Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Aggressives Verhalten wenn irgendwo angeleint

  Hessen
JamieMac schrieb am 13.12.2014   Hessen
Angaben zum Hund: Podenco Mix, weiblich, kastriert, Alter über 5 Jahre

Hallo!
Jamie bellt jede nicht bekannte Person aggressiv an und würde auch zuschnappen, ich denke auch Kinder, wenn sie irgendwo mit der Leine angebunden ist.
Jamie haben wir mit ca. 3 Monaten aus dem Tierheim geholt, diese haben sie aus Spanien mitgebracht. Jamie war schon immer schwierig. Männer mag sie nicht besonders, es sei den diese haben auch einen Hund.
Außerdem mag sie keine Person, die krank sind, insbesondere Krebskranke.
Ich kann mit Jamie nicht mein Kind von der Schule abholen, weil ich Jamie anbinden müsste. In meiner Abwesenheit könnte sie ein Kind beißen und das will ich natürlich nicht.

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Antworten(3)

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 13.12.2014
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo, gerade Hunde aus dem Tierschutz haben oftmals eine Vergangenheit, von der wir nichts oder nur wenig erfahren. Die Sozialisationsphase bis zur 12. Woche "prägt" einen Hund sehr stark. Die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen sind sehr intensiv. Oftmals haben diese Hunde dann gewisse Ängste. Hunde können auf 'Situationen, die sie als Bedrohung empfinden verschieden reagieren. Sie können beschwichtigen, sie können vor Angst erstarren, sie können fliehen oder kämpfen. Sind sie angebunden, dann können sie nicht mehr fliehen. Beschwichtigendes Verhalten oder Erstarren bringt oftmals nicht den gewünschten Erfolg, nämlich die vermeintliche Gefahr abzuwenden. So bleibt dem Hund nur die Möglichkeit anzugreifen oder zumindest diesen Eindruck zu vermitteln. Dadurch schafft er sich Raum. Dies erst einmal nur zum Verständnis.
    Um mir ein umfassendes Bild machen zu können, bitte ich Sie mir noch einige Fragen zu beantworten. Zuvor aber erst ein Trainingstipp. Binden Sie den Hund an und bitte sie andere Personen in einem Sicherheitsabstand dem Hund etwas besonders Leckeres zu geben, bzw. hinzuwerfen. Fragen Sie zuerst Menschen, die Ihr Hund zwar kennt, jedoch noch etwas skeptisch sieht. Wahren Sie dabei einen Sicherheitsabstand, so dass nichts passieren kann. Bitten Sie die Menschen Ihren Hund nicht unmittelbar anzusehen. Idealerweise stellen sie sich auch seitlich vor Ihren Hund.
    Nun meine Fragen:
    Wann fingt das Problem an?
    Wann wurde Jamie kastriert?
    Tritt das Problem nur auf, wenn Jamie alleine angebunden ist oder auch wenn Sie die Leine halten?
    Wie verhält sich Jamie, wenn sie nicht an der Leine ist?
    Wie verhält sich Jamie, wenn Ihre Kinder oder auch Sie Besuch haben?
    Würden Sie Jamie allgemein als ängstlich beschreiben?
    Wie haben Sie bisher auf das Bellen reagiert?
    Sie schreiben auch, dass Männer und Kranke Auslöser sind. Männer können oftmals ein Problem sein, da Tierschutzhunde aus dem Ausland oftmals die traumatische Erfahrung im Tierheim mit Männern verknüpfen.
    Dass Jamie keine kranken Personen mag, führe ich erst einmal auf mangelnde Sozialisation (6. bis 12 Woche) zurück.
    Meiner Meinung nach müssen Sie Jamie zeigen, dass die für sie bedrohlichen Menschen eigentlich etwas total Tolles sind. Deswegen hoffe ich jetzt, dass wir Jamie über besonders gute Leckerchen, die sie nur bei dieser Übung bekommen sollte, "einfangen" können.
    Liebe Grüße
    Gabriele Holz

  • JamieMac
    JamieMac
    schrieb am 13.12.2014

    Hallo Gabriele,

    Das Problem ist so lange ich denken kann. Kastration schon vor dem 1. Lebensjahr.
    Auf wenn ich sie an der Leine halte, nicht bei meinem Mann. Ist aber bei mir schon besser geworden in den letzten Monaten, da ich jetzt darauf achte das ich zuerst durch die Tür bzw. die Treppe runter gehe.
    Bei mir ist sie immer an der Leine, wenn Leute in der Nähe sind. Lasse sie nur laufen wenn, weit und breit keiner da ist.
    Kinderbesuch manchmal schwierig, wenn die Kinder laufen, dann will sie in die Schuhe beißen. Wenn Besuch von uns kommt und Richtung Kinderzimmer gehen, will sie auch schnappen. Außerdem wenn der Besuch hektische Bewegungen macht, will sie schnappen.
    Jamie ist sehr ängstlich, erschrickt bei fast allen Geräuschen im Haus, die auch täglich
    auftreten.
    Wenn sie bellt, zieh ich an der Leine und rufe "aus"!
    Wenn wir fremden Besuch oder Freunde, die lange nicht da waren, lassen wir Jamie ein Leckerlie geben und dann ist alles gut.

    Bei meinem Mann macht sie an der Leine nix, der gibt ihr wahrscheinlich Sicherheit.
    Als mein Mann mit meinem Sohn im Urlaub war, ging ich mit Jamie in der Eisdiele. Sie begrüßte den männlichen Ausländer freudig und ich war ganz baff. In den 2 Wochen wo wir alleine waren, war Jamie nicht wieder zu erkennen.

