Was tun, wenn der Hund sehr aggressiv gegenüber Menschen ist?

  
Jasi1603 schrieb am 29.08.2022   
Angaben zum Hund: Es gibt keine weitere Details zu dieser Frage

Hallo! Ich wende mich jetzt einmal an euch, da ich nicht mehr weiter weiß. Einen Termin bei unserer Hundetrainerin für eine "Verhaltenstherapie" haben wir bereits, aber vielleicht kann mir ja hier auch jemand helfen. Unsere Hündin ist ein Schäfermix (1 Jahr alt) und aus dem Tierheim, welche nur sehr schwer in den Griff zu bekommen ist. Sie reagiert ausnahmslos auf alle Menschen (bis auf die engste Familie) aggressiv. Wir können mit ihr nicht einmal spazieren gehen, da sie einfach jeden Spaziergänger anbellt, anspringen und beißen möchte. Sie geht direkt auf die Menschen los und wenn wir sie nicht zurückhalten würden, würde sie jeden beißen.


Wir haben schon einiges versucht. Unter anderem haben wir sie immer wieder in Situationen gebracht, in denen mehr Menschen unterwegs sind (komischerweise funktioniert es ein bisschen besser, wenn sehr viele Menschen unterwegs sind). Aber statt Verbesserungen, wird es irgendwie immer schlimmer. Sie hat bereits drei Menschen gebissen und verletzt (zum Glück nichts Ernstes und im Bekanntenkreis, aber dennoch...). Wir haben einfach ein sehr ungutes Gefühl, wenn wir mit ihr unter Leute gehen. Dennoch wollen wir sie natürlich nicht zu Hause einsperren, da wir mit ihr wandern, einkaufen oder auch mal in ein Lokal gehen möchten. Aber davon sind wir meilenweit entfernt.


Jeder Mensch scheint eine Bedrohung für sie zu sein und egal, wie oft wir das auch üben (aus der Distanz, mit Leberpaste schlecken, wenn sie einen Menschen sieht), es wird einfach nicht besser. Selbst an der Leine rastet sie generell aus. Wenn wir alleine sind und sonst nichts in der Umgebung ist, funktioniert es. Sobald es irgendwo belebter wird, dreht sie vollkommen durch und lässt sich dann auch nicht mehr beruhigen (also gut zureden oder ablenken funktioniert überhaupt nicht).


Vielleicht kann mir jemand bei dieser Situation weiterhelfen. Ich wäre wirklich sehr dankbar. Wir haben nämlich sogar schon überlegt, sie abzugeben. Wir wissen einfach nicht mehr weiter und sind mit diesem Problem überfordert. 

