Deine Hundetrainer-Sprechstunde

Aggressivität oder Unsicherheit???

  
Toni114 schrieb am 29.04.2018   
Angaben zum Hund: Es gibt keine weitere Details zu dieser Frage

Wir haben im letzten August eine 2 Jahre alte Yorki-Hündin gekauft, die aus sehr liebevoller, aber für ihre Bedürfnisse nicht passender Umgebung kam. Mimi war viel alleine und wurde von einem 8 jährigen, ängstlichen Mädchen ausgeführt. Sie musste alles erst wirklich kennenlernen als sie zu uns kam und zeigte sich mit panischem Bellen jedem gegenüber. Wir gehen seit Oktober zur Hundeschule. Dort erzieht sie die anderen Hunden zwar dazu, dass sie Respekt vor kleinen Hunden haben, was aber ihr aber im Umgang mit anderen Hunden wenig hilft. Sie ist außer sich, wenn andere Hunde sie angucken. Sie empfindet es wohl als respektloses Fixieren. Wenn ich sie von der Leine abmache und sie kann auf Hundeebene dem anderen Hund begegnen gelingt ihr das besser. Natürlich ist das sehr gewagt, war aber irgendwann der einzige Weg. Sie scheint Leinenfrust zu haben und weiß einfach nicht, wie es geht. Man kann sie nicht mit Gerüchen oder Spielzeug ablenken. Sie ignoriert es und fällt in ihr altes Muster zurück.
Seitdem wir sie haben, ignoriert sie den Befehl "Sitz". Habe ich ein Stück Möhre (ich weiß, es ist ist untypisch, aber sie steht darauf) in der Hand, macht sie es sofort, aber ohne... . Ich habe gestern zwei Stunden den Befehl geübt, bis sie aufgab und es endlich machte. Da sie unser zweiter Yorki ist, kenne ich den langen Atem dieser Rasse und die liebevolle Konsequenz, die man als Halter aufbringen muss. Ist aber der Hund im Gehorsam, verwenden sie ihre Intelligenz und ihre Liebe für die Beziehung zum Halter. Dann kann man sie ohne Leine mit zum Ausritt nehmen, mit dem Fahrrad auch ohne Leine fahren, den Urlaub mit ihnen genießen und ist nach ihrem Tod unfähig auf Jahre einen anderen Hund zu nehmen. Wir haben nach dem Tod unserer lieben Jule nun nach drei Jahren Mimi gekauft und ich stehe kurz vor unserem gemeinsamen Durchbruch, aber nun bin ich nicht sicher. Das Begegnen mit fremden dunklen und großen Hunden überfordert sie. Meine Trainerin in der Hundeschule sieht viele Fortschritte, ich bin mittlerweile sehr unsicher, da ich Mimis Verhalten nicht klar kriege. Warum steht sie immer noch soooo unter Strom? Ich bin mir sicher, dass ich irgendetwas, was sie mir ständig sagt einfach ignoriere. Natürlich nicht mit Absicht, ich erkenne den Schlüssel einfach nicht. Anfangs war sie beim Autofahren völlig außer sich, das macht sie nun wirklich gut. Sie hat gelernt in diesem Bereich ihre Nervosität zu unterdrücken. Das Auto, sowie alle anderen Türen darf sie nur nach meiner Aufforderung verlassen oder passieren. Das schafft sie sehr gut. Unsere Pferde haben ihr in den ersten drei Tagen große Angst bereitet. Dies hatte sie dann überwunden und sitzt nun auf unserem Pony. In ihr steckt der perfekte Hund.
Ich weiß nur nicht welche Trainingsmethode hier hilft, welchen Fachmann wir brauchen und wo wir ihn finden, damit er uns hilft uns zu sehen und nicht mehr an der entscheidenden Stelle die benötigte Hilferufe ihrer- und meinerseits zu ignorieren.
Vielleicht können Sie uns helfen.
Für eine Antwort wären wir sehr dankbar.
Herzliche Grüße
Kathrin und Mimi

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Antworten(3)

  • Ellen Mayer
    Ellen Mayer (Hundetrainer)
    schrieb am 29.04.2018
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (0)

