Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Alleine bleiben

Melissa_Hölschen schrieb am 24.09.2015
Angaben zum Hund: Boxer, männlich, nicht kastriert, Alter über 5 Jahre

Hallo erstmal :)
Sascha ist seid ca 2 Jahren bei mir und meinem Lebensgefährten.
Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit ihm. Doch zwischendurch, meist wenn ihm augenscheinlich langweilig ist oder er alleine ist (egal ob 5 Minuten 1 Stunde oder länger), macht er in die Wohnung.
Wir haben vor ca 4 Wochen eine Tochter bekommen und können jetzt nicht mehr immer hinter Sascha her putzen und ihn auch nicht mehr über all mit hin nehmen...
Was können wir tuen damit er eventuell nicht mehr in die Wohnung macht und uns nicht mehr Türen ect. Kaputt kratzt wenn er alleine ist ?
Bitte um schnelle Antwort
LG Melissa Hölschen

PS: wir wissen leider nichts aus seiner Vergangenheit. Angeblich kam er von einem Reiterhof wo er weg musste weil er die Pferde gebissen hatte. Danach kam er zu einem älteren Mann der jetzt leider verstorben ist und dann zu uns.
Soweit ich weiß ist er auf dem besagten Reiterhof geboren.

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Antworten(1)

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 25.09.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (2)

    Hallo,

    herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter. Verständlicherweise ändert sich dann sehr viel in der Familie und das Augenmerk kann nicht mehr so auf dem Hund liegen.

    Stress wirkt sich auf das vegetative Nervensystem aus. Das ist bei Hunden genauso wie bei Menschen. Sicherlich kennen Sie das auch, immer wenn man nervös wird, muss man noch mal schnell ins Bad. :-)

    Das geht Ihrem Hund genauso. Studien haben belegt, dass Hunde unerwünschtes Verhalten wie Unsauberkeit, Bellen, Jaulen, Zerstören von Gegenständen aufgrund von Trennungsstress innerhalb von 10 Minuten nach Entfernen der Bezugsperson zeigen. Sie schreiben, dass Sascha Unsauberkeit auch zeigt, wenn er nur 5 Minuten alleine gelassen wird. Trennungsstress würde auch zu seiner Vergangenheit passen, denn leider sind Sie ja bereits der dritte Besitzer in seiner doch noch kurzen Lebenszeit.

    Neben der Möglichkeit Sascha zumindest eine begrenzte Zeit in einer Box unterzubringen, würde ich Ihnen raten, das Alleinebleiben noch einmal neu aufzubauen.

    Um Trennungsstress zu vermeiden, ist es wichtig, Ihrem Hund beizubringen, dass alleine zuhause zu bleiben eine angenehme Erfahrung ist. Eine Zeit in der er sich entspannen kann oder schöne Dinge tun kann. Die effektivste Möglichkeit zur Vermeidung von Trennungsstress ist ihm beizubringen, dass Alleinsein Spaß macht. Um dies zu erreichen ist eine schrittweise Erhöhung der Abwesenheitszeit wichtig, so dass Ihr Hund sich nie ängstigen muss und diese Zeit immer mit etwas Schönem verbindet. Die wichtigsten Aspekte dieses Trainings sind, dass die Zeiten des Alleineseins langsam gesteigert werden. Wie langsam hängt von der Entspannung ihres Hundes ab. Lassen Sie ihn nie so lange alleine, dass er verzweifelt. Bitten Sie ggfs. Freunde oder Familie in der Zeit der Abwesenheit auf ihn zu achten.
    Belohnen Sie ihren Hund, wenn er entspannt alleine geblieben ist. Belohnung kann ein Spiel, ein Leckerchen, eine Liebkosung oder ein Lob sein. Wenn er ängstlich ist, schicken Sie ihn wieder auf seine Decke. Reduzieren Sie dann die Zeit, in der er alleine bleibt.
    Wiederholen Sie die folgenden Trainingsstufen bis sie sicher sind, dass Ihr Hund glücklich ist.
    1. Starten Sie damit, Ihren Hund auf seine Decke zu schicken. Dort soll er eine kurze Zeit verweilen. Bleiben Sie bei ihm stehen. Belohnen Sie ihn dafür.
    2. Als nächstes schicken Sie Ihren Hund auf seine Decke und bewegen Sie sich, solange er dort bleibt. Belohnen Sie ihn dafür.
    3. Steigern Sie die Zeit und die Distanz zu Ihrem Hund. Bleibt er auf der Decke, wird er belohnt. Steht er auf oder jammert er, wird er nicht belohnt. Gehen Sie dann aber wieder einen Schritt zurück.
    4. Beginnen Sie dann, den Raum zu verlassen und die Tür hinter sich zu schließen. Beginnen Sie dann, die Abwesenheit zu verlängern.
    5. Wenn Ihr Hund dies eine Stunde lang erträgt, sollte es kein Problem sein, ihn länger alleine zu lassen. Geben Sie ihm etwas, womit er sich beschäftigen kann, damit er sich nicht langweilt.


    Es gibt eine Reihe von Dingen, die Sie tun können, damit sich Ihr Hund beschäftigen kann, während Sie weg sind.
    Geben Sie ihn einen Knochen oder ein Spielzeug, wenn Sie den Raum verlassen. Stellen Sie sicher, dass das besondere Spielzeug oder Knochen dem Hund nur zur Verfügung steht, wenn er alleine gelassen wird.
    Geben Sie Ihrem Hund einen gefüllten Kong oder einen Leckerchenball. Verstecken Sie Leckerchen im Haus, die er suchen kann oder basteln Sie ihm ein Überrasschungspaket. Diese Dinge beschäftigen ihren Hund geistig.
    Räumen Sie diese Dinge wieder weg, wenn Sie heimkommen.
    Ihr Hund wird leichter alleine bleiben, wenn er zuvor beschäftigt wurde. Gehen sie vor dem Alleinebleiben spazieren. Warten Sie dann noch 30 Minuten, bevor Sie ihn alleine lassen.
    Geben Sie ihm eine halbe Stunde vor dem Alleinebleiben eine Mahlzeit. Geben Sie ihm noch einmal die Möglichkeit sich zu lösen, bevor er alleine gelassen wird.
    Vermeiden Sie jegliche Strafen.
    Sollte Ihr Hund sich schlecht benehmen, während Sie ihn alleine gelassen haben, schimpfen Sie nicht mit ihm. Die häufigsten Gründe für Verhaltensprobleme beim Alleinebleiben liegt in daran, dass die Besitzer mit ihren Hunden schimpfen, wenn sich der Hund während der Zeit des Alleinebleibens schlecht benommen hat. Ihr Hund kann Ihre Strafe nur mit ihrem Zurückkommen verbinden, nicht mit der Zerstörung, dem Bellen oder dem Unsauber sein. Ihr Hund wird dann besorgt über Ihre Reaktion beim nächsten Zurückkehren sein und dies wird sein „schlechtes Verhalten“ eher noch bestärken

    Herzlichst
    Ihre Gabriele Holz

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