Deine Hundetrainer-Sprechstunde

Aggressivität beim Alleinsein

  Nordrhein-Westfalen
Lucassen schrieb am 04.09.2017   Nordrhein-Westfalen
Angaben zum Hund: Beides vermutlich Schäferhund-Mix, männlich, kastriert, Alter 6-12 Monate

Hallo! Wir hatten immer zwei Hunde, einer davon ist fast blind und 10 Jahre alt. Der andere ist vor einigen Wochen unerwartet verstorben und weil der 10-Jährige durch seine beinahe Blindheit (von Geburt an) sich immer ganz gut am jeweils anderen Hund orientiert hat, haben wir uns entschlossen, wieder einen Zweithund anzuschaffen. Dieser ist ist aus dem Tierschutz und jetzt ca. 6 Monate alt. Wir haben ihn seit etwas mehr als zwei Wochen. Das Alleinbleiben gestaltet sich allerdings sehr schwierig. In der Hundebox, in der Junghund anfangs auch nachts schlief, macht er richtig Theater. Das wiederum bringt unseren Senior dermaßen auf die Palme, dass er sich zähnefletschend, knurrend und bellend davor positioniert. Da das also ein enormer Stressfaktor zu sein scheint, lassen wir die beiden nun im Hausflur frei laufen, wenn wir weg müssen. Natürlich haben wir das immer wieder trainiert, mal nur ein paar Minuten, wenn das geklappt hat auch eine halbe Stunde usw. Wortlos verlassen wir das Haus und kommen auch wortlos wieder zurück, betreten das Haus aber nur, wenn auch beide Hunde ruhig sind. Da wir aber beide berufstätig sind, sind die beiden zwangsläufig morgens ca. 2 Stunden oder auch mal 3 Stunden allein. Wir haben testweise eine Kamera aufgestellt, die aber leider immer nur ca. 20 Minuten Filmmaterial liefert. Wenn sie frei laufen, klappt es schon besser, als in der Box. Aber es ist trotzdem noch so, dass der Junghund winselt und jammert und der "alte" dann auf Dauergebell umstellt. Auf einem Video ist er den kleinen regelrecht angegangen und es gab wohl eine kleine Keilerei (auf dem Video war das nicht genau zu sehen, weil es außerhalb des Sichtfeldes war). Der kleine kommt aus dem Tierheim und ist extrem futterfixiert, weshalb wir dachten, eine Kaustange oder ähnliches könnte die Lösung sein. Dann ist er nämlich tiefenentspannt und mucksmäuschen still. Er winselt nicht, der andere bellt nicht und wird nicht aggressiv - alles gut. Aber leider, leider löst diese Futterfixierung auch Futterneid aus. Wenn also der alte noch was hat, der kleine aber fertig ist (oder auch umgekehrt), macht der Junghund ebenfalls wieder Theater. Geht also auch nicht. Spielzeug lassen wir ihm da und morgens, bevor ich zur Arbeit gehe, laufe ich mit den Hunden auch über einen Kilometer und sie bekommen Futter. Tagsüber gehen wir die 1,3 km Runde auch noch mindestens 2 Mal. Mangelnde Auslastung kann es also eigentlich nicht sein. Bisher war auf den 20-minütigen Videos zwar immer zu sehen, dass der ältere den jüngeren anbellt, wenn dieser Theater macht, aber nach max. 10 Minuten war da immer Ruhe. Jetzt haben wir nach ein paar Tagen Videopause mal wieder ein Video gemacht und entdecken plötzlich diese "Beißerei". Der kleine sitzt am Ende in einer Ecke und bewegt sich kaum. Wenn doch, wird er sofort wieder vom "alten" angegangen. Im Vorfeld gab es halt nur das Gejammer von dem Kleinen, das den alten so hochschaukelt. Aber am Ende sitzt der Junghund da ganz ruhig und der ältere klinkt schon bei jeder Bewegung aus. Wir wissen uns keinen Rat mehr. Solange wir zu Hause sind, ist alles gut. Im Wald, ohne Leine, spielen sie sogar miteinander, Gassi gehen ist ganz entspannt, sie laufen und schnüffeln nebeneinander, als wäre nichts. Ich weiß, es sind erst 14 Tage, die wir den neuen Hund haben. Aber ich will nicht vielleicht durch mein falsches Verhalten alles noch schlimmer machen. Durch die Videos z. B. haben wir erst mal erfahren, dass die "tolle" Idee mit der Hundebox total nach hinten losgegangen ist. Sollen wir die Hunde lieber von einander trennen? Der ältere ist kastriert, der junge noch nicht, beides sind Rüden. (Wir haben vorher allerdings auch immer zwei Rüden gehabt)

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Antworten(1)

  • Ellen Mayer
    Ellen Mayer (Hundetrainer)
    schrieb am 12.09.2017
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (0)

    Hallo,
    viele Leute meinen, wenn sie die Hunde während ihrer Abwesenheit in eine Box sperren, sei das Problem gelöst. Aber, wie Sie ja auch festgestellt haben, ist das ein Irrtum. Hunde sind dann immer noch angespannt, hinzu kommt dann noch das eingesperrt sein.
    Die Idee mit dem Trennen ist gut, wenigstens solange, bis sich das ganze eingespielt hat. Kaustangen würde ich allerdings unbeaufsichtigt nicht geben, da kann es zu schweren Verletzungen oder Erstickungen kommen. Besser sind gefüllte Kongs oder Futterbälle. Auch Futter in der Wohnung zu verstecken ist eine gute Alternative.

    Liebe Grüße
    Ellen Mayer
    www.lesloups.de

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