Hund aus dem Tierschutz hat vor allem Angst

  
Isabel.98 schrieb am 23.05.2020   
Angaben zum Hund: Es gibt keine weitere Details zu dieser Frage

Hallo. Mein Freund und ich haben vor 7 Tagen einen Hund vom Tierschutz Rumänien adoptiert. Ihr Name ist Dolly, sie ist eine 9 Monate junge Mischlingshündin und wurde als ausgesetzter Welpe mit ihren Geschwistern vor dem verhungern gerettet. Der Tierschutzverein beschrieb sie als Sonnenscheinchen, sehr aktiv und aufgeschlossen und neugierig und anhänglich. Wir haben auch Videos bekommen in denen sie mit anderen Hunden tobt und mit einer Mitarbeiterin dort spielt.
Sie wurde vor ca 3 Wochen in Rumänien kastriert, sie hatte eine über 30 stündige Reise nach Deutschland hinter sich und sicherlich hat sie vor all den Neuheiten Angst. Aber kann es sein, dass sie dadurch ein Angsthund geworden ist oder könnte das nur ein temporäres Problem sein? Denn seit sie bei uns ist hat sie sich noch nicht aus ihrer "sicheren Ecke" (ihrem Transportkörbchen) gewagt. Zweimal ist sie nachts zum fressen zwei Meter herausgetapst und da sie sich weigert sich in der Wohnung zu lösen und wir deswegen auch schon zum Tierarzt mussten, tragen wir sie nun 3 Mal am Tag in den Garten, wo sie ein bisschen vorsichtig erkundet. Danach guckt sie sich auch immer kurz das Wohnzimmer an, verschwindet jedoch immer schnell in Ihrer Box. Sie isst und trinkt generell wenig, und bekommt Antibiotika weil die Kastrationsnarbe entzündet war. Jetzt ist das allerdings wieder sehr gut. Sie isst uns aus der Hand, und hebt ihr Beinchen damit wir ihren Bauch streicheln können. Sie setzt sich auch im Garten manchmal hinter mich wenn ein Auto vorbeifährt. Das freut mich schonmal dass sie da zu mir kommt, bei meinem Freund ist sie etwas skeptischer. Wir dachten in Absprache mit dem Tierschutzverein (die ihr verhalten auch noch nie so gesehen haben) vielleicht ihr etwas nähe zu geben, sie hat neben uns auf dem Sofa geschlafen,uns die Hände abgeschleckt und ist tatsächlich einmal zu mir gekommen zum kuscheln. Da sie dann aber knurrend die Sofaecke verteidigt hat, haben wir das Sofa blockiert. Sie ist ein winziges bisschen durch die Wohnung gelaufen und liegt seitdem (gestern früh) wieder nur in der Box. Manchmal fiept sie ein wenig in der Box.

Haben Sie vielleicht einen Rat, wie wir sie behandeln sollen? Ihr weiter Zeit und Raum geben und sonst unseren normalen Tagesablauf durchziehen oder versuchen sie zum rausgehen zu animieren? Wir sind ein wenig hilflos und ratlos aber wir wollen nur dass es ihr gut geht und sie keine Angst mehr hat und uns vertraut. Wir machen uns Sorgen weil sie nicht den Anschein macht jemals ihre "Höhle" verlassen zu wollen.

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Antworten(1)

  • Ines Trujka
    Ines Trujka (Hundetrainer)
    schrieb am 14.07.2020
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (0)

    Hallo Isabel,
    zunächst einmal tut mir die späte Antwort leid. Eventuell hat Dollys Verhalten sich ja auch schon verändert. Das würde mich natürlich sehr freuen.
    Das von Ihnen geschilderte Verhalten ist typisch für Tierschutzhunde aus dem Ausland. Dollys gesamte Welt, zu der nicht nur die unmittelbare Umgebung gehört sondern auch Gerüche, Geräusche, tägliche Abläufe etc. wurde mit einem Schlag und einer für Hunde ausgesprochen stressigen „Überführung“ komplett auf den Kopf gestellt. Alles ist neu und fremd. Die frisch erfolgte Kastration tut da noch ihr Übriges. Sie ist verwirrt und verängstigt und braucht nun Zeit, sich zu orientieren und ihren „Platz zu finden“. Das kann je nach Hund schneller gehen oder länger dauern. Gebe Sie ihr diese Zeit. Sie hat ja schon erste zaghafte Versuche unternommen, Sie als Menschen genauer kennenzulernen und Kontakt aufzunehmen. Bestärken Sie sie in diesem Verhalten, indem Sie positiv darauf reagieren. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie nun per se einen Angsthund haben, es wird aber sicher auch in Zukunft immer wieder Situationen geben, in denen Dolly Ihre Unterstützung braucht. Nehmen Sie das Heft in die Hand und gehen Sie selbstsicher voraus, sodass Dolly sich an Ihnen orientieren kann. Das wird ihr Sicherheit geben. Struktur im Alltag und gewisse Rituale können dazu beitragen, dass Dolly sich immer besser einleben wird.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute.
    Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

    Herzliche Grüße
    Ines Trujka
    www.dognitiv.de

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