Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Beagle - Hündin hat große Angst

connyundamy schrieb am 01.03.2015
Angaben zum Hund: Beagle, weiblich, nicht kastriert, Alter 1-5 Jahre

Hier nochmals connyundamy, ich möchte noch dazu schreiben dass ich am Rollator gehe und meine Hündin ständig vor oder neben dem Rollator läuft. Leider habe ich das wohl verkehrt gemacht dass Amy nicht hinter mir läuft. Kann man das jetzr mit fast 2 Jahren noch korrigieren?
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Antworten(4)

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 02.03.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Liebe Frau Sachon,
    im Gegensatz zu einigen Kollegen hier in der Expertenrunde bin ich nicht der Meinung, dass Ihre Hündin hinter Ihnen laufen muss, damit Sie die Führung haben. Evolutionsbiologisch macht das auch keinen Sinn.

    Auf Ihre anderen Fragen, gehe ich gleich als Antwort noch ein.

    Liebe Grüße
    Ihre Gabriele Holz

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 02.03.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo Frau Sachon,

    ich möchte meine Antwort gerne noch etwas erläutern. Durch Beobachtungen an freilebenden Wolfsrudeln, von denen unsere Hunde bekanntlich abstammen, gibt es die gesicherte Erkenntnis, dass die Führungstiere nicht standartmäßig vorne laufen. Gerade beim Durchqueren von unwirtlichem Gelände kann es für die erfolgreiche Jagd sinnvoll sein, wenn die jüngeren Tiere vorne laufen und den Weg ebnen. Dadurch sparen die Elterntiere Kraft für die eigentliche Aufgabe, die Jagd. Ihren Führungsanspruch verlieren die Elterntiere dadurch nicht. Führende Verhaltensforscher wie Prof. Feddersen-Petersen oder auch Günter Bloch konnten dies schon nachweisen. Führung hat etwas mit Souveränität und Sicherheit zu tun. Läuft Ihre Hündin also neben oder vor Ihnen, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Hündin zu beobachten und zu schützen, wenn diese Ihren Schutz begehrt.
    Selbstverständlich können Sie Ihrer Hündin auch heute noch antrainieren, hinter Ihnen zu laufen, wenn Sie dies möchten. Sie können dies antrainieren, indem Sie Ihre Hündin hinter Ihnen belohnen, z.B. mit Leckerchen. Sie können Sie auch immer bestätigen, wenn Sie hinter Ihnen ist. Meines Erachtens ist es jedoch wichtiger, Ihrer Hündin zu zeigen, dass Sie die Situationen, die ihr Angst machen, übernehmen und regeln. Die können Sie auch dadurch tun, dass Sie immer zwischen dem angstauslösenden Mensch und Ihrer Hündin sind.
    Sicherlich beachten Sie bereits die Individualdistanz Ihrer Hündin und zwingen Sie sie nicht in Situationen, in denen sie sich nicht wohl fühlt.
    Liebe Grüße
    Ihre Gabriele Holz

  • amyundconny
    amyundconny
    schrieb am 07.03.2015

    Guten Abend liebe Frau Holz,
    danke von uns beiden für Ihre Antwort.
    Ich schrieb ja schon dass ich Amy vor über einem Jahr aus schlechter Haltung übernommen habe. Als ich sie bekam hatte sie vor allen fremden Menschen Angst. Sobald sich jemand zu ihr beugte und ihr die Hand zum Streicheln entgegen streckte klemmte sie ihre Rute ein, bellte und rannte bellend hin und her. Ich zog sie dann immer ganz dicht zu mir und bat die Leute Amy nicht anzufassen. Die haben ja wohl gesehen dass Amy das nicht wollte, ausserdem mussten wir beide ja auch erst einmal zusammen wachsen. Ich muss auch sagen dass ich es nicht möchte das jeder meine Amy angrabbelt. Wenn sie das nicht möchte na dann möchte sie das eben nicht. Ich habe mir mit meinem Verhalten bei Bekannten viel Ärger eingehandelt. Vor Amy hatte ich eine Altdeutsche Schäferhündin, die ich mit fast 12 Jahren am 7.12.2013 einschläfern lassen musste. Shira ließ sich von jedem anfassen, sie ist auch als Welpe ganz anders aufgewachsen und hat nichts Schlimmes bei ihren Vorbesitzern erlebt, außer dass sie Shira aus kostengründen nicht mehr versorgen konnten und sie deshalb abgaben.
    Was mit Amy vom Verkauf bis sie zu mir kam geschehen ist das weiß ich ja nicht. und die Züchterin konnte mir auch keine genauen Angaben machen außer dass Amy den Vorbesitzern wohl lästig geworden war. In dem Jahr wo sie jetzt bei mir ist hat sie am Tage ihr Vertrauen zu Menschen wieder erlangt, das habe ich schon mit viel Geduld und Liebe hin bekommen. Über Menschen, die sie gut kennt freut sich Amy übermäßig wenn sie zu uns zu Besuch kommen und flippt vor Freude förmlich aus. Wenn wir am Tage Gassi gehn muss ich sie oft sehr kurz an der Leine führen wenn Menschen uns entgegen kommen. Sie beugt sich dann vorn runter und will mit den fremden Menschen spielen. Da ich sie ja immer beobachte sehe ich das schon vorher wenn sie dazu ansetzt und verhindere das, denn sowas finden nicht alle Menschen witzig. Da Amy gern an den Menschen hoch springt muss ich das auch verhindern. Sie mag es aber immer noch nicht wenn sich Menschen über sie beugen und ihre Hand zum streicheln zu ihr strecken. Dann versteckt sie sich dicht bei mir.
    Ich möchte ihr eben auch helfen dass sie im dunklen nicht immer so Angst vor fremden Menschen hat. An den letzten Abenden habe ich Amy ganz dicht zu mir geholt sobald uns Menschen entgegen kamen, habe sie gestreichelt und beruhigend mit ihr geredet. Sie ist dann ganz ruhig geblieben und hat nicht gebellt oder die Rute eingeklemmt.
    Amy hat sich so sehr an mich gewöhnt dass sie leider nicht gern allein bleibt, sie bellt dann und zerstört irgendwelche Gegenstände. Das macht sie auch wenn wir vorher ausgiebig Gassi waren. Eine halbe Stunde schafft sie es nun schon nach vielen Üben allein zu bleiben ohne dass etwas geschieht. Aber mancher Arztbesuch dauert auch mal länger. Und immer finde ich keinen Sitter. Ich habe mir überlegt Amy an eine Transportkiste zu gewöhnen. Vielleicht kann ich sie dort irgendwann einsperren wenn ich etwas länger weg muss. Das dauert sicher lange bis sie sich an diese Kiste gewöhnt. Meine Frage an Sie, wäre das eine gute Idee? Sie soll sich ja auch nicht bestraft fühlen. Angeknabberte Möbel sind aber auch nicht lustig und teuer.

