Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Meine 2 Hunde jagen andere Hunde im Feld

  Hessen
Evanda-7 schrieb am 25.11.2015   Hessen
Angaben zum Hund: Sennenhund, Berner, weiblich, kastriert, Alter 1-5 Jahre

Ich habe 2 Berner Sennenhunde (Geschwister, beide weiblich). Beide sind soweit gut erzogen und respektieren mich als Rudelführer bzw. hören auf mein Wort. Leider gibt es immer wieder ein paar Ausnahmen im Feld und damit auch schon zum Problem: Wenn sie beim "Ball-holen" einen anderen Hund sehen rennen sie (wenn ich es nicht rechtzeitig unterbinden kann) wie von der Tarantel gestochen los zu diesem Hund. Sie befinden sich dann beide in einer Art "Renn-Rausch" und blenden alles um sie herum aus. Selbst als ich meinen Schlüssel einmal direkt vor sie geworfen habe, um sie auf mich aufmerksam zu machen sind sie kurz danach weitergerannt. Im schlechtesten Fall kommen sie dann erst wieder, wenn sie den Hund mehrfach angebellt haben. Wenn dieser Hund dann aggressiv wird drohen sie sogar ein leichtes Beißen an (auch wenn ich schlimmeres bis jetzt immer unterbinden konnte). Ich bin mir nicht sicher, ob sie bei einem aggressiven fremden Hund nicht sogar zubeißen würden, wenn dieser damit anfängt. Beide sind sehr liebevolle, fröhliche Hunde und haben auch keine schlimme oder aggressive Vorgeschichte. An der Leine würden sie so ein Verhalten nicht zeigen. Sie haben einen großen Schutzinstinkt und schaukeln sich gegenseitig dann wie wild hoch. Lili ist alleine eigentlich sehr zurückhaltend bei fremden Hunden, sie weiß nicht wirklich etwas mit ihnen anzufangen, macht aber nichts. Lulu dagegen ist meist die Dominante, die zum Angriff anbläst. Ohne Lulu weiß ich, dass Lili nichts schlimmes machen würde, die Unterstützung ihrer Schwester fehlt. Lulu alleine ist das egal, sie würde trotzdem zu den Hunden rennen, wenn auch nicht mehr so lange wegbleiben. Ich bin bereits einzeln mit den beiden in die Hundeschule gegangen um ihnen zu zeigen, dass fremde Hunde keine Gefahr sind. Lili hat das einigermaßen gut angenommen, wenn auch etwas unbeholfen, aber Lulu hat beim "gemeinsamen Spielen" am Ende der Stunde immer den charakterstärksten Hund rausgepickt und gejagt (manchmal sogar leicht in den Hintern gebissen). Sie hört dann aber ohne Lili relativ schnell und kommt zu mir. Gibt es eine Möglichkeit den beiden das abzutrainieren? Ich habe Angst, dass die beiden einmal in eine schlimme Situation geraten und ein anderer Hund oder sie schlimm verletzt werden. In manchen Situationen kann ich das Wegrennen unterbinden, aber manchmal kommt um den Feldrand einfach ein Hund und dann sind sie sofort "on-tour". Nun kann ich aber nicht mit 2 großen jungen Berner-Mädels mit Schleppleine Gassi gehen, und leider fehlt mir die Zeit um einzeln mit ihnen zu gehen. Was kann ich also tun, damit sie 1. Lulu/beide aufhören diese zu jagen bzw. andere Hunde nicht als Bedrohung sehen? und 2. dafür sorgen, dass sie gar nicht erst wegrennen oder selbst wenn eben direkt zu mir zurückkommen wenn ich ein Signal gebe? Ich weiß, dass die beiden verunsichert sind, wenn andere Hunde auftauchen aber es wäre schön, wenn sie auch mal mit fremden Hunden spielen könnten und dass diese gleich Angst vor ihnen haben müssen. Vielen Dank für Ihre Hilfe und Antwort.

