund rennt davon.
Ich habe noch nie gesehen dass sich Diego unterwürfig verhält (außer Menschen gegenüber). Auch wenn wir nicht am Auto sind, er also kein Revier zu verteidigen wäre, verhält er sich so und wir können ihn nur zurück pfeifen wenn er direkt bei uns mit dem Sprint zum anderen Hund startet.
Wenn wir zum Beispiel irgendwo zu Besuch sind, wo auch ein Hund lebt, dann fiept und knurrt Diego erstmal die ersten 10 Minuten wie ein Verrückter (angeleint) und wirkt sichtbar frustriert darüber, dass er nicht einfach zu dem anderen Hund hinstürmen darf. Nach einer gewissen Zeit können wir ihn dann ableinen und er verhält sich halbwegs normal dem anderen Hund gegenüber. Zumindest solange der andere Hund unterwürfig ist, wenn er dominant ist kommt es garantiert zum Streit, den nur ich persönlich beenden kann.
Ein wichtige Info ist sicherlich noch, dass Diego knurrt sobald sich jemand Fremdes oder ein Hund dem Womo nähert. Es scheint als hätte er Angst. Deshalb dachten wir eine zeitlang wir müssen ihm bei Hundebegegnungen einfach nur zeigen, dass wir alles unter Kontrolle haben und er nicht für unsere Sicherheit sorgen muss. Leider ist sein Verhalten aber genauso wenn ich den fremden Hund schon begrüßt habe und es offentlich keine Gefahr gibt. Er will immer der dominante sein, hebt seine Pfote auf den anderen Hund oder besteigt ihn sogar. Aber wehe der andere Hund zeigt einmal solche Gesten, dann rastet Diego aus und das Ganze endet in einer ordentlichen Rauferei, die ich dann beende, weil ich Angst habe dass er doch mal echt beißt.
Nun haben wir leider das Problem, dass wir eben nicht Einzelstunden mit einem professionellen Hundetrainer nehmen können. Da wir erst nächstes Jahr im März wieder nach Deutschland kommen, wird das auch noch eine Weile dauern.
Deshalb die Frage an Sie. Wie kann man seinem Hund beibringen, wie man sich anderen Hunden gegenüber verhält. Offensichtlich sind ihm diese Grundregeln nie beigebracht worden oder irgendetwas hält ihn davon ab sie zu benutzen.
Wie sollten wir uns verhalten nachdem er auf einen Hund losgegangen ist?

Schonmal vielen Dank im voraus...

Viele Grüße

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Antworten(1)

  • Inge Büttner-Vogt
    Inge Büttner-Vogt (Hundetrainer)
    schrieb am 08.09.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo,
    das ist ja toll - eine WEltreise mit Hund - super.
    Dieses Verhalten läßt vermuten, dass er in einer Welpenspielstunde war. Die Welpen lernen, dass sie sich verteidigen und alles selbst regeln müssen. Das Vertrauen in uns ist gleich Null. Ihr Hund kann kein "hündisch" und er ist sehr unsicher - lieber verteidigen, anmachen als selbst angemacht zu werden. Von Ihnen kommen bis jetzt keine Regeln, die er verstehen kann. Ablenken, "keksen", clickern haben nicht den erwünschten Erfolg gebracht, weil der Schutz von Ihnen fehlt.
    Fangen Sie noch einmal ganz vorn an:
    Beginnen Sie Ihren Hund zu beschützen und zu führen. Ihr Hund ist unsicher und möchte zum Ereignis, fiept, – das ist seine Strategie, weil er Ihnen nicht zutraut, mit der Situation klar zu kommen.
    Ab sofort führen Sie: Der Hund geht HINTER Ihren Füßen, sie gehen niemals auf einen Hund oder einen Menschen zu. Meistens liegt es am fehlenden Vertrauen zu uns. Sie vermitteln Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen. Schutz gibt es in allen Strukturen mit Eltern, Lehrern und Chefs – die guten machen uns sicher und gelassen, wir wissen, was wir tun sollen.
    Fremde fassen Ihren Hund vorerst nicht an und Sie vermeiden es, dass der Mensch Ihren Hund ansieht. Sie gehen Bogen und Kreise und lassen Ihrem Hund Zeit, sich – unter Ihren Schutz und an der Leine – in Ruhe anzunähern. Grundsätzlich ist Ihr Hund HINTER Ihren Füßen und wichtig: IHR KÖRPER IST OHNE AUSNAHME IMMER DAZWISCHEN!!!! Eine Hund an Hund-Begegnung geht grundsätzlich schief. Gehen Sie auch in die andere Richtung oder schirmen Sie ihn am Rand ab. Er sollte nichts mehr zu „erledigen“ haben – Sie führen und geben Richtung und Verhalten an.
    Bei Ihnen ist es vielleicht auch das Problem, dass Sie zu lange in die Situation hineingehen ohne etwas zu tun, reagieren Sie sofort, vor dem Hund, wenn es geht, das schafft Vertrauen. Deshlab kommt es immer wieder zu KOnflikten - denken Sie für Ihren Hund - vorausschauend!
    Nehmen Sie Menschen, die Ihnen entgegenkommen, als „Übung“. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass sie seine Unsicherheit ernstnehmen. Alle Hunde in meinem Training haben es geschafft, als die Besitzer mit dem Schutzprogramm angefangen haben. Genauso gehen Sie an unbekannte Dinge heran – umkreisen unter Ihrem Schutz, mit Ihrem Körper dazwischen (!) gern ein Leckerchen, wenn es klappt – lassen Sie sich bitte viel Zeit, nicht nur „probieren“.
    Nach einer Weile wird Ihr Hund schon selbst an Ihre andere Seite gehen, weil er sich dort wohl fühlt und auf Ihren Schutz vertraut – das ist für Sie ein tolles Gefühl!
    Das ist an der Leine. Sind die Hunde frei, gehen Sie nicht dazwischen, das kann sehr gefährlich werrden - sondern gehen Sie in die andere Richtung.
    Für Sie ist es wichtig, dass Sie in nächster Zeit immer AGIEREN nicht REAGIEREn - führen, leiten, bilden, umlenken kraft Ihrer Autorität - ein Leckerchen kann gern dabei sein.
    Es wäre auch toll, wenn Sie nicht nur „Gassi-gehen“, sondern Ihren Hund geistig trainieren und beschäftigen, damit er sich nicht langweilt. Hierzu finden Sie alles auf meiner
    Homepage: www.hundimedia.de
    Bücher „Spiel und Spaß mit Hund“ und „Mehr Spiel und Spaß mit Hund“ Film: „Der Weg ist das Ziel: 222 Möglichkeiten den Hund zu beschäftigen.
    Ich denke, dass das Ihr Problem trifft, schreiben Sie mir unter meiner Privatadresse, wenn Sie weitere Fragen haben.
    Viele Grüße
    Inge Büttner-Vogt

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