Aggressives/Unsicherheit: Bellen gegen andere Hunde, Männer und kinder

Aggressivität ❯ Gegenüber anderen Hunden
Isilinchen schrieb am 05.02.2015
Huhu
Ich habe 2 Hündinnen. Eine Münsterländermix Dame namens Pepper (fast 5jahre)und eine Jack-russelmix Dame(2jahre)namens Khaleesi . Bevor Khaleesi zu mir kam war Pepper ein sehr entspannter Hund. Hatte keinerlei Aggressionen gegen andere Hunde und sehr Ball und Frisbee verrückt. Wenn Spielzeug da war waren andere Hunde absolut uninteressant. Dann würde sie von einem fremden Hofhund bei einer Fahrradtour angegriffen. Danach ging sie anderen fremden Hunden dezent aus dem Weg zeigte aber keinerlei Aggressionen. Als Khaleesi zu uns kam mit 12wochen aus einem sehr sehr vernachlässigten zuhause nahm das ganze nach und nach seinen Lauf. Khaleesi hatte zu Beginn Angst vor allem und kannte nix. Mit Pepper gab es von Anfang an aber keine Probleme.

Mit ihrer Körpergröße damals von einem minichihuaha ging ich mit ihr zu einer Welpenschule dort wurde sie von der Trainerin oft aus dem spiel genommen da sie so klein war und es nur wenige andere Hunde. Die die da waren waren älter und eher labradorwelpenkaliber. Da zeigte sie ein eher ängstliches Verhalten.

Mit der Zeit legte sie einige Ängste ab freundete sich auch mit einigen wenigen Hunden an. Die Hündin meiner Eltern und die 4-5 Hunde bei mir am Pferdestall sind kein Problem. Da wird ausgiebig und freudig gespielt.Alle andere Hunde werden aggressiv angebellt. Ob mit oder ohne Leine.

Auch viele Männer die sich versuchen mit ihr zu beschäftigen werden angebellt und wenn sie versuchen sie direkt zu streicheln kann ich nicht ausschließen das sie vorsichtig schnappen würde. Ignorieren sie sie erstmal kommt sie schnell an und lässt sich gerne streicheln und kraulen. Gleiches gilt für Frauen die unsicher sind. Da zieht sie das selbe ab.
Kinder die sich schnell auf sie zubewegen sind ihr unheimlich.
Insgeheim glaube ich mittlerweile das sie aus Polen gekommen sein könnte damals und dort und auf dem Weg sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben muss.

Wenn ich mit beiden Mädels unterwegs bin artet das dann aus sobald wir einen fremden Hund treffen denn dann dreht nicht nur Khaleesi ab sondern Pepper fängt auch total an zu bellen. Obwohl sie das nie gemacht hat. Das ist echt ziemlich nervig und wenn man 2hunde an der Leine hat, die sich mit ihren 18 und 9 kg voll in die leinen werfen ist das einfach nur stressig peinlich und anstrengend. Das führt dazu das ich schon Wege meide wo ich andere Hunde treffen würde und das ich nicht zu Stoßzeiten mit denen gassi gehe. In die Stadt nehm ich die beide schon gar nicht mehr mit. Obwohl das mit Pepper alleine immer toll und angenehm war. Selbst beim shoppen hat sie sich einfach in der umkleide beim anprobieren hingelegt.

Ich würde gerne effektiv an dem Problem arbeiten. Mich habe auch schon mehrfach mir Gedanken gemacht zu einer Hundeschule zu gehen. Aber ich arbeite im schichtdienst und das regelmäßige Treffen dort ist einfach nicht unbedingt machbar. Und ehrlich gesagt ich glaube wenn ich 1mal im Monat nur am Training teilnehmen kann ist das auch eher wenig förderlich.

Meine Mutter meinte ich sollte die Khaleesi kastrieren lassen damit würde sich das Problem erledigen aber ich glaube nicht das das dann das ganze Problem behebt.
Ich will lieber tgl kleine Übungen mit ihr machen um dann endlich 2emtspannte mädels an der Leine zu haben.

