Gestresst an fremden Orten

  
Sina97 schrieb am 24.11.2020   
Angaben zum Hund: Es gibt keine weitere Details zu dieser Frage

Hallo zusammen,


vielleicht kann mir jemand mit unserer Hündin einen Rat geben, denn ich möchte ihr gerne helfen und einen entspannteren Alltag für sie und auch für uns schaffen.


Zu unserer Hündin: Sie ist ein 3 Jahre alter Labrador-Bordercollie Mischling. Damals hat sie mein Freund als Welpe aufgenommen. Ich hab sie erst kennengelernt, als sie bereits 1,5 Jahre alt war. Als Welpe hat sie leider nicht viele Orte gesehen, sondern war meistens nur in der Wohnung oder zum Spaziergang draußen. Sie wurde nie in andere Häuser / Räume oder Wohnungen mitgenommen. Ich vermute, dass sie dadurch an fremden Orten unsicher ist, weil sie nie gelernt hat damit umzugehen und zu merken, dass fremde Orte nichts Schlimmes sind.


Nun kurz zu ihrem Wesen: Sie ist super lieb, knurrt nie, bellt nicht und hat auch noch nie gebissen. Sie freut sich über jeden Menschen und will immer spielen oder gestreichelt werden. Sie hat auch viel Energie weshalb wir Bikejöring für uns entdeckt haben oder mit ihr schwimmen gehen. Leider steigert sie sich nur sehr in alles herein mit ihrer Energie. Beim Spaziergang geht es los:
Wenn ich sie an die Leine mache fängt sie stark an zu hecheln und freut sich, dass es gleich los geht. Wenn man nicht sofort startet fängt sie an leise zu fiepen und zu winseln. Hier versuche ich erstmal nicht loszugehen, sondern zu warten bis das Fiepen aufhört. Ist das ein richtiger Ansatz?


Das größte Problemen haben wir an fremden Orten. Hier schaut sie sich erst den Raum an, aber auch im schnellen Tempo. Dann wird lautstark, manchmal fast hysterisch noch dazu gewinselt und das ohne Unterbrechung. Leider hört das auch nicht mehr auf. Leider bin ich mir unsicher wie ich ihr hierbei helfen kann? Soll ich sie ignorieren oder durch streicheln beruhigen? Wenn ich sie streichle hört sie meistens kurz auf, aber macht nach kurzer Zeit weiter. Wenn ich sie aufhöre zu streicheln, dann wird sie noch lauter mit dem Winseln und will wieder Aufmerksamkeit und gestreichelt werden. Mir erscheint das Streicheln an der Stelle eher kontraproduktiv. Die ganze Situation wird noch schlimmer wenn fremde Menschen im Raum sind. Man könnte sagen pro weitere Person wird es noch schlimmer.


Auch beim Autofahren hechelt sie, winselt und gähnt, was für mich eindeutige Anzeichen von Stress sind. Ich denke sie ist mit den Situationen schlichtweg überfordert und ich weiß nicht wie ich ihr dabei helfen kann. Auch beim spazieren gehen ist sie alleine zu zweit sehr brav, läuft bei Fuß und lässt sich abrufen. Auch hier kommt es ab und an vor, wenn sie frei läuft, dass sie weiter voraus ist, stehen bleibt, zu mir zurück schaut und winselt und dann zu mir gelaufen kommt und direkt wieder umdreht und weiter voraus läuft, als wolle sie mir sagen: Du bist zu langsam! Komm jetzt! Hier versuche ich einfach die Richtung zu wechseln, wenn sie das tut, oder ich nehme sie wieder an die Leine.
Wenn wir in einer großen Gruppe laufen, fängt sie an zu ziehen. Wenn man stehen bleibt winselt sie ununterbrochen. Man könnte sagen, sobald sie abgelenkt ist, ist sie mit ihrem Kopf woanders, doch sobald Pause ist, weiß sie selbst mit sich nichts anzufangen, findet die Situation doof und winselt.


Meine Schlussfolgerung ist, dass sie selbst nicht gelernt hat zu entspannen oder mit Ruhe umzugehen und dass sie in fremden Situationen nicht weiß was sie machen soll. Vielleicht gebe ich ihr auch nicht genug Sicherheit aber bei meinem Freund macht sie das Gleiche, auch wenn er strenger ist als ich und klar der "Alpha" im Rudel ist.


Ich hoffe sie können mir helfen, wie ich unserer Hündin zu einem entspannteren Leben verhelfen kann, sodass sie auch an fremden Orten entspannt ruhen kann.


Viele Grüße Sina

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Antworten(1)

  • Ellen Mayer
    Ellen Mayer (Hundetrainer)
    schrieb am 25.11.2020
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo,
    mit Strenge vermittelt man einem Hund ganz sicher keine Sicherheit. Vielleicht meinen Sie nur, dass Ihr Freund ganz klar der Alpha ist, die Hündin sieht das aber anders. Sicherheit vermittelt man einem Hund mit Ruhe und Souveränität. Mit Ruhe ist hier auch wirklich Ruhe gemeint d. h., nicht auf den Hund einzureden, auch nicht beruhigend.
    Meiner Meinung versucht die Hündin mit diesem Verhalten Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie oft dann auch erhält. Diesen Eindruck habe ich durch Ihre Aussage, dass die Hündin immer spielen und gestreichelt werden will. Das ist eigentlich immer nur bei Hunden so, welche die gewünschte Aufmerksamkeit dann auch bekommen. Übrigens bedeutet auch NEIN, AUS, schimpfen oder sonstiges für einen Hund Aufmerksamkeit. Mit dem Unterschied, dass der Hund es nicht versteht, Ärger bemerkt das Ganze aber nicht einordnen kann. Auch dadurch kann sehr viel Unsicherheit entstehen.
    Im Grunde tun Sie alles richtig, auch beim Anleinen. Allerdings ist es auch hier wichtig, Ruhe auszustrahlen. Das heißt zuerst einmal nicht Gassi zu gehen wenn man in Eile oder nervös ist. Zum anderen heißt es, auch hier nicht zu reden. Bleiben Sie stehen, schauen die Hündin auch nicht an und entspannen Sie sich bis es die Hündin auch tut.
    Gehen Sie NIE auf Forderungen der Hündin ein.

    Viel Erfolg..
    Ellen Mayer
    www.lesloups.de

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