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Antworten(1)

  • Inge Büttner-Vogt
    Inge Büttner-Vogt (Hundetrainer)
    schrieb am 26.11.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (2)

    Guten Abend,
    Sie haben leider bei Ihren Hunden jeden Respekt verloren. Trotz aller Massnahmen rennen sie weg, hören nicht, beißen in Hinterteile. Holen Sie sich den Respekt zurück und beginnen Sie, Ihre Hund zu beschützen - und zwar vor sich selbst!
    Beginnen Sie Ihre Hund zu beschützen und zu führen. Sie sind unsicher und beißen und verjagen alles weg – das ist ihre Strategie, weil sie Ihnen nicht zutrauen, mit der Situation klar zu kommen. Das wird eine harte Aufgabe, aber es muss sein: Nehmen Sie die Mädels kurz:
    Ab sofort führen Sie: Die Hunde gehen HINTER Ihren Füßen, da wiegen sie am wenigsten. Gehen Sie niemals auf einen Hund oder einen Menschen zu. Meistens liegt es am fehlenden Vertrauen zu uns. Sie vermitteln Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen. Schutz gibt es in allen Strukturen mit Eltern, Lehrern und Chefs – die guten machen uns sicher und gelassen, wir wissen, was wir tun sollen.
    Fremde fassen Ihren Hund vorerst nicht an und Sie vermeiden es, dass der Mensch Ihren Hund ansieht. Sie gehen Bogen und Kreise und lassen Ihrem Hund Zeit, sich – unter Ihren Schutz und an der Leine – in Ruhe anzunähern. Grundsätzlich ist Ihr Hund HINTER Ihren Füßen und wichtig: IHR KÖRPER IST OHNE AUSNAHME IMMER DAZWISCHEN!!!! Eine Hund an Hund-Begegnung geht grundsätzlich schief. Gehen Sie auch in die andere Richtung oder schirmen Sie ihn am Rand ab. Er sollte nichts mehr zu „erledigen“ haben – Sie führen und geben Richtung und Verhalten an. Wenn Ihre Hunde immer wieder an Ihrer Seite gehen müssen, wenn etwas kommt, werden Sie es mit viel Geduld hinbekommen. Wenn Sie die Führung nicht übernehmen - stur - konsequent und IMMER, haben Sie keine Chance und es wird schlimmer!
    Bei Ihnen ist es vielleicht auch das Problem, dass Sie zu lange in die Situation hineingehen ohne etwas zu tun, reagieren Sie sofort, vor dem Hund, wenn es geht, das schafft Vertrauen.
    Nehmen Sie Menschen, die Ihnen entgegenkommen, als „Übung“. Zeigen Sie Ihren Hunden, dass sie seine Furcht ernstnehmen. Alle Hunde in meinem Training haben es geschafft, als die Besitzer mit dem Schutzprogramm angefangen haben. Genauso gehen Sie an unbekannte Dinge heran – umkreisen unter Ihrem Schutz, mit Ihrem Körper dazwischen (!) gern ein Leckerchen, wenn es klappt – lassen Sie sich bitte viel Zeit, nicht nur „probieren“.
    Nach einer Weile werden Ihre Hunde selbst an Ihre andere Seite gehen, weil er sich dort wohl fühlt und auf Ihren Schutz vertraut – das ist für Sie ein tolles Gefühl!
    Es wäre auch toll, wenn Sie nicht nur „Gassi-gehen“, sondern Ihren Hund geistig trainieren und beschäftigen, damit er sich nicht langweilt. Hierzu finden Sie alles auf meiner
    Homepage: www.hundimedia.de
    Bücher „Spiel und Spaß mit Hund“ und „Mehr Spiel und Spaß mit Hund“ Film: „Der Weg ist das Ziel: 222 Möglichkeiten den Hund zu beschäftigen.
    Ich würde die Lulu an die Schleppleine nehmen und mit ihr trainieren, die andere wird folgen. Lassen Sie nichts durchgehen, holen Sie sich die Führung zurück,
    viele Grüße
    Inge Büttner-Vogt



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