Ihre Hundetrainer-Sprechstunde

ist mein Hund über fordert?

Thema: Allgemeines
  Berlin
stefanie_splawski schrieb am 27.05.2015   Berlin
Angaben zum Hund: Mischlinge bis 44 cm, weiblich, kastriert, Alter 1-5 Jahre

Meine Hündin Raya ist eigentlich ein toller gehorsamer Hund. An der Leine, ohne Leine, Tricks und abrufbarkeit sind kein Thema. Jedoch wird es immer schlimmer das sie mir Leute und Hunde ankündigen will ( die Distanz wird gefühlt immer größer) auch zuhause hab ich immer mehr Mühe sie im Zaum zu halten. Wir haben schon viel versucht, derzeit trainieren wir das sie, wenn sie anfängt zu bellen, zu mir kommen soll und sich ablegt, damit sie sich nicht reinsteigert. Wenn ich die Situation schneller erkenne als sie, kann man sie mit Mühe auch davon abhalten, aber es klappt leider nicht immer. Meine Frage lautet: wäre es klug meinen Hund demnächst nur noch an der Leine, bei mir zu halten um mich zwischen sie und der "Situation" zu stellen, um ihr deutlich zu machen das sie keine Ansage machen muss oder haben sie eine bessere Idee. Ich bin über Anregungen wirklich sehr dankbar!
Mit sonnigen grüßen vom müggelsee
Steffi und Raya

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Antworten(1)

  • Barbara Nehring
    Barbara Nehring (Hundetrainer)
    schrieb am 28.05.2015
    ∅ Bewertung dieser Antwort
    (1)

    Hallo Stefanie
    es hört sich so an als ob Raya die Verantwortung für Sie übernommen hat. Stellen Sie flgd. Hausregeln auf und lassen Sie Raya erst einmal nicht mehr vor Ihnen laufen.
    Wer für den Hund die wichtigen Ressourcen verwaltet, wie erhöhte Positionen, Futter und soziale Aufmerksamkeit, ist der Rudelführer. Um dies Ihnen zu verdeutlichen nachfolgend die Hausregeln. Außerhalb des Hauses bedeutet das natürlich auch den Hund zu führen und diesen zu beschützen. Diese Hausregeln einzuhalten bedeutet, dem Hund seine Position im „Rudel“ deutlich zu machen. Hier erarbeitet sich der Halter seine klare Führungsposition. Diese gibt dem Hund Sicherheit und Orientierung und vermeidet Verhaltenprobleme. Sind diese schon vorhanden, ist es sehr wichtig, die Regeln umzusetzen.

    1. Füttern Sie Ihren Hund niemals vom Tisch und geben Sie ihm bitte auch nichts von Ihren Zwischenmahlzeiten ab.

    2. Bitte dem Hund kein Futter zur freien Verfügung stehen lassen. Wenn der Hund nicht auffrisst, nehmen Sie den Napf nach 2-3 Minuten wieder weg und füttern Sie ihn zur nächsten Mahlzeit wieder (..und der Mensch isst zuerst und dann der Hund)

    3. Bevor der Hund seinen Napf bekommt, befolgt er erst ein Kommando, z.B. „Sitz“ und „Bleib“. Dann wird der Napf hingestellt. Wenn der Hund im „Bleib“ bleibt und den Halter kurz anschaut, wird das Kommando aufgelöst und der Hund darf zum Napf. Löst er das Kommando von sich aus auf, nehmen Sie den Napf wieder weg. Es dauert evtl. einige Zeit, ehe der Hund den Ablauf gelernt hat.

    4. Günstiger ist es, das Futter über Gehorsamkeitsübungen oder Suchspiele zu geben, hier darf man ruhig kreativ sein.

    5. Schaffen Sie Tabuzonen für Ihren Hund, sei es das Bad oder ein anderer Raum, in den er nicht hinein darf.

    6. Auf erhöhte Plätze wie Sofa oder Bett darf der Hund nur nach Ihrer Aufforderung und genauso bestimmen Sie auch, wann er wieder hinunter geht.

    7. Spielaufforderungen Ihres Hundes ignorieren Sie, findet er sich damit ab, rufen Sie ihn und spielen mit ihm. Spielzeug sollte nicht zur freien Verfügung stehen. Nehmen Sie ein Spielzeug und spielen Sie mit dem Hund. Spielen Sie nie so lange, bis der Hund keine Lust mehr hat und von sich aus aufhört. Wird der Hund im Spiel zu grob, brechen Sie das Spiel sofort ab und ignorieren den Hund. Auch können Sie dem Hund ein Spielzeug zur Selbstbeschäftigung geben. Dieses aber dann auch wieder wegnehmen, bevor der Hund von sich aus aufhört.

    8. Sämtliche sozialen Aktionen gehen von Ihnen aus und werden auch von Ihnen beendet.
    Aufforderungen zum Spielen, Füttern und Streicheln ignorieren Sie. Verhält sich der Hund ruhig, können Sie ihn nach einigen Minuten rufen und die Aktion beginnen. Start und Ende wird immer vom Halter bestimmt, nicht vom Hund!

    9. Steigen Sie in der Wohnung nicht über Ihren Hund, verlangen Sie von ihm, dass er Ihnen aus dem Weg geht.

    10. Liegeplätze sollten immer an „strategisch ungünstigen“ Stellen sein, also da wo der Hund nicht alles genau überschauen kann, z.B. im Flur wo er genau beobachten kann, wer ein – und ausgeht. Lieber einen Platz in einer Ecke wählen.

    11. Zwischen Kommando und Handlung dürfen nicht mehr als 2 Sekunden liegen. Also auch eine Aktion Loben oder Rügen immer innerhalb von 2 Sekunden, sonst kann der Hund keinen Zusammenhang mehr feststellen. Beim Loben + Rügen und bei jeder Kommunikation mit dem Hund bitte die hündische Sprache anwenden.

    12. Der Hund darf keine Körperteile vom Menschen in das Maul nehmen (Welpen ausgenommen).

    13. Wenn Sie nach Hause kommen, bitte erst den Hund beachten und begrüßen wenn er wieder ruhig ist und keine Aufmerksamkeit einfordert.

    14. Der Hund darf Besuch nicht als Erstes begrüßen.

    15. Der Mensch geht zuerst durch die Tür um sicher zu stellen dass keine Gefahr besteht.

    16. Der Hund darf uns nicht in der Bewegung einschränken, also nicht auf die Füße legen oder vor uns stellen (Welpen ausgenommen).

    17. Keine Rangelspiele mit dem Hund. Bei Zerrspielen nur mit dem Kommando des Ablassens

    18. Außerhalb des Hauses läuft der Hund auf dem Menschen orientiert also Leinenführig (keine Flexileine!) und im Freilauf mit Schleppleine wenn er noch nicht sicher abrufbar ist. Der Auslauf des Hundes (außerhalb des Gartens) beträgt min. 2,5h/Tag (Welpen max. 5 min pro Lebensmonat am Stück).

    19. Um dem Hund auch Biochemisch die Grundlage zu geben müssen Sie auch auf die richtige Zusammensetzung der Hundenahrung achten (Zusammensetzung: Fleisch 40-60%, Kohlehydrate, Gemüse, Kräuter, alle Mineralstoffe; Fisch oder Fischöl, keine Mehle, kein Zucker, keine Nebenprodukte)
    Viel Erfolg!

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