Warum schnappt Welpe nach Kopf?

Welpenerziehung ❯ Beißhemmung
Gast123445 schrieb am 29.01.2021
Hallo,

und zwar handelt es sich um meinen 7 Monate alten Schäferhund-Labbi Mix.

Sie „zwickt“ manchmal, wenn sie nicht bekommt was sie will, in den Arm oder schnappt nach der Hand.

Wir haben es schon mit ignorieren, nein und wegdrehen probiert. Wir haben einen Pet Corrector und wollten ihn jetzt als nächstes probieren, was haltet ihr davon?

Heute aber hat mein Hund seinen Spielball unter das Sofa rollen lassen (nicht mit Absicht) und meine Mama wollte ihr den Ball unter dem Sofa holen, mein Hund und meine Mama waren dann beide mit dem Kopf unten am Sofa und sie hat dann nach dem Kopf meiner Mama „geschnappt/geknäbbt" und diesen auch mit den Zähnen berührt (sie blutete nicht und hat auch keine Bissspuren). Das Ganze klingt jetzt auch, denke ich, aggressiver als es dann war, aber sowas geht nicht und möchte ich ihr direkt abgewöhnen.

Denke auch nicht, dass es aggressiv gemeint war. Was könnte das bedeuten und was könnte man dagegen tun?
1 Antwort
Hallo,

das Verhalten, das Sie heute bei Ihrer Hündin gesehen haben - dass die nach dem Kopf Ihrer Mutter "geschnappt" / "geknäbbt" hat, kann tatsächlich verschiedene Ursachen haben.

Zum einen ist es möglich, dass dieses Verhalten im Rahmen des Aggressionsverhaltens auftritt. Zum anderen ist es möglich, dass dieses Verhalten dem Jagdverhalten zuzurechnen ist. Weiterhin kann es bei einem Hund beobachtet werden, wenn dieser sehr aufgeregt oder erregt ist. Schließlich können Zähne auch im Verlauf des Spielverhaltens (bspw. beim so genannten Spielbeißen) oder im Verlauf einer sozialen Interaktion bspw. beim Beknabbern oder beim Fellknabbern auftreten.

Eine sichere Aussage, welches Verhalten ein Hund in einer bestimmten Situation zeigt und welche Motivation dahinter steckt, lässt sich nur dann treffen, wenn man den ganzen Hund, d. h. den Gesamteindruck oder das "Display" betrachtet. Daher ist es leider schwierig, allein das "Schnappen" oder "Knäbben" hinsichtlich der Ursache korrekt einzustufen.

Meine Empfehlung für Sie ist, dass Sie einmal Kontakt zu einem verhaltenstherapeutisch tätigen Tierarzt oder zu einem nach Tierärztekammer zertifizierten Hundetrainer Kontakt aufnehmen, der sich das Verhalten vor Ort ansehen kann und bei der Beurteilung auch diverse weitere Informationen von Ihnen zu Ihrem Hund und Ihrer Lebenssituation berücksichtigt.

Ein Pet Corrector birgt sehr viele Schwachstellen:
Zunächst einmal müsste bei seinem Einsatz sichergestellt werden, dass er
- konsequent bei jedem (!) Auftreten des Problemverhaltens
- immer mit dem korrektem Timing (= sofort in der ersten Sekunde)
- immer mit der korrekten Intensität (= nicht zu schwach, nicht zu stark)
eingesetzt wird. Diese Punkte einzuhalten, ist enorm schwierig.
Darüber hinaus lassen sich Fehlverknüpfungen, also eine Verknüpfung nicht mit dem Verhalten sondern bspw. mit Personen nicht vermeiden - und sie möchten sicherlich nicht, dass Ihre Hündin anschließend bestimmte Familienmitglieder oder (auch nicht abwegig) bestimmte Räume meidet.
Schließlich kann man durch Einsatz des Pet Correctors dem Hund nicht mitteilen, was man eigentlich von ihm möchte - nämlich bei Ihrer Hündin ruhiges Abwarten, bis sie das bekommt, was sie sich wünscht. Diese Unklarheit erzeugt bei einem Hund häufig Unsicherheit und Stress, was wiederum zu weiterer Aufregung und Erregung führt und das Problem letztlich schlimmer werden lassen kann.

Viele Grüße,
Stefanie Ott
www.mensch-und-tier.net
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