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Antworten(3)
  • Inge Büttner-Vogt
    Inge Büttner-Vogt (Hundetrainer)
    schrieb am 29.08.2022
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Guten Tag,
    ich nehme an, wenn Sie menschen beißen oder anspringen kann, ist sie auf der falschen Seite:
    Ab sofort führen Sie: Der Hund geht an der kurzen Leine HINTER Ihren Füßen und an Ihrer zum Ereignis abgewandten Seite.
    Meistens liegt es am fehlenden Vertrauen zu uns, wenn der Hund an der Leine pampt. Beginnen Sie Ihren Hund zu beschützen und zu führen. Hunde versuchen alles „weg zu bellen“ oder zu beißen, wenn sie uns nicht zutrauen, mit der Situation klarzukommen.
    Geben Sie Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen. Schutz gibt es in allen Strukturen mit Eltern, Lehrern und Chefs – die guten machen uns sicher und gelassen, wir wissen, was wir tun sollen.
    Fremde fassen Ihren Hund nicht an und Sie vermeiden es, dass ein Mensch Ihren Hund ansieht. Sie gehen Bogen und Kreise und lassen Ihrem Hund Zeit, sich – unter Ihren Schutz und an der Leine – in Ruhe anzunähern. Grundsätzlich ist Ihr Hund HINTER Ihren Füßen und wichtig: IHR KÖRPER IST OHNE AUSNAHME IMMER DAZWISCHEN!!!! Eine Hund an Hund oder eine Leinen-Begegnung gehen grundsätzlich schief. Gehen Sie auch in die andere Richtung und nehmen Sie den Blickkontakt heraus. Bleiben Sie in Bewegung und lassen Sie ihn nicht am Rand sitzen und beugen Sie sich nicht über ihn, das baut unnötig Stress auf.
    Er sollte nichts mehr zu „erledigen“ haben – Sie führen und geben Richtung und Verhalten an.
    Bei Ihnen ist es vielleicht auch das Problem, dass Sie zu lange in die Situation hineingehen. Reagieren Sie schnell, seien Sie immer vorausschauend und ein bisschen fixer als Ihr Hund.
    Nehmen Sie Menschen, die Ihnen entgegenkommen, als „Übung“. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass sie seine Furcht/Unsicherheit ernstnehmen. Genauso gehen Sie an unbekannte Dinge heran – umkreisen Sie sie unter Ihrem Schutz, mit Ihrem Körper dazwischen (!!!!!) gern ein Leckerchen, wenn es klappt – lassen Sie sich bitte viel Zeit, nicht nur „probieren“.
    Nach einer Weile wird Ihr Hund schon selbst an Ihre andere Seite gehen, weil er sich dort wohl fühlt und auf Ihren Schutz vertraut – das ist für Sie ein tolles Gefühl!
    Damit Sie sich sicherer fühlen, würde ich auch sofort ein Maulkorb-Training machen. Hier in Hessen müssten Sie zum Wesenstest, das kann für Sie beide sehr frustrierend sein.
    Es wäre auch toll, wenn Sie nicht nur „Gassi-gehen“, sondern Ihren Hund geistig trainieren und beschäftigen, damit er sich nicht langweilt.
    Viele Grüße
    Inge Büttner-Vogt
    www.hundimedia.de

  • Jasi1603
    Jasi1603
    schrieb am 29.08.2022

    Vielen Dank für die rasche Antwort!

    Ja das mit dem Körper dazwischen werden wir in Zukunft besser machen. Meistens ist es jedoch schwer, weil sie sich dann irgendwie durch unsere Beine hindurchdrückt oder von hinten dann nach vorne zieht, um zu dem Menschen zu gelangen.

    Ausgelastet wird sie eigentlich relativ gut bei uns - sie liebt vor allem Suchspiele im Haus und auch im Garten und Frisbee-Spielen. Ich hoffe, dass es nicht an "Langeweile" liegt. Sie ist generell sehr aufgedreht und wenn wir zuhause nicht gerade auf der Couch sitzen und fernsehen, gibt sie eigentlich überhaupt keine Ruhe, sondern rennt ständig hin- und her, guckt aus dem Fenster und wartet nur darauf, dass jemand vorbeigeht, den sie verbellen kann.

    Bei uns in Österreich gibt es, glaube ich, gar keinen Wesenstest, soweit ich weiß.

    Vielen Dank für die Antwort!
    Liebe Grüße
    Jasmin

  • Inge Büttner-Vogt
    Inge Büttner-Vogt (Hundetrainer)
    schrieb am 30.08.2022
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (0)

    Guten Tag,
    noch ein Tipp: Wenn sie von hinten nach vorne ziehen oder durch die Beine kann, ist die Leine zu lang. Sagen Sie weit vor dem "Ereignis" ein strenges "Lass-es", nehmen die Leine sehr kurz. Wenn sie sich aufbaut, können Sie auch den Blickkontakt noch mehrmals herausnehmen. Drehung geht zum Hund und herum. Geben Sie die Führung nicht auf!
    Denken Sie bitte über Frisbee nach: Es heizt den Hund unnötig hoch.
    Machen Sie gern Schnüffel- und Suchspiele, Futterbeutel, Schnüffeldecke - schnüffeln macht müde, weil die Hundenase 300 Mal in der Minute ein- und ausatmen muss. Fahren Sie den Hund eher herunter.
    Schauen Sie auf meiner Homdepage und bestellen Sie mein Buch "Spiel und Spaß mit Hund" Kosmos-Verlag. Hier finden Sie jede Menge Beschäftigung und Ablenkung für jeden täglichen Spaziergang,
    ganz viel Erfolg,
    viele Grüße
    Inge Büttner-Vogt

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