Hundemalaria, auch Piroplasmose oder Babesiose genannt, ist eine durch Zecken übertragene Krankheit der roten Blutkörperchen. Typische Symptome für Babesiose beim Hund sind hohes Fieber und blutiger Urin. Da die Krankheit zur Blutarmut führt, ist sie lebensgefährlich und sollte schnellstmöglich von einem Tierarzt oder einer Tierärztin behandelt werden.


Inhaltsverzeichnis:


Wie erkrankt der Hund an Hundemalaria?

Hundemalaria wird durch Babesien ausgelöst. Das sind einzellige Parasiten, die die roten Blutkörperchen befallen und zerstören. Sie werden durch Zecken v.a. in Süd- und Osteuropa, aber auch in Österreich und der Schweiz übertragen. Mittlerweile breitet sich die Krankheit auch in Deutschland immer weiter aus. Hier gilt insbesondere die Auwaldzecke als Hauptüberträger. Wenn die Zecke einen infizierten Hund oder ein anderes infiziertes Tier wie beispielsweise ein Reh oder Rotwild sticht, nimmt sie die Babesien auf. Diese vermehren sich im Darm der Zecke und gelangen von dort in ihre Speicheldrüsen. Sticht die Zecke nun einen anderen Hund, überträgt sie dabei die Babesien mit ihrem Speichel. Das dauert jedoch 12 bis 36 Stunden.

Was sind die Symptome von Hundemalaria?

Das Ausmaß der Symptome ist abhängig von der Art der Babesien und davon, ob das Immunsystem Ihres Hundes schon durch andere Krankheiten oder sein Alter geschwächt ist. Hunde, die an Hundemalaria erkrankt sind, haben Fieber, sind matt, wollen nichts fressen und der Harn färbt sich braun bis rötlich.
Die Parasiten zerstören die roten Blutkörperchen, welche für den Sauerstofftransport zuständig sind. Dadurch kommt es zur Blutarmut und führt ohne rechtzeitige Behandlung, aufgrund mangelnder Sauerstoffversorgung der Organe, zu Organversagen. Eine Blutarmut erkennen Sie an blassen Schleimhäuten z.B. dem Zahnfleisch. Das Zahnfleisch kann sich aber auch gelb färben, weil die Zerstörung der roten Blutkörperchen Blutfarbstoff freisetzt. Wird dieser abgebaut, entsteht ein Zwischenprodukt, das die Schleimhäute gelb und den Urin braun färbt.
Ist das Nervensystem und das Gehirn zu wenig durchblutet, fällt Ihr Hund durch Bewegungsstörungen und eine mangelnde Koordination auf. Auch die Blutplättchen, die für die Blutgerinnung zuständig sind, können erniedrigt sein. Mitunter führt dies dazu, dass Ihr Vierbeiner länger blutet wenn er sich verletzt.

Wie wird Hundemalaria festgestellt?

Anhand der Symptome im Zusammenhang mit einem vergangenen Zeckenstich und dem Aufenthalt in einem Risikogebiet kann der Tierarzt oder die Tierärztin schon einen Verdacht äußern. Um diesen zu bestätigen, nimmt der Tierarzt oder die Tierärztin Ihrem Hund Blut ab. Ein Blutbild zeigt unter anderem die Blutarmut durch einen verminderten Gehalt an roten Blutkörperchen. Oft kann der Tierarzt oder die Tierärztin die Babesien unter dem Mikroskop im Blut des Hundes sehen. Das ist jedoch nicht immer möglich, weshalb zwei weitere Untersuchungen zum Nachweis der Babesiose beim Hund herangezogen werden sollten. Zum einen wird die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger anhand der Antikörper getestet. Zum anderes lässt sich die Erbinformation der Babesien nachweisen. Beides liefert jedoch erst frühestens ab dem 5. Tag der Infektion ein positives Ergebnis. Lassen Sie sicherheitshalber andere Reisekrankheiten wie Ehrlichiose und Anaplasmose direkt mit testen, da diese mit ähnlichen Symptomen verbunden sind und eine Zecke mehr als einen Erreger übertragen kann. Bis die Testergebnisse da sind, kann es sinnvoll sein, per Ultraschall oder Röntgen auszuschließen, dass innere Blutungen die Ursache für die Blutarmut sind.

Therapie und Vorbeugung von Hundemalaria

Ein Hund mit Hundemalaria ist oft ein Notfallpatient! In der Tierarztpraxis bekommt er zunächst eine Infusion mit Flüssigkeit oder in schweren Fällen eine Bluttransfusion um die Blutarmut auszugleichen. Leider ist in Deutschland kein Medikament zur Behandlung von Hundemalaria zugelassen. Der Tierarzt oder die Tierärztin kann es aber zur Therapie einer nachgewiesenen Babesiose beim Hund im Ausland bestellen. Mitunter dauert es ein paar Tage, bis das Medikament da ist.  Meistens reicht es dann den Wirkstoff einmal zu spritzen. Unter Umständen führt er zu Erbrechen, Speicheln und Durchfall, was jedoch harmlose Nebenwirkungen im Vergleich zum Nutzen des Medikaments sind. Des Weiteren kann das Präparat negative Auswirkungen auf die Leber und Niere haben, dem kann der Tierarzt oder die Tierärztin aber durch eine Infusion entgegenwirken. Und auch hier sollte das Risiko dem weitaus höheren Nutzen gegenübergestellt werden.
Lassen Sie nach 3 Wochen von Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin mit einem Antikörper-Test überprüfen, ob die Therapie erfolgreich war.

Die Prognose hängt von der Art der Babesien, dem Schweregrad der Erkrankung und dem Alter Ihres Hundes ab. In der Regel ist bei schneller Therapie eine Besserung innerhalb weniger Tage sichtbar. Übersteht Ihr Hund die Erkrankung, ist er zunächst vor einer weiteren Infektion mit Ausbildung der Symptome geschützt. Dennoch kann er weiter ansteckend sein. Der Schutz hält außerdem nur 6-12 Monate und ist ausschließlich auf die Babesienart, mit der Ihr Hund infiziert war, beschränkt.

Grundsätzlich sollten Sie Ihren Vierbeiner vor Zecken schützen. Meiden Sie die vor allem im Frühling die Lieblingsaufenthaltsorte der Zecken wie hohes Gras am Waldrand und verwenden Sie Schutzmittel aus der Tierarztpraxis wie Zeckenhalsbänder oder Tropfen, die auf das Fell aufgetragen werden. Suchen Sie Ihren Hund regelmäßig und insbesondere nach Spaziergängen nach Zecken ab. Aufgrund der Zeitspanne von bis zu 36 Stunden, die es bis zur Übertragung der Babesiose beim Hund braucht, kann die Erkrankung mit Hundemalaria vermieden werden, wenn Sie die Zecken rechtzeitig entfernen.

Für Reisen in ein besonders gefährdetes Gebiet für Hundemalaria empfiehlt sich eine Babesiose-Impfung. Sie bietet zwar keinen Schutz vor der Erkrankung, jedoch würde diese dadurch weitaus milder verlaufen. Der Impfstoff ist in Deutschland nicht erhältlich. Sprechen Sie Ihren Tierarzt oder Ihre Tierärztin deshalb rechtzeitig bei geplanten Reisen in Risikogebiete darauf an.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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