Was tun bei extremem Futterneid ggü. Zweithund?

  
karoline_müller schrieb am 28.11.2021   
Angaben zum Hund: Es gibt keine weitere Details zu dieser Frage

Hallo,
wir haben folgendes Problem: Hündin, Lille, knapp 3 Jahre alt, lebt seit zweieinhalb Jahren bei uns. Sie kommt aus dem Tierschutz und kam damals als Zweithund zu uns. Da unser damaliger Ersthund Ende vergangenen Jahres verstorben ist, haben wir nun vor zwei Wochen einen neuen Hund, Store, (Rüde, 8 Monate) aus dem Tierschutz aufgenommen. Nach einigen Reibereien in den ersten zwei Tagen haben sich beide Hunde eigentlich schnell aneinander gewöhnt und spielen mittlerweile auch gern miteinander. Wir haben beim ersten Kennenlernen darauf geachtet, dass die beiden sich auf neutralem Boden kennenlernen, um territoriales Verhalten seitens Lille zu vermeiden. Wir hatten schon vermutet, dass es sein könnte, dass Lille ihre Ressourcen ggü dem neuen Hund verteidigen würde, so dass wir alle Spielzeuge entfernt haben, jeder sein eigenes Bett hat (die Betten stehen im selben Raum, aber nicht direkt beieinander), und natürlich auch jedem eine eigene Futter-Wasser-Stelle zur Verfügung gestellt haben (auch die in getrennten Räumen).


Direkt zu Beginn wurde überdeutlich, dass das Futter ein Problem ist: Schon bei der Zubereitung baute sich binnen kürzester Zeit eine derartige Spannung von Lilles Seite aus auf, als dass sie Store noch attackierte, bevor das Essen fertig war. Also haben wir uns entschieden, die beiden auf separaten Etagen zu füttern (glücklicherweise besteht diese Option bei uns, weil wir auf zwei Etagen wohnen). Seitdem essen beide ruhig und begegnen sich nach dem Essen auch freundlich. Leckerchen (aus der Hand) geben können wir ebenfalls ohne Aggression.


Problematisch sind jedoch alle Situationen, in denen Lille denkt, es könnte jetzt etwas zu Essen geben. Dann reicht es schon, wenn Store nur neben ihr steht oder eine falsche Bewegung macht. Sie attackiert ihn dann und hört auch nicht auf, wenn er aufjault und signalisiert, dass er sich unterwirft. Dabei verletzt sie ihn nicht, sie fletscht die Zähne, wird sehr laut und schnappt in seine Richtung. Beißen tut sie nicht. Je nach Situation hört sie noch auf, bevor wir da sind - es gab aber auch schon zwei Mal die Situation, dass ich sie wirklich wegziehen musste.


Lille ist sehr jung gefunden worden - ohne Mutter. Ihr fehlt also definitiv ein wichtiger Teil der Sozialisation. Beißhemmung aufbauen war bspw ein ziemlich langer Prozess. Hinzu kommt, dass sie sehr ängstlich ist - diese Unsicherheit kanalisiert sie jedoch tendenziell eher mit Aggression als mit Rückzug. Auch beim Spielen mit anderen Hunden merkt man oft, dass sie nie richtig gelernt hat, zu spielen. Das Sozialverhalten ist also schwierig, aber in der Regel händelbar und sie reagiert auch auf Training.


Meine Frage ist, wie wir diese Aggressionen in den Griff bekommen können. Wir sind nicht unerfahren und davon ausgegangen, dass die Sicherheit, dass jeder sein Essen zuverlässig bekommt und der jeweils andere Hund nicht an das Futter des anderen kommt, letztlich zu einer Entspannung führt. Aber scheinbar gibt es zahllose Situationen, die Lille mit Futter in Verbindung bringt. Dass ihr Verhalten unerwünscht ist, signalisiere ich ihr jedes Mal durch Körperhaltung und tiefe, deutliche Ansprache. Sie respektiert das auch und hört dann auf, aber es passiert eben in der nächsten Situation genauso wieder. Macht es Sinn, die beiden regelmäßig mit Leckerchen zu trainieren und zu loben, wenn beide das Leckerchen nehmen, ohne zu "pöbeln"? Oder entfache ich damit dauerhaft eher den Futterneid? Store ist ein sehr ängstlicher Hund und jedes Mal, wenn Lille ihn so angeht, traut er sich nicht mehr in ihre Nähe. Heute hat er, obwohl er stubenrein ist, sogar Pipi gemacht vor lauter Schreck. Wir wissen nicht so recht, wie wir Lille klar machen sollen, dass wir dieses Verhalten nicht akzeptieren. Sie ist eigentlich ein gehorsamer Hund, aber in diesen Situationen setzt gefühlt jede Vernunft aus bei ihr. Sie ist dann völlig außer sich. Haben Sie eine Idee?


Beste Grüße und lieben Dank schonmal.

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Antworten(1)

  • Marie-Louise Kretschmer
    Marie-Louise Kretschmer (Hundetrainer)
    schrieb am 30.11.2021
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo, ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie sich mit einem Hundetrainer vor Ort in Verbindung setzen, der die Situation bei Ihnen zu Hause analysiert und mit Ihnen ein Konzept erarbeitet, damit Sie das Problem besser in den Griff bekommen können. Dazu muss man die Körpersprache der Hunde beurteilen und auch gezieltes Training anbieten. Das wäre mein Ratschlag, um Ihr Problem so schnell wie möglich zu lösen.
    Viele Grüße aus Wiesbaden
    Marie-Louise Kretschmer
    www.Hundeausbildung-naturnah.com

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