Vllt kann man mir hier ja helfen.

Mit freundlichen Grüßen
Isilinchen
2 Antworten
Gabriele Holz | Hundetrainer/in
schrieb am 05.02.2015
Hallo Isilinchen,
von einer Kastration würde ich ihn auf jeden Fall abraten. Ängstliche Hunde können ihre Angst nach einer Kastration noch verstärken. Das gleiche gilt auch für Aggressionen. Nur bei hormonellen Aggressionen, also Aggressionen gegen gleichgeschlechtliche Hunde oder aufgrund der hormonellen Schwankungen macht eine Kastration überhaupt Sinn. Hier kann ich Ihnen das Buch von Ganslosser empfehlen "Kastration von Hunden" Ich nehme an dass sich Pepper für Khaleesi verantwortlich fühlt, und deswegen nun auch andere Hunde anbellt. Die beiden wollen die anderen Hunde auf Distanz halten. Dass ihre Hundetrainerin ihre kleine Maus aus dem Welpentraining heraus genommen hat, war vollkommen in Ordnung. Gerade Labrador Welpen neigen dazu etwas wild zu spielen. Damit wäre ihre junge Hündin wahrscheinlich überfordert gewesen. Ich denke, sie werden nicht drum herumkommen, mit beiden Hunden separat zu trainieren. Pepper muss Ihre Souveränität wieder erlangen, Khaleesi muss das Vertrauen zu Ihnen bekommen, dass sie die Situation für sie regeln. Mit Pepper würde ich ganz viele Übungen machen, die eigentlich unter Impulskontrolle Übungen fallen. Wichtig bei diesen Übungen ist immer, dass sie als Chef das Signal geben, wann es losgeht. Darunter fallen alle Spiele, in denen der Hund warten muss bis Sie zum Beispiel etwas versteckt haben, oder etwas vorbereitet, oder auch das Futterbeutel Training. Mit Khaleesi würde ich erst einmal Übungen machen, die das Vertrauen stärken. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sorgen Sie jetzt schon dafür, dass fremde Personen ihre Hündin nicht anfassen dürfen, solange sie das nicht von sich aus möchte. Das finde ich vollkommen richtig. Bei fremden Personen, die sie auch nicht kennen, können Sie das ihrem Hund sehr deutlich machen, indem Sie Khaleesi direkt schützen beziehungsweise vor sie treten. Ansonsten sind dies Übungen, die vor allem den Intellekt des Hundes ansprechen. Es können auch Übungen sein, über wackelige Dinge zu balancieren. Wichtig ist, dass die Aufgaben immer nur so schwer ist, dass Khaleesi sie immer gerade noch gemeistert bekommt. Das stärkt Ihr Selbstvertrauen. Auch Longiertraining ist eine fantastische Sache für ihre Situation. Dadurch lernt Ihre Hündin, immer nach Ihnen zu sehen. Darüber hinaus würde ich daran arbeiten, dass Khaleesi Sie oft ansieht. Haben Sie schon mit dem Clicker gearbeitet? Wenn Sie mit beiden Hunden mit schon mit dem Clicker gearbeitet haben, ist das eine fantastische Sache, um später in Hundebegegnungen zu gehen.
Ich weiß, dass es für einen selbst sehr unangenehm und stressig ist, wenn die Hunde sich nicht so verhalten wie man es gerne hätte. Hier gerät man sehr leicht in einen Teufelskreis. Man sieht die Situation auf sich zukommen, reagiert schon etwas nervös und hilflos, das überträgt sich wieder auf die Hunde, die sich dann erst recht nicht gut verhalten. Bitte setzen Sie sich in einer ruhigen Minute doch einmal hin, und schreiben auf was Ihnen an Ihren beiden Hunden besonderst gut gefällt. Es kann auch immer wieder sinnvoll sein, ein Trainingstagebuch zu führen. Darin kann man alle Fortschritte festhalten. Hat es einmal nicht so gut geklappt, dann schreibt man sich auf, warum es nicht gut geklappt hat. Waren die Hunde nicht gut drauf? War man selbst nicht gut drauf? Und man kann immer wieder in einem Trainingstagebuch nachlesen, welche Fortschritte man schon gemacht.
