Aussie Angst bzw. Leinenaggression

Leinenführigkeit ❯ Leinenaggression
Debora K. schrieb am 18.03.2019
Ich habe zwei Aussies. Ein Weibchen (kastriert) mit 3 1/2 Jahren und ein Männchen (unkastriert) mit fast 2 Jahren.
Wir sind vor kurzem umgezogen. Als wir das erste Mal in der neuen Hundefreilaufzone waren (vor ca. 1 1/2 Monaten), wurde mein Rüde von einem Hund (auch ein unkastrierter Rüde, etwas größer als meiner) zuerst aggressiv angebellt, als mein Rüde einen Schritt zurückgegangen ist und zurück bellen wollte, hat der andere Rüde nach ihm geschnappt und ihn auch gebissen.

Seither springt er jedes Mal in die Leine und keift, wenn ein anderer Hund in unsere Nähe kommt ( oft auch wenn der Hund noch 50m-100m entfernt ist). Und sobald mein Rüde anfängt zu bellen, denkt sich mein Mädchen, dass sie gleich mitmachen muss.
Die Beiden haben meine Eltern - die manchmal zu mittag mit ihnen gehen -, schon jeweils einmal zu Boden geschmissen wegen so einer Situation. Ich hab so eine Situation meistens halbwegs unter "Kontrolle", da ich meine Hunde einfach besser "lesen" kann.

Ich versuche seither Hundekontakte an der Leine so gut es geht zu vermeiden, was auf Dauer aber keine Lösung ist!
Ich habe bis jetzt schon einiges versucht, sowohl im Training mit jedem Einzeln, als auch zusammen.
z.B.:
- hinsetzen lassen und die Aufmerksamkeit von ihnen gewinnen, das ist aber nur möglich, wenn der Hund noch weit genug entfernt ist, aber wenn er dann näher kommt, hilft das nicht
- einfach stehen bleiben und ignorieren und warten, bis der andere Hund an uns vorbei gegangen ist
- bevor er/sie aggressiv wird ihnen vermitteln, dass ich sie beschütze (also zB sie zwischen meine Beine nehmen oder mich zu ihnen hin hockerln)
- lockere Leine
- kurze Leine

Früher konnte ich ihn frei laufen lassen, weil er immer auf's Wort gehört hat (sie hat leider einen ziemlich ausgeprägten Jagdtrieb, sie würde mir weglaufen, wenn eine Ente vorbeifliegt - deswegen hatte ich sie entweder kurz oder an der Schleppleine).
Und jetzt hab ich selbst Angst, ihn in der Freilaufzone frei zu lassen, weil er jetzt sehr leicht aggressiv wird und zuerst keift, bevor er den fremden Hund überhaupt Mal beschnüffelt.
Damit er trotzdem seine Bewegung bekommt, hat er zur Sicherheit einen Beißkorb oben in der Freilaufzone.

Kann es auch sein, dass ein mitspielender Faktor ist, dass er nicht kastriert ist?
Das Weibchen fangt langsam auch schon an, andere Hunde an der Leine anzubellen, auch wenn wir 2 alleine Gassi gehen.

Mein Mann und ich sind langsam schon am Verzweifeln.

Wir sind über jeden Rat dankbar!
1 Antwort

Guten Abend,
ja klar, ein kastrierter Rüde ist ansprechbarer, er kann den Trieb nie ausleben, sondern hört nur "Pfui.nein aus"... Kastrierte Rüden arbeiten besser, sind konzentrierter, haben keinen Eiterpenis mehr - in 20 Jahren habe ich keinen einzigen Nachteil erlebt, sofern man mit Ihnen arbeitet.
Leider können die Verhaltensweisen nicht klappen, weil setzen lassen sehr viel Stress aufbaut. Versuchen Sie folgendes:
Bauen Sie Vertrauen auf: Ab sofort führen Sie: Derdie Hunde gehen an der Leine HINTER Ihren Füßen.
Bitte gehen Sie niemals direkt auf einen Hund oder einen Menschen zu. Meistens liegt es am fehlenden Vertrauen zu uns, wenn der Hund an der Leine pampt. Beginnen Sie Ihren Hund zu beschützen und zu führen. Hunde versuchen alles „weg zu bellen“ oder zu fliehen, wenn sie uns nicht zutrauen, mit der Situation klar zu kommen.
Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen. Schutz gibt es in allen Strukturen mit Eltern, Lehrern und Chefs – die guten machen uns sicher und gelassen, wir wissen, was wir tun sollen.
Fremde fassen Ihren Hund vorerst nicht an und Sie vermeiden es, dass der Mensch Ihren Hund ansieht. Sie gehen Bogen und Kreise und lassen Ihrem Hund Zeit, sich – unter Ihren Schutz und an der Leine – in Ruhe anzunähern. Grundsätzlich ist Ihr Hund HINTER Ihren Füßen und wichtig: IHR KÖRPER IST OHNE AUSNAHME IMMER DAZWISCHEN!!!! Eine Hund an Hund oder eine Leinen-Begegnung geht grundsätzlich schief. Gehen Sie auch in die andere Richtung und nehmen Sie den Blickkontakt heraus. Bleiben Sie in Bewegung und lassen Sie ihn nicht am Rand sitzen, das baut unnötig Stress auf.
Er sollte nichts mehr zu „erledigen“ haben – Sie führen und geben Richtung und Verhalten an.
Bei Ihnen ist es vielleicht auch das Problem, dass Sie zu lange in die Situation hineingehen. Rufen Sie früher ab, leinen Sie früher an, seien Sie immer vorausschauend und ein bisschen fixer als Ihr Hund.
Nehmen Sie Menschen, die Ihnen entgegenkommen, als „Übung“. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass sie seine Furcht ernstnehmen. Genauso gehen Sie an unbekannte Dinge heran – umkreisen Sie sie unter Ihrem Schutz, mit Ihrem Körper dazwischen (!!!!!) gern ein Leckerchen, wenn es klappt – lassen Sie sich bitte viel Zeit, nicht nur „probieren“.
Nach einer Weile wird Ihr Hund schon selbst an Ihre andere Seite gehen, weil er sich dort wohl fühlt und auf Ihren Schutz vertraut – das ist für Sie ein tolles Gefühl!
Es wäre auch toll, wenn Sie nicht nur „Gassi-gehen“, sondern Ihren Hund geistig trainieren und beschäftigen, damit er sich nicht langweilt. Hierzu finden Sie alles auf meiner
Homepage: www.hundimedia.de
Viele Grüße
Inge Büttner-Vogt
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