    Da war Jamie so wie ich mir das mit ihr immer vorgestellt habe. :-) :-) Ein tolles Team!

    Hoffe das ich die Antworten so gut wie möglich beantwortet habe.

    Danke!

  • Gabriele Holz
    Gabriele Holz (Hundetrainer)
    schrieb am 13.12.2014
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo,
    danke für die Informationen, das rundet das Bild etwas ab. Schön, dass Sie den Weg der "Bestechung" bei Besuch auch schon versucht haben. War das erfolgreich? Wenn ja, prima, dann diese Methode auf fremde Leute ausweiten. Hunde lernen ortsbezogen, daher bitte auch immer die Orte wechseln. Sie können die Menschen bitten, wenn sie sich Ihrem Hund nähern, die Leckerchen zu geben oder vorsichtig hin zu werfen. Geben Sie den Menschen Ihre Leckerchen. Falls Sie Ihrem Hund schon beigebracht haben, nichts vom Boden aufzunehmen, erlauben sie es ausdrücklich in diesen Trainingssituationen. Ich habe bisher aber auch noch keine negativen Erfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil. Die Hunde, die bei uns Leckerchen suchen durften, haben dann weniger Fremdes vom Boden aufgenommen. Aber das ist ein anderes Thema.
    Sie berichten, dass während des Urlaubs Ihres Mannes und Ihres Sohnes Jamie viel entspannter war. Dies kann mehrere Gründe haben. Vielleicht waren Sie entspannter, weil der Alltagsstress weggefallen ist. Vielleicht hatten Sie aber auch mehr Zeit, etwas mit Ihrem Hund zu unternehmen. Vielleicht hat Jamie aber auch das Gefühl auf Sie und Ihren Sohn aufpassen zu müssen, wenn Sie zusammen sind. Kinder, die noch nicht in der Pubertät waren, werden von Hunden nicht als Erwachsene beurteilt.
    Mit den Methoden "Zuerst durch die Tür, oder zuerst die Treppe hinunter" wollten Sie sicherlich die Führung übernehmen. Die Führung zu übernehmen ist mit Sicherheit sehr wichtig. Um Ihren Führungsanspruch zu untermauern müssen Sie die wichtigsten Bedürfnisse Ihres Hundes "befriedigen". Dazu gehören neben Sozialkontakt (Streicheln, Kuscheln etc.) das Bedürfnis nach Futter und Wasser und allem voran, das Bedürfnis der körperlichen Unversehrtheit und Sicherheit. Das bedeutet, dass Sie Ihren Hund - ähnlich wie Sie es auch mit Ihrem Kind tun würden - schützen müssen, vor allem, vor dem Ihr Hund Angst hat. Ängstliche Hunde versuchen oftmals die Distanz vor dem angstauslösenden Reiz zu vergrößern. Lassen Sie das zu. Nehmen Sie die Ängste Ihres Hundes ernst. Wenn Jamie nicht angefasst werden will, muss sie dies auch nicht. Stellen Sie sich schützend vor Ihren Hund. Sehen Sie zu, dass Sie immer zwischen dem angstauslösenden Reiz (Mensch) und Jamie sind. Schimpfen Sie nicht mit ihr und reißen Sie auf gar keinen Fall an der Leine, das verschlimmert die Angst und treibt Jamie immer weiter in die Aggression. Kommen Ihnen unbekannte Personen entgegen, werfen Sie Leckerchen auf den Boden. Ein Hund, der die Nase auf den Boden nimmt, muss seine angespannte Haltung verändern, damit kann er anders reagieren. Machen Sie in ablenkungsfreien Situationen immer wieder Suchspiele, indem Sie Leckerchen oder auch das Futter auf den Boden werfen und Jamie suchen lassen. Das macht sicherlich auch Ihrem Sohn Spaß. Leckerchen und Futter kann man auch ganz toll verstecken. Zum Beispiel in Heuballen oder auf Holzstapeln. So wird der Spaziergang mit Ihrem Hund und Ihrem Sohn und vielleicht auch seinen Freunden spannend. Podencos sind Jagdhunde. Such und Stöberspiel dürften ihr also Spaß machen. Man kann auch mit einem Futterbeutel arbeiten oder das Futter im Laub verstecken. Vielleicht hat Jamie ja auch Spaß daran, mit Ihnen Ihren Sohn zu suchen, der sich hinter einem Baum versteckt hat. Es gibt unzählige Beschäftigungsideen, in denen Sie die Regie übernehmen, die Spielregeln bestimmen, Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Hund Spaß machen und ganz nebenbei die Führung klären.
    Hektische Bewegungen können Jamie Angst machen, weil Sie dann vielleicht das Gefühl hat, nicht schnell genug reagieren zu können. Wenn Ihr Sohn Besuch hat, bieten Sie Jamie einen Rückzugsort an. Legen Sie ihre Decke nicht unbedingt in den Bereich, in dem die Kinder vorbei laufen und schon gar nicht auf den Weg ins Kinderzimmer. Nehmen Sie Jamie die Aufgabe weg, zu kontrollieren, wer das Kinderzimmer betritt. Wenn die Kinder unter Ihrer Aufsicht sich mit dem Hund beschäftigen wollen, wählen Sie ruhige Spiele aus z.B. Hütchenspiel. Es wird sicherlich nach so langer Zeit nicht einfach sein, das Verhalten von Jamie zu ändern und wieder ganz entspannt mit ihr umzugehen. Der Weg kann aber durchaus auch bereichernd für beide Seiten sein.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Erfahrungen mitteilen.
    Liebe Grüße
    Gabriele Holz

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