Wenn Sie noch detailliertere Informationen haben möchten, wie sie das Training aufbauen, stehe ich gerne zur Verfügung.
Liebe Grüße,
Ihre Gabriele Holz
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Uwe P.
schrieb am 05.02.2015
Hallo Isilinchen,
ch sindanke erst einmal für die ausführliche Schilderung der Gesamtsituation. Also das Khaleesi mit abwerdrohen reagiert ist ein normales Hundeverhalten bei Angst. Diese Ängste hatte sie ja bereits als sie zu Ihnen kam. Für mich ist die Schilderung so, dass Khaleesi keine oder wenig ausreichende Sozialisierung während der 3. bis 12. Lebenswoche hatte. In dieser Zeit lernen die Hunde am Schnellsten und alle in dieser Zeit erlernten Reize wir Kinder, Männer, Katzen usw. sind dann später nicht mehr beängstigend. Zu der Hundeschule nur soviel, dort hat Khaleesi gelernt, dass andere Hunde gefährlich sind.. Eine konwentionelle Hundeschule mit Platztraining würde Sie nicht weiter bringen. Hier wäre Einzeltraining mit einem gewaltfrei arbeitenden und auf Verhalten spezialisierten Trainer sinnvoll. Diese finden Sie auf der Homepage des IBH unter folgendem Link:http://www.ibh-hundeschulen.de/hundeschulen/deutschland.html
Nun die ersten Lösungen der Probleme:
1. alle Personen nehmen ab sofort ihre Fingwr weg von Khaleesi, ihr soll die Möglichkeit gegeben werden, sich selbst auszusuchen wen sie näher an sich heran lässt und wen nicht. Wichtig wäre, dass Sie bei Khaleesi bleiben, sobald jemand sich ihr nähert. So lange Khaleesi nicht reagiert, also nicht bellt, lassen Sie sie an einer Tube mit Leberwurst schlecken. Sie sagen nichts, streicheln sie nicht und die Person sollte nicht zu nah kommen. In den folgenden Tagen oder besser nach 50 bis 100 Übungen können Sie dann die Distanz langsam verkleinern. Die muss mit jedem für Khaleesi Angst auslösenden Reiz geschehen. Also viel Arbeit.
2. Das Pepper jetzt mit bellt ist Gruppendynamik. Also besser mit Khaleesi allein trainieren.
3. Eine Kastration würde ich nicht empfehlen, da das Verhalten ist nicht zyklusabhängig. Eine Kastration löst keine Probleme, das Training bleibt trotzdem.
4. Sie können unterstützend folgende Bach Blüten Mischung einsetzen:
http://bach-blueten-best.de/Bach-Bl%C3%BCten/Hund/Bach-Bl%C3%BCten-Mischungen/Wut%20aus%20Furcht%20Hund,%20Globuli,%20Bachbl%C3%BCten-Globuli%20Hund%20Nr.H%203
5. natürlich kann das Training nicht ohne sicheren Grundgehorsam fruchten. Dieser ist eine Voraussetzung ebenso eine gute Bindung zu Ihnen mit souveräner konsequenter Führung
Also zusammengefasst heist das alles: Grundgehorsam, Gegenkonditionnierung, Aufbau eines Alternativverhaltens bei Angst. Langsame Steigerung der Schwierigkeiten in Verbindung mit kürzeren Distanzen.
Ihnen mit Pepper und Khaleesi wünsche ich allles Gute und die Kraft, Khaleesi ein angstfreieres Leben zu ermöglichen.
Ich hoffe, Sie kommen jetzt ein Stück weiter und können sich gern wieder melden. Natürlich auch per Telefon.
MfG
Uwe Planer
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