    Hallo Kathrin,
    es ist natürlich schwer bis unmöglich, die Situationen zu beurteilen, ohne sie gesehen zu haben, weswegen ich nur auf ähnliche Situationen, die ich erlebt habe, zurück greifen kann.
    Sie schreiben, wenn Sie die Kleine von der Leine abmachen und sie kann dem anderen Hund auf Hundeebene begegnen, sie besser mit der Situation klar kommt. Es ist nun mal so, dass Hundebegegnungen an der Leine für Hunde nicht natürlich sind, weil die Körpersprache eine vollkommen andere ist. Deswegen sollte man angeleinte Hunde nie zusammen kommen lassen.
    Mit dem Versuch, den Hund abzulenken, sei es mit Gerüchen, Leckerchen, Spielzeug, oder der Versuch, ihn zu beruhigen, erreicht man meist das Gegenteil, denn dadurch geht man auf den aufgeregten Hund ein, bestätigt das Verhalten.
    Das Problem ist oft fehlende Leinenführigkeit. Achten Sie darauf, dass Ihre Hündin immer hinter oder neben Ihnen an lockerer Leine geht. Dann führen nämlich Sie und die Hündin muss nicht regeln wenn z. B. ein anderer Hund kommt.
    Wenn Sie an anderen Hunden vorbeigehen, versuchen Sie Ruhe auszustrahlen d. h. nicht reden, nicht schimpfen und nicht die Leine krampfhaft kürzer halten. Das alles veranlasst Ihre Hündin nämlich, sich noch mehr aufzuregen. Beachten Sie die Kleine nicht, drehen Sie ihr den Rücken zu und zeigen ihr dadurch, dass Sie mit dem Verhalten nicht einverstanden sind, es Sie auch nicht interessiert,
    Üben Sie aber vor allem die Leinenführigkeit. Lassen Sie sich NIE von Mimi wohin ziehen, auch nicht, wenn sie wo schnuppern, sich lösen oder Bekannte begrüßen will. Wenn sie zieht, bleiben Sie stehen, bis die Leine wieder locker ist, oder Sie drehen um und gehen in eine andere Richtung.
    Wenn Mimi von einem ängstlichen Mädchen Gassi geführt wurde, war sie natürlich vollkommen überfordert. Das würde erklären, warum sie ständig unter Strom steht. Da hilft nur Ruhe. Wenn sie sich aufregt, nie versuchen, sie zu beruhigen oder mit ihr reden. Bleiben Sie einfach ruhig stehen und ZEIGEN ihr dadurch, dass es keinen Grund zur Aufregung gibt.

    Viel Erfolg..
    Ellen Mayer
    www.lesloups.de

  • Toni114
    Toni114
    schrieb am 30.04.2018

    Liebe, liebe Ellen,
    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ja, du hast völlig recht. Die Leinenführigkeit war meine allererste Bestrebung, als wir sie bekamen. Ich achte akribisch darauf, dass sie hinter mir mit lockerer Leine geht. Das macht sie mittlerweile sehr gut. Ja, "Ruhe" ist das Zauberwort. Ich habe die Begegnungen mit anderen Hunden gesucht, damit sie möglichst oft in diese Situation gebracht wird. Wohlmöglich, dass ich sie durch meine Kommunikation mit dem anderen Hundehalter überfordert habe. Ich probiere aus, ob ein zügiges Vorbeigehen ohne Kommunikation hilft. Sie w i l l nämlich nicht abgelenkt werden und verweigert dann sowieso den Einsatz der Nase zum Futter. Sie w i l l in die Situation. Das zeigt sie mit Hinziehen und panischem Bellen. Ich nehme sie dann oft an die vom anderen Hund abgewandte Seite (also nach rechts), damit ich mich vor sie stellen kann. Ist das okay? Meine Hundetrainerin sagt, dass sie mich verteidigt. ICH WILL ABER GAR NICHT VERTEIDIGT WERDEN!!! Ich mag es gerne, andere Hundehalter zu treffen. Das habe ich bisher noch nicht geschafft, ihr zu vermitteln. Ich bin gerne mit anderen Menschen zusammen. Auf ein zuckersüßes "Oh, da kommt ein Baby, Baby, Baby!" konnte ich sie auch davon abhalten, andere Leute beim Spazierengehen mit ihrem panischen Bellen zu verängstigen. Das Wort "Baby" löst in ihr jetzt eher Neugierde aus und ich kann sie dadurch beim Treffen von Fußgängern und schnellfahrenden Fahrradfahrern gut kontrollieren.
    Gelegentlich hilft es, sie auf den Arm zu nehmen, dann ist sie nicht komplett außer sich. Ich weiß aber genau, dass dies nicht okay ist.
    Ich habe auch schon mit NervoHeel und Bachblüten (Aspen, Holly) gearbeitet. Leider nur mit wenig Erfolg. Ich bin bereit alles auszuprobieren, damit ich ihr und mir helfen kann. Was ist die Ursache???
    Anfänglich habe ich auch eine Tierkommunikatorin hinzugezogen. Mimi`s wichtigste Botschaft war der Satz: Ich bin nicht dumm! Außerdem vermittelte sie uns den Eindruck, dass sie in schwierigen Situationen allein gelassen wurde, obwohl jemand bei ihr stand.
    Muss ich erstmal ihr Selbstbewusstsein stärken? Oder wäre das eher fatal?
    Ich muss doch irgendwie einen Ansatz finden!!!
    Es grüßen dich herzlich
    Kathrin mit Mimi

  • Ellen Mayer
    Ellen Mayer (Hundetrainer)
    schrieb am 30.04.2018
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (0)

    Hallo,
    Mimi ist ja so nervös, weil sie sich überfordert fühlt mit der Verantwortung, die sie meint zu haben. In dem Fall helfen weder homöopathische Mittel noch Bachblüten. Ja, sie fühlt sich wahrscheinlich in schwierigen Situationen alleine gelassen. Das wurde sie ja sicher auch von dem ängstlichen Mädchen.
    Zügiges vorbei gehen hilft sicher, allerdings nur, wenn man nicht dabei auf die Kleine einredet. Zusätzlich würde ich, sobald sich Mimi beruhigt hat, wieder umdrehen und ein Stück hinter dem anderen Hund her gehen. Wenn sich Mimi wieder aufregt, nochmal von vorne anfangen.

    Liebe Grüße
    Ellen Mayer
    www.lesloups.de

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