Hund bellt Autos auf gewisse Distanz an

Allgemeines
Knacki schrieb am 15.09.2020
Hallo, unser Hund bellt Autos an, die etwa 100 - 300 Meter entfernt sind. Unter oder über dieser Distanz nicht. Ausnahme: wenn er selbst im Auto mitfährt, bellt er jedes Fahrzeug und auch Mensch an. Es ist kein aggressives Bellen, sondern so wie er auch vor Freude bellt bei Besuch beliebter Menschen, als wollte er sagen: "Kommt her und spielt mit mir!" Er lässt sich weder durch Leckerchen noch durch ablegen auf seinen Platz vom anbellen von Autos abbringen, bei Besuchern klappt das.

Im Auto hilft nur seine Box völlig zu verdunkeln. Beim Camping reicht es, wenn er die Autos auf der Straße gesehen hat, dann lösen auch Fahrgeräusch das Bellen aus. Zu Hause reagiert er nur auf extrem laute KFZ wie alte Traktoren, ohne dass er diese sehen kann, lässt sich dann aber durch ablegen auf seinen Platz davon abbringen. Seltsam auch, dass er dicht vorbei fahrende Autos beim Gassi gehen ignoriert, sie müssen schon auf einer mindestens 100 Meter entfernten Straße fahren um das Bellen auszulösen. Keine Ablenkung hilft und obwohl er sonst sehr gut an der Leine geht, zieht er dann kraftvoll. Grundsätzlich ist er freundlich oder selten ignorant zu Mensch und Tier. Auch agressive Hunde bringen ihn selten aus der Ruhe, er geht einfach mit lockerer Leine vorbei und ignoriert sie. Er ist ein 9 Jahre alter Schäferhund-Riesenschnauzer-Mix. Es wäre schön, wenn uns jemand helfen könnte.
4 Antworten
Guten Tag,
ich habe Ihre Frage schon mehrfach aufgerufen, aber einfach keine Antwort gewusst (andere Trainer auch nicht).
Versuchen wir es:
Wann hat es angefangen? Gibt es ein Ereignis, das Sie sich vorstellen können? Als Welpe? Diese Distanz ist so merkwürdig, wenn er das Ereignis sieht, macht er es nicht und ist sonst gut geführt.
Nehmen wir an, er hat irgendwann mal ein Ereignis von weitem gehört, das dann näher gekommen ist und ihn furchtbar erschreckt hat, seitdem versucht er es schon von weitem "wegzubellen"?
Wenn Ihnen dazu etwas einfällt, können Sie mir gern noch einmal schreiben,
viele Grüße
Inge Büttner-Vogt
www.hundimedia.de
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Knacki | Fragesteller/in
schrieb am 07.10.2020
Hallo,

vielleicht sind es auch verschiedene Probleme, die ich in einen Topf werfe. Ich versuche mal zu strukturieren:
1. Zu Hause:
Eigentlich kein Problem, da er sich vom bellen abbringen lässt.
2. Gassi gehen:
Dabei bellt er wie beschrieben Autos, welche in gewisser Distanz fahren an und zieht dann auch heftig an der Leine, was er sonst nicht macht.
3. Im Auto:
Hier bellt er alles an was sich bewegt und er sehen kann.

Vorgeschichte: Wir haben ihn als Welpe bekommen und in 250km Entfernung mit dem PKW abgeholt. Diese erste Fahrt (mit einigen Pausen) verlief ohne jedes Problem. Ich bin dann recht früh mit ihm zur Hundeschule gefahren und zwar mit meinem Transporter (Sprinterklasse). Dabei hatte der Hund immer große Angst, ob wohl er wusste wohin es geht und die Schule ihm viel Spaß gemacht hat. Es waren nur 10 km Fahrt, aber er sabberte extrem und wollte bei der Rückfahrt nur noch ungern einsteigen. Wenn ich mal mit ihm eine längere Fahrt machen wollte, musste ich alle 10 km Pause machen und mit ihm etwas spazieren gehen, sonst hat er sich übergeben. Wir sind dann ein paar Jahre gar nicht mehr mit ihm gefahren. Stellten wir PKW oder Transporter in den Hof, sprang er immer freudig hinein, aber sobald der Motor fühlte er sich nicht mehr wohl. Meine Frau hat dann vor ein paar Jahren mit ihm Auto fahren trainiert mit ihrem PKW. Erst ganz kurze Distanzen, dann langsam gesteigert. Seine Angst hat er tatsächlich abgebaut, sabberte nicht mehr und fühlte sich offensichtlich wohl. Je besser es wurde um so mehr entwickelte er die Angewohnheit andere Autos aus dem Auto heraus anzubellen. Das macht er jetzt auch im Transporter, außer man nimmt ihm die Sicht durch Schiebetür in der Trennwand zuziehen, hinten ist nur ein Dachfenster. Im PKW durch verdunkeln der Box.
Die Marotte beim Gassi gehen entfernte Autos anzubellen und dahin zu wollen hatte er eigentlich schon immer. Deshalb konnten wir ihn auch nie wirklich frei laufen lassen. Wir nutzen auf freiem Feld verschieden lange Schleppleinen (15 - 50 Meter) damit nichts passieren kann. Ich hatte oft den Eindruck, er vermutet Freunde oder Bekannte in den Fahrzeugen und will sie auffordern zu ihm zu kommen. Manche Besucher/Freunde erkennt er zu Hause am Motorgeräusch und dann klingt sein bellen genau so.

