Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

Hund hat gelernt, andere bellen ihn nur an. Draußen Theater. Angst?

nidokris schrieb am 13.11.2015
Angaben zum Hund: Border Collie-Mischling, weiblich, kastriert, Alter 1-5 Jahre

Sehr geehrte Damen und Herren, ich benötige Ihren Rat bei meinem „Hundeproblem“ und hoffe, Sie können mir helfen. Zunächst einmal die Fakten: Es geht hier um eine kleine Border Collie-Mischlingshündin aus den Straßen Rumäniens. Sie kam vor zwei Jahren hierher, lebt seitdem bei einer Familie und wurde im Dezember letzten Jahres kastriert. Sie ist total verschmust und leinenführig. Bei Fuß und Sitz beherrscht sie perfekt, bei Platz muss ich noch mit Handzeichen nachhelfen. Wenn sie frei läuft, kommt sie auf Pfiff mit der Hundepfeife sofort heran. Ihre Familie liebt sie zwar, ist aber mit der häuslichen Situation total überfordert, sodass die Kleine zwar versorgt wird mit Futter, aber keinerlei Zuwendung oder Auslauf bekommt. Sie hat die ganzen zwei Jahre den kompletten Tag im Garten des Hauses verbracht (ohne, dass irgendjemand jemals mit ihr spazieren gegangen wäre). An dieses Haus grenzt ein Feld, was den Garten dieses Hauses zum Hauptweg für Hundebesitzer und ihre Vierbeiner des Dorfes macht. Jeden Tag gehen von morgens bis abends Hunde vorbei. Die Herrchen könnten den gegenüberliegenden breiten Bürgersteig benutzen, tun dies aber größtenteils nicht, sondern gehen unmittelbar an dem Zaun an der Straße entlang. Die Hunde bellen die Kleine furchtbar an, wenn sie hinter dem Zaun sitzt und sie bellt natürlich zurück. Das hat sich so seit zwei Jahren eingebürgert. Ich bin nun vor zwei Monaten in das Haus gegenüber eingezogen und hole sie seitdem jeden Tag ab, um mit ihr zwei Stunden im Wald spazieren zu gehen und nehme sie danach mit zu mir zum „Kuscheln und Bespielen“. Ich habe auch vor, sie in Kürze komplett zu übernehmen, da ihre Familie sie abgeben will. Das Problem ist, dass, wenn ich mit ihr spazieren gehe und wir anderen Hunden begegnen, sie neun von zehn Hunden anbellt. Sie lässt sie herankommen, beschnuppert sie ganz freundlich und wenn sie sie dann auch beschnuppern, bellt sie sie ganz furchtbar an. Manchen zeigt sie die Zähne, manchen auch nicht. Wenn ich sie bei Fuß gehen lasse und die Hunde gehen vorbei, ohne sich um sie zu kümmern, passiert nichts. Ich habe festgestellt, dass das noch besser geht, wenn ich sie Platz machen lasse. Dann schaut sie ihnen ganz ruhig hinterher. Kommen die Hunde aber auf sie zu, springt sie natürlich auch auf und dann geht erst das Schnuppern und dann das Gebelle wieder los. Mitunter versteckt sie sich hinter meinen Beinen. Daraus schließe ich, dass sie Angst hat, weil sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt hat, alle Hunde sind aggressiv und bellen mich an und ich muss zurückbellen. Also belle ich doch lieber zuerst. Allerdings bellen sie draußen die wenigsten Hunde an. Sie gehen ganz freundlich auf sie zu, was sie ja zunächst auch tut – und sind total perplex, wenn sie dann „zusammengebellt“ werden. Bei etwa einem von zehn Hunden schnuppert sie ruhig und bleibt freundlich. Das ist vollkommen unabhängig von Größe, Rasse oder Temperament. Heute sind wir noch auf zwei Hunde getroffen, von denen sie einen freundlich beschnupperte und den anderen anbellte. Bei manchen Hunden ist es so, dass sie, wenn sie über das Bellen hinaus ist, fröhlich mit ihnen spielt, bei wenigen tut sie es sofort. Bei den meisten ist daran überhaupt nicht zu denken. Wir haben seit dreieinhalb Jahren einen Langhaar-Weimaraner. Den hat sie von Anfang an nie angebellt und liebt ihn, was mich darin bestärkt, sie ganz zu uns zu nehmen. Jetzt endlich meine Frage: Wie kann ich es ihr abgewöhnen, alle Hunde anzubellen? Ich traue mich nicht, sie frei laufen zu lassen, wenn andere Hunde kommen, da ich nicht riskieren möchte, dass das Ganze in einer Beißerei endet. Ich kann halt (noch) nicht einschätzen, was ohne Leine dabei herauskommt, will es aber auch nicht riskieren, solange sie so aggressiv / ängstlich reagiert. Kann ich ihr mehr Sicherheit geben? Soll ich sie von allen Hunden fernhalten? Muss ich sie mit mehr Hunden zusammenbringen, damit sie lernt, dass die meisten Hunde total freundlich sind? Wie kann ich ihr / uns helfen? Vielen Dank im Voraus.

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Antworten(1)

  • Andrea Winter
    Andrea Winter (Hundetrainer)
    schrieb am 17.11.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo,
    erstmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht und für Ihr Engagement für den Hund. Natürlich ist es für den Hund im ersten Schritt schwierig, sich draußen mit den Hunden zurecht zu finden, jedoch macht eine Leine es sicher noch problematischer. Hier gilt es Geduld zu haben. Ich würde zunächst einmal jedes ruhige Verhalten anderen Hunden gegenüber loben und belohnen. Wenn der Hund sich hinter Ihnen in Deckung begibt, schicken Sie die anderen Hunde weg und lassen Sie diese nicht an Ihren Hund heran. Zeigen Sie dem Hund, dass Sie die Situation kontrollieren und sie sich bei Ihnen sicher fühlen kann. Je sicherer sie sich ist, desto besser. Wenn Sie noch einen zweiten Hund haben, mit dem die Hündin sich gut versteht, so kann das auch helfen. Versuchen Sie mal herauszufinden, ob es in Ihrer Umgebung einzelne Hunde gibt, die von der Hündin gemocht werden und versuchen Sie, diese mit ihr vermehrt zusammen zu bringen, damit sie im ersten Schritt lernt, dass nicht alle Hunde doof sind. Vielleicht gibt es in Ihrer Umgebung auch einen Hundeplatz, auf dem die Hunde unter Traineraufsicht im Freilauf Kontakt aufnehmen können. Ohne Leine ist es meist einfacher, weil die Hunde sich ausweichen können. Wichtig ist, dass die Hündin unter Hunde kommt, die sie weitestgehend in Ruhe lassen bzw. gut verstehen, dass sie nicht zwingend Kontakt möchte.
    Auch die Zeit wird hier sicher helfen genauso wie ein souveränder Zweithund, der ihr zeigen kann, wie es funktioniert.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute.
    Andrea Winter

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