Unausgelastete Bernhardiner-Hündin

Mangelnder Gehorsam ❯ In Gegenwart anderer Hunde
Irmi G. schrieb am 12.03.2019
Hallo,
da ich kürzlich von Ihnen eine recht nette und hilfreiche Antwort auf eine andere Frage erhalten habe, würde ich ganz gerne auch Ihre Einschätzung auf ein weiteres Thema bekommen, das mich sehr beschäftigt und bei dem mir bisher keiner so recht helfen konnte: Einmal pro Woche bekomme ich für ca. eineinhalb Stunden die 15 Monate alte Bernhardinerhündin (Vroni) einer Bekannten gebracht, um mit ihr spazieren zu gehen und das "Hundeeinmaleins" zu üben. Sie hat auch schon viel gelernt, aber es gibt auf den Spaziergängen immer wieder Probleme, weil Vroni unbedingt zu anderen Hunden hinmöchte, um mit ihnen zu spielen. Da zieht sie wie verrückt, so dass sie mich schon fast umgeworfen hätte, ihre Besitzer können sie gar nicht halten bzw. handeln. Sie ist total gutmütig und nett, hat aber sehr viel Temperament (wohl auch altersbedingt) und kann ihre Kraft auch nicht so einschätzen. Da sie nur einmal pro Woche rauskommt, wenn ich mit ihr gehe, staut sich da so viel auf bei ihr und wenn wir dann losgehen, dann will sie alles ausleben oder nachholen (so ist jedenfalls mein Gefühl). Die meisten anderen Hundebesitzer sind auch sehr unentspannt und bekommen manchmal auch richtig Angst vor ihr, weil sie so rumspringt. Da kann ich sie nicht hinlassen und an der Leine ist das eh nicht so gut. Wenn sie bei mir ankommt, dann lasse ich sie erst eine Zeit im Garten herumlaufen, mache ein paar Übungen mit ihr, damit sie nicht voller ungebremster Energie in den Spaziergang startet. Wir haben auch schon mit ersten "Mantrailing"-Übungen angefangen, die ihr offenbar sehr gut gefallen. Aber zu lange warten, bis wir losgehen, kann ich auch nicht, weil wir ja nicht so viel Zeit haben. Weder die Besitzer von Vroni noch ich können mehr Zeit investieren, so dass sich alles auf die eineinhalb Stunden konzentriert. Sie hat zu Hause ein großes Grundstück, das ist schon toll und die Besitzer kümmern sich, so gut sie können, aber sie kommt kaum mit anderen Hunden zusammen, hat immer nur dieselben Gerüche und Eindrücke während der Woche. Da verstehe ich schon gut, dass sie sich, wenn ich mit ihr etwas unternehme, total freut und alles nachholen will. Aber das geht einfach nicht, um sie selbst, mich und andere nicht zu gefährden. Sie gehorcht schon sehr gut, geht auch bei Fuß, aber wenn sie andere Hunde sieht, legt sich bei ihr ein Schalter um und sie sprintet los. Da ist sie auch nicht mehr ansprechbar, weder mit Leckerli, Zuruf oder irgendetwas anderem. Und bei 53 Kilo (Tendenz steigend!) ist das kein Spaß mehr. Ich bin auch kein Bodybuilder. Das ist eine total schwierige Situation, das ist mir bewusst. Hätten Sie da trotzdem Tipps für mich? Wie kann man den einfache Mantrailing-Übungen interessanter gestalten? Ich habe das Gefühl, damit kann man sie recht gut auslasten.
Vielen lieben Dank im Voraus.
Viele Grüße
Irmi Günster
2 Antworten
Guten Abend,
Ihre Frage ist schon lange offen, ich werde versuchen, sie zu beantworten. Geben Sie es bitte auf, in 1 1/2 Stunden für die Hündin etwas tun zu können. Sie können sie weder auslasten noch erziehen, weil das Prozesse sind, die die Besitzer machen müssen.
Es besteht die Gefahr, wenn Sie zu gut sind, dass die Hündin nicht mehr nach Hause will. Machen Sie auf Ihrem Grundstück viele Nasenübungen (Futterbeutel, Leckerchen suchen, Spielzeug verstecken - alles was mit der Nase zu erledigen ist...). Wenn Sie zu viel Herzblut reinstecken, tut das der Hündin nicht gut, weil sie dann richtig merkt, wie arm ihr Leben ist. Verbringen Sie die Stunde mit ihr, spielen Sie, aber engagieren Sie sich besser nicht.
Gehen Sie mal auf meiner Homepage spazieren,
www.hundimedia.de
viele Grüße
Inge Büttner-Vogt
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Irmi G. | Fragesteller/in
schrieb am 08.04.2019
Guten Abend Frau Büttner-Vogt,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich hatte mich zwischenzeitlich mit einer Ihrer Kolleginnen telefonisch in Verbindung gesetzt und mich mit ihr beraten. Zu Ihrer Antwort möchte ich aber noch Folgendes anmerken: Mir ist durchaus klar, dass ich nicht die Besitzerin von Vroni bin und dass es bei ihr Zuhause besser laufen könnte, sowohl erziehungs-, als auch auslastungsmäßig. Ich verstehe auch Ihren gedanklichen Ansatz. Aber wenn man ein Tier liebt, tut man einfach das für es, was einem das Herz sagt. Man geht ja nicht hin und nimmt sich vor, so etwas mittelmäßig zu machen. Man tut halt, was man kann. Besser ginge es immer, aber so ist es besser als gar nichts zu tun und zu beklagen, wie schlecht es das Tier hat. Dann dürfte man ja auch nie in ein Tierheim gehen und sich dort eingehend mit den Tieren beschäftigen, um ihren Alltag etwas zu verschönern und sie idealerweise auf eine Vermittlung vorzubereiten. Da könnte man auch zu viel Herzblut reinstecken und das Tier merken, dass ihm so viel fehlt. Im Übrigen freut sich Vroni meistens, wenn ihr Frauchen wieder kommt zum Abholen, weil ich das immer positiv verknüpfe. Trotzdem vielen Dank für Ihre Mühe. Auf Ihrer Internetseite werde ich mal schauen.
Viele Grüße
Irmi Günster
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