Wirklich blöd wurde es wie beschrieben dann dieses Jahr beim Camping, so dass wir den Urlaub nach 2 Tagen abbrechen mussten. Früher sind wir immer jeder für sich alleine weg gefahren und der andere blieb zu Hause beim Hund. Jetzt wollen wir aber auch mal zusammen Urlaub machen und den Hund mitnehmen. Beim nächsten Versuch werden wir den Campingplatz besser wählen (ohne Bundesstraße in der Nähe) und eine Wassersprühflasche mitnehmen - mal sehen ob das hilft. Vielleicht fällt ihnen ja auch noch etwas ein, was wir machen können.

MfG Knacki
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Hallo, also auf keinen Fall die Sprühflasche - wir sind immer die Guten, nie die Aggressiven, die nicht weiterwissen. Eher können Sie über ein ein Sprühhalsband nachdenken, um das Bellen zu bekämpfen, das kann er nicht mit Ihnen in Verbindung bringen.
15 und gar 50 m Schleppleine finde ich viel zu lang. Ich trainiere immer mit 5 m. Ich rufe den Hund vielmals zu mir, arbeite mit ihm auf jedem täglichen Spaziergang (alles auf meiner Homepage) - wir gehen nicht "Gassi" sondern erleben zusammen Abenteuer. Vielleicht wäre das ein Weg ihn geistig zu beschäftigen, dass Sie und er nicht auf jedes Geräusch achten müssen. In 15 oder 50 m haben Sie keinerlei Einwirkung mehr...
Die Verdunkelung ist gut, aber er hat vielleicht etwas falsch verknüpft:
Ich höre das Geräusch und mir wird schlecht. Wenn Sie in einer Welpenspielstunde waren, hat das Vertrauen des Hundes zu Ihnen früh gelitten, weil in den meisten Stunden der Schutz des Hundes fehlt. Jetzt versucht er, allein damit fertig zu werden und versucht es wegzubellen.
Schlechtsein im Welpenalter prägt sich stark ein, er möchte es nicht mehr erleben.
Ich würde versuchen:
Leine viel viel Kürzer, viel spielen und beschäftigen, Gehirn umprogrammieren, umlenken, viel an die Leine beschützen und führen...
Ich bin gespannt, wenn Sie mir wieder schreiben...
viele Grüße
Inge Büttner-Vogt
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Knacki | Fragesteller/in
schrieb am 11.10.2020
Hallo,

heute habe ich endlich Zeit ausfühlich zu antworten. Wir sind nie agressiv zu unserem Hund. Die Sprühflasche haben wir benutzt, um ihn davon abzuhalten nach Insekten (meistens Wespen) zu schnappen. Sonst kam sie noch nicht zum Einsatz. Ein Sprühhalsband scheint mir eine gute Alternative, werde ich mal nach suchen.

Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis. Der Hund (sein Name ist Paco) lässt alles mit sich machen was wir wollen wie hochheben, überall anfassen, ins Maul fassen, usw. Oft schraube ich an unseren Motorrädern wo er dabei ist. Auch wenn ich Motoren starte zeigt er keine Angst. Ich kann ihn her rufen oder weg schicken, alles ganz entspannt.

Wir wohnen im Dorf und haben ein Haus mit Innenhof ohne Garten. Paco hat ein großes Bedürfnis zu rennen, also richtig schnell. Das lebt er im Hof aus indem er von einer Ecke zur anderen spurtet, immer hin und her. Das macht er so max. 5 Minuten am Tag, aber nur wenn gerade keiner Lust hat mit ihm zu spielen. Meistens werfen wir ihm sein Spielzeug, was er dann in enormer Geschwindigkeit zurück bringt, damit wir es erneut werfen. Ganz offensichtlich hat er großen Spaß dabei.