    Nochmals herzlichen Dank und ganz liebe Grüße aus Stendal von
    Amy und Cornelia

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 09.03.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Guten Morgen Frau Sachon,
    ich finde es toll, wie verständnisvoll und geduldig Sie Ihrer Amy beistehen. Ein Hundebox kann Vorteile bringen, da sich gerade unsichere Hunde darin sehr geborgen fühlen. Bieten Sie Ihr die Box auf jeden Fall an. Geben Sie immer etwas Gutes hinein und schauen Sie doch mal, ob Amy darin entspannen kann. Wichtig ist hier in kleinen Schritten vorzugehen. Amy soll die Box immer mit Sicherheit und einem guten Gefühl belegen. So könnte das Training aussehen:

    1. Stellen Sie die Box auf und legen ihre Decke und etwas gutes zum Knabbern hinein. Bleiben Sie neben der Box und loben Sie den Aufenthalt der Box.
    2. Legen Sie wieder ihre Decke und etwas gutes zum Knabbern hinein und fordern sie auf, in die Box zu gehen. Erlauben Sie ihr nach einem kurzen Moment, die Box wieder zu verlassen.
    3. Steigern Sie die Zeit, in der Amy in der Box sein muss. Achten Sie darauf, dass sie noch keine Anzeichen von Stress zeigt. Ansonsten müssten Sie die Zeit wieder verringern.
    4. Fangen Sie an, Distanz zur Box aufzubauen. Auch hier achten Sie wieder darauf, dass Amy keine Stresszeichen zeigt.
    5. Beginnen Sie dann, den Raum zu verlassen und die Tür hinter sich zu schließen. Beginnen Sie dann, die Abwesenheitszeit zu verlängern.
    5. Wenn Ihr Hund dies eine Stunde lang erträgt, sollte es kein Problem sein, ihn länger alleine zu lassen. Geben Sie ihr etwas, womit sie sich beschäftigen kann, damit sie sich nicht langweilt. Geben Sie ihr ein Spielzeug oder einen Kong, den Sie mit einer leckeren Paste füllen, so dass sie eine Weile lecken muss. Lecken und Knabbern beruhigt.
    Überlassen Sie ihr das Spielzeug oder den Kong nur in der Zeit, in der sie alleine bleiben muss.

    Ich möchte noch ein paar Anregungen zu Ihrem bisherigen Vorgehen geben, wohlwissend, dass das Verhalten von Amy aufgrund von Schilderungen immer schwierig ist.
    Sie schreiben, dass Amy Bekannte mit Spielaufforderung "begrüßt". Eine Spielaufforderung kann auch als Beschwichtigungsgeste gezeigt werden. Es wäre möglich, dass Amy dies aus diesem Grund zeigt und das Springen und Rennen ein Stressregulationsmittel ist. Wenn dies so wäre, würde ich Amy nicht verbieten, diese Spielaufforderung zu zeigen, sondern nur dahin gehend umzulenken, dass sie die Menschen nicht anspringt.

    Sie schreiben, dass Sie Amy sehr oft kurz nehmen. Verhindern Sie damit aber nicht auch, dass Amy ihre Individualdistanz selbst wählen darf? Ich hatte Angst vor Bienen und Wespen. Wenn ich mir vorstelle, dass eine Biene oder Wespe über meinen Frühstücksteller krabbelt und mein Mann mich festhalten und trösten würde, weiß ich nicht ob ich nicht doch vor Angst erstarren würde.
    Ich würde eher versuchen, die Menschen positiv zu belegen, indem immer etwas ganz Tolles passiert, wenn Menschen entgegen kommen. Zuerst in dem Abstand, in dem Amy gerade noch damit umgehen kann. Also bereits dann, wenn Amy das erste Mal zögert und schaut. Nehmen Sie doch zum Beispiel das Abendessen mit nach draußen. Jedes Mal wenn jemand in Sichtweite ist, gibt es Futter.
    Eine gute Möglichkeit ist hier auch das Clickertraining, da davon ausgegangen werden kann, dass dieses Geräusch auch in Stresssituationen noch wahrgenommen wird.
    Wie gesagt, ich kenne Ihre Amy nicht, ich weiß aber, dass gerade Beagle doch sehr verfressen sind. :)

    Herzlichst
    Ihre Gabriele Holz

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