Ich will mal genauer schildern wie und wann wir welche Leine einsetzen und wie Spazier- oder Gassigänge bei uns ablaufen. Wenn wir raus gehen muss er zuerst an der normalen (kurzen) Leine "bei Fuß" gehen und zwar ohne Spannung auf der Leine. Das klappt sehr gut. Nach ca. 1 KM erreichen wir die Felder. Dort bekommt er dann die 15m Leine. Ich habe nicht nachgemessen, vielleicht ist sie auch etwas kürzer. Ich kann dann immer noch sehrwohl auf ihn einwirken. Wenn ich sage "bleib stehen" macht er das. Wenn er in ein bepflanztes Feld geht und ich sage "raus da" ist er sofort wieder auf dem Weg. Ich selbst kann nicht laufen wegen einer alten Fußverletzung, nur zügig gehen. Paco bleibt gerne etwas zurück und rennt dann an mir vorbei, wobei er nicht bis zum Ende der Leine rennt, sodass er auch nicht mit einem kräftigen Ruck das Ende erreicht. Er wird vorher langsamer, bleibt stehen, schnüffelt im Gras und lässt mich wieder vorbei gehen. Die 50m Leine kommt nur zum Einsatz, wenn ich ihm eine Frisbeescheibe werfe und er sie zurück bringen soll. Seine größte Freude ist es maximal schnell zu rennen und das verbinde ich gerne mit diesem Spiel. Es ist gar kein Problem das Spiel abzubrechen und ihn wieder zu mir zu rufen - außer er sieht plötzlich ein Auto in entsprechender Entfernung fahren. Die Leine ist dann meine Sicherheit, dass er nicht in Richtung des Autos läuft. Beim Rückweg nach Hause kommt er wieder an die normale Leine sobald wir bebautes Gebiet erreichen.
Nach dem Spaziergang oder dem Spiel im Hof legt er sich anscheinend zufrieden auf seinen Platz.
Wenn das Wetter richtig schlecht ist kommt es vor, dass Paco nur an der kurzen Leine geht und wir den Asphaltweg nicht verlassen. Er scheint Regen auch nicht sonderlich zu mögen und zeigt nach 1 - 1,5km deutlich, dass er wieder nach Hause will.
Egal ob er nun an der kurzen, der 15m oder der 50m Leine ist - auf Autos in der beschriebenen Entfernung reagiert er immer gleich: Er will dahin und wenn es nicht geht bellt er extrem und lässt sich nicht beruhigen.
Wir sind beide keine Sportler und auch Fahrad fahren kommt nicht in Frage. Deshalb geben wir Paco die Gelegenheit sich an der langen Leine auszutoben.

Im Auto wird ihm heute nicht mehr schlecht, das war bevor meine Frau Auto fahren mit ihm trainiert hat. Seitdem bellt er aber aus dem Auto alles an was sich bewegt. Irgendwann haben wir gemerkt, dass es hilft ihm die Sicht zu nehmen. Das praktizieren wir noch nicht so lang.

Die Hundeschule hatte hauptsächlich den Zweck mit anderen Hunden Kontakt zu haben und Sozialverhalten zu erlernen. Dort waren Hunde jeder Größe und jeden Alters. Selbstverständlich war ich da immer dicht bei ihm und er hat sich bestimmt nicht schutzlos gefühlt. Zwischendurch wurden die üblichen Übungen gemacht wie über eine Wippe gehen, durch lang Röhren laufen, über ein schmales Brett gehen, Slalom durch die anderen Hunde, usw., natürlich immer an meiner Seite.

Hier können Sie ein Bild von Paco sehen: http://running-machines.de/pics/Tiere/Paco1.jpg
Auf dem Bild wirkt er kleiner, aber er hat so ca. die Größe eines Schäferhundes. Er kann übrigens auch sehr gut alleine zu Hause bleiben. Wir arbeiten beide unregelmäßig und es kommt vor, dass er auch mal ein paar Stunden alleine bleiben muss. Wenn wir wieder nach Hause kommen wirkt er freudig aber nicht gestresst oder so. Man merkt ihm an, dass er sehr entspannt ist und wohl die meiste Zeit geschlafen hat. Man findet auch keine Spuren irgendwelcher Aktivitäten. Wir haben auch mal eine Kamera laufen lassen und die Aufnahme zeigte wie er die ganze Zeit entspannt liegt oder schläft. Kein rum rennen, bellen, jaulen oder sonst was.

Ich hoffe ich konnte unser Leben mit Paco anschaulich schildern, sodass Sie sich ein Bild machen konnten. Ob das zur Lösung des Problems beiträgt weiß ich nicht. Jedenfalls werde ich mal so ein Sprühhalsband besorgen und sehen was ich damit bewirken kann.

Danke und viele Grüße
Knacki

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